«Wir sind stolz auf 1850 Besucher in zehn Wochen»
Das neue Anna-Göldi-Museum in Ennenda befindet sich im Winterschlaf. Anders sieht es bei Museumsleiter Fridolin Elmer und Stiftungsratspräsident Walter Hauser aus. Sie planen bereits mit Elan das nächste Jahr.
Das neue Anna-Göldi-Museum in Ennenda befindet sich im Winterschlaf. Anders sieht es bei Museumsleiter Fridolin Elmer und Stiftungsratspräsident Walter Hauser aus. Sie planen bereits mit Elan das nächste Jahr.
Herr Elmer, zunächst einmal, wie überwintert man ein neues Museum mit all seiner Technik? Wird im Hänggiturm jetzt alles warm eingepackt, damit nichts einfriert?
Fridolin Elmer: (schmunzelt) Genau das finden wir gerade heraus. Wir hatten gestern eine Sitzung, wie man die Geräte behandeln soll. Grundsätzlich sollten sie bei Temperaturen unter fünf Grad nicht laufen. Im Winter ist das Museum nicht in Betrieb.
Walter Hauser: Wie der Freulerpalast in Näfels oder das Museum Schloss Werdenberg haben wir von November bis zum 1. April geschlossen.
Ist das nicht ein Riesen-Handicap?
Hauser: Wenn uns jemand die Isolation und Heizung zahlen würde, dann wäre das ein Glücksfall. Unsere Erfahrungen sind aber gut bisher. Von tieferen Temperaturen haben sich die Besucher in der Übergangszeit die Laune nicht verderben lassen.
Elmer: Und uns tut es im Moment gut, nach dem geglückten Start des Museums etwas zu verschnaufen. Im Alltag hat man keine Zeit, Neues aufzugleisen. Wie sagt man so schön: Nach der Saison ist vor der Saison.
Die Eröffnung wurde am 20. August gross gefeiert. Wie kam das Museum bei den Leuten und auch in den Medien an?
Hauser: Die Medien – hiesige und nationale – haben sehr positiv berichtet. Die Besucher lassen sich von der Ausstellung berühren. Das sieht man auch im Gästebuch. Die Botschaft kann deswegen aber nicht sein, dass alles einfach super ist und wir die Hände in den Schoss legen. Jetzt gilt, uns noch weiter zu verbessern. Nach drei anstrengenden Jahren, mit dem Druck, ob wir es schaffen oder nicht, habe ich nicht erwartet, dass das Produkt so gut herauskommt.
Was war das schönste Kompliment?
Elmer: Jemand hat gesagt, der Raum sei ein Gesamtkunstwerk. Viele haben die gute Mischung zwischen moderner Technik und klassischen Ausstellungselementen gelobt.
Wer besucht das Museum? Gibt es typische Besucher, die sich für Anna Göldi interessieren?
Hauser: Die Leute kommen aus der ganzen Schweiz, auch aus dem süddeutschen Raum. Sogar eine Nachfahrin des deutschen Journalisten Heinrich Ludwig Lehmann, der den Fall Anna Göldi 1783 publik machte, war hier. Oder Prominente wie die Anna-Göldi-Autorin Eveline Hasler und Charles Clerc, Tagesschausprecher und Göldi-Schauspieler, oder auch der Regierungsrat des Kantons Zug.
Elmer: Das Schönste für mich und das Personal sind die Begegnungen im Museum. Die Leute bringen Geschichten mit. Sie heissen Göldi oder kommen aus einem Dorf, wo es Hexenprozesse gab. Sie wollen sich mit Recht und Unrecht auseinandersetzen.
Wie ist das Interesse der Glarnerinnen und Glarner?
Elmer: Von den Glarnern allein könnten wir nicht leben. Wir laden aber alle herzlich ein, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen. Von Nestbeschmutzung, wie manche meinen, kann dabei keine Rede sein. Wir gehen mit dem Stoff sorgsam um.
Kann das Museum die Bedürfnisse vom Schulkind bis zum Menschenrechtsaktivist abdecken?
