Bilten bekommt einen Sportplatz (fast) geschenkt – doch nicht alle wollen das Geschenk annehmen
Der Gemeinderat Glarus Nord möchte sich von einer Stiftung einen Sportplatz für Bilten schenken lassen. Doch die Geschäftsprüfungskommission meldet Widerstand an der Gemeindeversammlung an.
Der Gemeinderat Glarus Nord möchte sich von einer Stiftung einen Sportplatz für Bilten schenken lassen. Doch die Geschäftsprüfungskommission meldet Widerstand an der Gemeindeversammlung an.
Im Jahr 2018 ist in Bilten der Fussballplatz des ehemaligen FC Bilten unter einem Parkplatz verschwunden. Fünf Jahre später hat der Gemeinderat von Glarus Nord entschieden, dass es «auf absehbare Zeit» keinen Ersatz geben soll. Für diesen Ersatz hatten sich damals Jugendliche starkgemacht. Sie haben sich zu einer «IG Fussballplatz Bilten» zusammengefunden und 2023 beim Gemeinderat eine Petition mit 100 Unterschriften für einen neuen Fussballplatz eingereicht.
Nun soll zwar in Bilten nicht wieder ein richtiger, grosser Fussballplatz entstehen, aber immerhin einer im Kleinformat von etwa 12 auf 24 Metern. Dafür kann man darauf nicht nur Fussball spielen. Wie man dem Bulletin zur Gemeindeversammlung vom 3. Juni entnehmen kann, will der Gemeinderat eine «multifunktionale Sportanlage» bauen.
57'000 Franken aus der Gemeindekasse
Beim Schulhaus Oberbilten, dem ehemaligen Biltner Gemeindehaus, soll einer der beiden Parkplätze mit zwei Dutzend Parkfeldern dem neuen Sportplatz weichen. Laut dem Bulletin kann der Kunstrasenplatz für Fussball, Handball, Basketball, Volleyball und sogar Eislaufen genutzt werden. Für die Gemeinde kostet die Multisportanlage nur 57‘000 Franken. Denn eine Stiftung trägt zusätzliche 150‘000 Franken bei. «Günstiger kommt man nicht zu einem Sportplatz», sagt Gemeinderat Martin Dürst.
Die Stiftung heisst «Platz da» und will nach eigenen Angaben Spiel-, Sport- und Bewegungsangebote für Kinder und Jugendliche schaffen, «die in Umfeldern leben, in denen solche Angebote fehlen». Der Präsident des Stiftungsrates ist Geschäftsführer einer Vermögensverwaltungsfirma in Luxemburg.
Auf der Website der Stiftung heisst es: «Kinder und Jugendliche sollen durch die Schaffung des Raumes für Spiel, Sport und Bewegung den Spass an der Bewegung erfahren und so an Sport- und Bewegungsaktivitäten und damit gesunde Lebensweise herangeführt werden.» Um dies zu erreichen, finanziert die Stiftung Sportplätze «auf von strukturschwachen Schweizer Gemeinden zur Verfügung gestellten Plätzen». Solche Gemeinden waren in den letzten Jahren etwa Ilanz, Vilters-Wangs oder Wetzikon. In Bilten soll nun der zehnte Platz der Stiftung gebaut werden.
«Aufwertung von Bilten», sagt der Gemeinderat
Die Gemeinde Glarus Nord hat sich im Herbst bei der Stiftung beworben und hat dabei Bilten als Standort ins Auge gefasst, «damit das Sportangebot in Bilten erweitert werden kann», wie es im Bulletin zur Gemeindeversammlung heisst. In Bilten selber hat der Gemeinderat den Parkplatz beim Schulhaus Oberbilten auserkoren, weil keine bestehenden Grünflächen für den Sportplatz geopfert werden müssen. Der neue Sportplatz stünde ausserhalb der Unterrichtszeiten allen offen. «Der neue Sportplatz wäre eine Aufwertung von Bilten und des Schulhauses Oberbilten», sagt Gemeinderat Martin Dürst.
«Nicht abstimmungsreif», meint die GPK
Doch in Glarus Nord schaut die Geschäftsprüfungskommission (GPK) auch einem (fast) geschenkten Gaul genau ins Maul. Und sie hat gleich mehrere Einwände gegen den neuen Sportplatz, wie dem Bulletin zur Gemeindeversammlung zu entnehmen ist. Der Sportplatz sei nicht im Budget 2025 und nicht im Finanzplan der Gemeinde enthalten, so die GPK. Sie vermisst weiter ein früher einmal angekündigtes Sportanlagenkonzept für die ganze Gemeinde. Und schliesslich würden konkrete Angaben zur Anlage und ein Bedürfnisnachweis fehlen. «Die GPK kommt deshalb zum Schluss, dass das Geschäft nicht abstimmungsreif ist», schreibt sie im Bulletin. Ob an der Versammlung ein konkreter Antrag gestellt wird, ist offen. Gemeinderat Martin Dürst will die Kritik der GPK nicht kommentieren.
Daniel Fischli arbeitet als Redaktor bei den «Glarner Nachrichten». Er hat Philosophie und deutsche Sprache und Literatur studiert. Mehr Infos
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