Ehre für einen Glarner Weltbürger
Mit Geigenklängen, Blumen, Reden und lieben Freunden: Kulturdirektor Benjamin Mühlemann hat den diesjährigen Kulturpreis an einer Feier im Kunsthaus Glarus am Donnerstagabend dem im Glarnerland aufgewachsenen Autor Perikles Monioudis überreicht.
Mit Geigenklängen, Blumen, Reden und lieben Freunden: Kulturdirektor Benjamin Mühlemann hat den diesjährigen Kulturpreis an einer Feier im Kunsthaus Glarus am Donnerstagabend dem im Glarnerland aufgewachsenen Autor Perikles Monioudis überreicht.
«Im Glarnerland erinnern sich viele an ihn als Fussballspieler», sagt Regierungsrat Benjamin Mühlemann. In vorderster Reihe lauscht der heute in Zürich lebende Perikles Monioudis mit seiner Gattin Dana Grigorcea, beiden Kindern und der Mutter sowie vielen Gästen der Festrede. Monioudis strahlt. Doch geht es an der Feier weniger um die Fussballtalente des heutigen Chefredaktors des «Fifa-Magazins», sondern um seine grosse Begabung als Schriftsteller und die Ehrung seines reichen literarischen Werkes.
Einige seiner insgesamt 19 Bücher – Romane, Erzählungen, Theaterstücke, Notate oder auch einen Glarner Krimi – hat Mühlemann aus der Landesbibliothek mitgebracht. An ihren Titeln verankert er seine Rede. «Im Äther», «Junge mit kurzer Hose», «Land» oder auch «Freulers Rückkehr» gehören dazu.
Respekt vor scharfem Denker
Immer wieder tauche auch das Glarnerland in den Werken von Monioudis auf, so Mühlemann. Dabei erweise sich Monioudis stets als Kenner, wie auch seine Betrachtungen über die Glarner nach der letzten Landsgemeinde in der «NZZ am Sonntag» zeigten. Darin habe der weit gereiste Autor ergründet, warum die Glarner aus ihren engen Tälern so offen und fortschrittlich seien, kein Burkaverbot wollten und das Stimmrecht ab 16 Jahren hätten: «Weil sie nichts übrig haben für ‹tumms Züüg›», so der Schriftsteller.
Nach spannenden, überraschenden Geigen-Improvisationen von Philipp Klaus hält Schriftstellerin Ruth Schweikert die Laudatio. Als Leserin stehe sie vor ihm, dem bewanderten, weit gereisten Weltbürger, Erzähler, Intellektuellen und Freund. Sie kenne wenige so kluge, gebildete und tätige Denker, die von sich selber so viel erwarteten. «Leicht macht er es sich beim Schreiben und auch den Lesern trotzdem nicht», so die Schriftstellerin. So habe sie sich kürzlich auch kritisch mit ihm hinterfragt, «wer sind denn heute unsere Adressaten?».
Sie wünsche ihm, seine grosse Begabung weiter zu hegen und pflegen. Dass ihm das und vor allem das Leben gelingen möge, im besten Sinne, sodass er nicht nur in Glarus «arriviert» ankomme, sondern «an Land», beim Schreiben, im Leben, in der Literatur.
Schriftsteller durch Imitation
«Wie wird jemand Schriftsteller, wie entsteht Literatur?», fragt dann der geehrte Monioudis. Ein Schriftsteller sei eine Person, die Dinge zu Papier bringe, aber nicht irgendwie, sondern in der Auseinandersetzung mit den sprachlichen Mitteln. Diese Kunst falle nicht vom Himmel. Sie entstehe durch Imitation.
Dabei sei es nicht so, dass das Kind in Glarus auf dem Weg zur Schule an einer Reihe von Literaten-Cafés vorbeigeradelt wäre, so der heute 50-jährige Heimwehglarner. «Ich wurde Schriftsteller durch die Anverwandlung all dessen, von dem ich mir vorstellte, was einen Schriftsteller ausmacht.» Und so erinnert sich Monioudis an den zehn-, zwölfjährigen Buben, der sein Schulheft mit Wildwestgeschichten füllte. Und schliesslich wurde, was er schon früh dem Schein nach zu sein trachtete: ein Schriftsteller.
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