Die Bevölkerung steht mit «Ja, aber» hinter dem Tourismus
Der Tourismus geniesst in der Region Prättigau/Davos eine hohe Akzeptanz. Das ist die generelle Erkenntnis der Bevölkerungsumfrage, welche die Fachhochschule Graubünden im Auftrag der Regionalentwicklung in diesem Frühling durchgeführt hat. Es gibt jedoch auch Kritikpunkte, am deutlichsten bei den Themen Verkehr und Wohnen.
Der Tourismus geniesst in der Region Prättigau/Davos eine hohe Akzeptanz. Das ist die generelle Erkenntnis der Bevölkerungsumfrage, welche die Fachhochschule Graubünden im Auftrag der Regionalentwicklung in diesem Frühling durchgeführt hat. Es gibt jedoch auch Kritikpunkte, am deutlichsten bei den Themen Verkehr und Wohnen.
80 Prozent stehen Gästen positiv gegenüber
Generell kann festgestellt werden: Tourismus wird in der Region Prättigau/Davos als wichtig erkannt und hat kein generelles Akzeptanzproblem. Dies gilt für alle Subregionen etwa gleich, auch wenn in den touristischen Gemeinden die positiven Werte höher ausfielen. Zudem stehen rund 80 Prozent der Bevölkerung den Gästen positiv bis sehr positiv gegenüber; nur gerade 5 Prozent sehen Gäste eher oder ganz negativ. Die persönliche Betroffenheit spielt hier eine wichtige Rolle. Wer beruflich oder in der Freizeit mit dem Tourismus oder mit Gästen zu tun hat, steht der Branche positiver gegenüber. Wer wenig bis keine Bezüge hat, wertet den Tourismus negativer.
Für verschiedene Aspekte wurden die Teilnehmenden der Umfrage um eine detailliertere Einschätzung gebeten. Dass der Tourismus der Region viel Geld bringt und für Arbeitsplätze sorgt, ist für die meisten klar, auch wenn sie die Auswirkungen davon auf einer persönlichen Ebene eher weniger wahrnehmen. Auch die Rolle des Tourismus für das Kultur- und Freizeitangebot, die Infrastruktur und das allgemeine Ansehen der Region wird anerkannt, wobei hier die Werte in den weniger touristisch geprägten Subregionen signifikant niedriger sind. Eher skeptisch wird beurteilt, ob der Tourismus auch die Erhaltung von Bräuchen und Traditionen in der Region unterstütze oder für ein gutes Angebot von Geschäften und Gastronomie sorge.
Verkehr und Wohnen als Hauptprobleme
Bei den negativen Aspekten gibt es zwei Themen, die fast mit Maximalwerten deutlich an der Spitze stehen: Verkehr und Wohnen. Dabei ist die Stau-Problematik an Spitzentagen vor allem im vorderen und mittleren Prättigau ein Problem, während die viel diskutierten Wohnraum-Fragen die Bevölkerung in Davos/Klosters stärker umtreibt. Hohe negative Werte gibt es auch bei den Themen Verschmutzung, Abfall und Umweltschäden, die mit dem Tourismus in Zusammenhang gebracht werden.
Zur Bedeutung dieser Umfrage zieht Nadja Fleischli, Leiterin der Regionalentwicklung Prättigau/Davos, einen Vergleich: «Sie misst den Puls. Vieles, was wir bisher vermutet haben, wissen wir jetzt Schwarz auf Weiss, ergänzt mit neuen Erkenntnissen». Dazu gehört auch, dass es für die Umsetzung von touristischen Projekten in Zukunft sehr gute Argumente, Vermittlung und Kommunikation braucht. Denn 40 Prozent sehen offenbar eine Grenze erreicht und wollen weniger Tourismus, 40 Prozent sind hier neutral, und 20 Prozent möchten mehr Tourismus. Die wissenschaftliche Projektleiterin Melanie Tamborini, schätzt dies als punktuelle Stimmungsmessung ein: «Hier spielt sicherlich die Ausgestaltung des Tourismus in der Zukunft – also das Wie – eine entscheidende Rolle.» Für das touristische Leitbild der Region, das bis Ende Jahr vorliegen soll, werden nun diese und die weiteren Erkenntnisse als Grundlage verwendet.
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Bereits Abonnent? Dann schnell einloggen.