Elmer: Ja, es funktioniert. Vom Schulkind bis zum Professor. Vor allem, wenn sich eine Schulklasse etwas vorbereitet. Eine Klasse aus Elm hat mich da völlig beeindruckt.
Hauser: Es ist ein Museum, das zum weiteren Nachdenken anregt.
Wie weit ist das geplante Tool für Schulen?
Elmer: Daniel Emmenegger arbeitet an Unterrichtseinheiten für das digitale Heimatbuch des Kantons Glarus.
Wie viele Besucherinnen und Besucher gab es seit dem Start?
Elmer: Wir sind stolz auf 1600 Eintritte in zehn Wochen und etwa 250 Personen an diversen Veranstaltungen. Das übertrifft unsere Erwartungen bei weitem. Gut die Hälfte der Gäste kommt zu Führungen, die anderen Besucher sind individuell unterwegs.
Hauser: Den Leuten gefällt aber nicht nur das Museum, sondern auch das Glarnerland. Dort kehren sie noch irgendwo ein; oft zuerst in die «Baumwollblüte» nebenan; dann besuchen viele das Klöntal.
Wie ist die Zusammenarbeit mit dem Tourismus und anderen Anbietern?
Elmer: Da sind wir noch am Anfang. Unseren Jahresabschluss feiern wir diese Woche mit einer Führung im Freulerpalast. Das dient auch dem gegenseitigen Kennenlernen.
Was sind Schwachpunkte?
Hauser: Das ist etwa die Beschilderung des Museums. Der Linthsteg wird einmal eine grosse Verbesserung bringen. Damit gehört das Museum dann fast zum Zentrum von Glarus.
Wie sieht es mit dem Personal aus?
Elmer: Eigentlich könnten wir mehr Leute gebrauchen, um unsere Besucher, noch besser abzuholen.
Hauser: Der Museumsleiter ist zu 50 Prozent vom Stiftungsrat angestellt. Dazu kommen fünf Leute, die sich die Museumsaufsicht aufteilen. Alle andere arbeiten ehrenamtlich mit. Es steckt also viel Herzblut hinter dem Ganzen.
Wie ist der Betrieb finanziell gesichert?
Elmer: Das Museum ist mit 800 000 Franken, grösstenteils aus privaten Mitteln, aufgebaut worden. Seit Kurzem wissen wir, dass wir neue Fenster oder auch eine neue Lifttüre einbauen müssen.
Hauser: Ein Museum mit nationaler Ausstrahlung ist nicht zum Nulltarif zu haben. Vom Kanton erhoffen wir uns deshalb Unterstützung in Form einer angemessenen Leistungsvereinbarung.
Welche Pläne gibt es neben der Dauerausstellung für das nächste Jahr?
Elmer: Wir planen zum Beispiel eine Sonderausstellung mit einer einheimischen Künstlerin sowie eine Ausstellung zur Zeit der Französischen Revolution. Angedacht ist ein Anlass mit dem Dritten Programm der Kulturgesellschaft Glarus. Das Referat mit der Frauenrechtskämpferin Monika Hauser wird Mitte April nachgeholt. Der Anna-Göldi-Menschenrechtspreis wird wieder verliehen. Jeder hat ein anderes Bild von Anna Göldi. Was für eine Frau war sie? Ich wünsche mir auch einen Anlass, an dem über die verschiedenen Anna-Göldi Bilder diskutiert werden kann. So wollen wir ganz verschiedene Leute ansprechen
Hauser: Wir wollen aber auch jungen Leuten, die eine Arbeit über Anna Göldi schreiben, eine Plattform geben.
Dann sind Sie guter Dinge für die Zukunft des Museums?
Hauser: Wir sind übrigens als Museum mit nationaler Ausstrahlung ausgezeichnet worden. Am Mittwoch, 29. November, ist um 21.45 Uhr ein Werbespot von Swisslos auf SRF1 zu sehen.
Elmer: Ja. Der Start war super. Jetzt kommen neue Herausforderungen.
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