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Schlag gegen das organisierte Verbrechen

Schlag gegen das organisierte Verbrechen

In Graubünden sind zwei italienische Staatsangehörige festgenommen worden. Ihnen werden Betäubungsmitteldelikte und teilweise die Zugehörigkeit zu einer kriminellen Organisation vorgeworfen.

Olivier
Berger
16.11.21 - 17:37 Uhr
Ereignisse
Happige Verdachtsmomente: In vier Kantonen wurden sechs Personen festgenommen – auch in Graubünden und in St. Gallen.
Bild Urs Flüeler / Keystone

Von Simon Lechmann und Olivier Berger

Die Handschellen klickten in mehreren Kantonen: Ausser in Graubünden wurden auch im Tessin zwei Personen festgenommen, dazu je eine Person in den Kantonen St. Gallen und Zürich. Bei allen handelt es sich laut einer Mitteilung der Bundesanwaltschaft um italienische Staatsangehörige, und allen wird unter anderem internationaler Drogenhandel vorgeworfen. Für alle Beteiligten gelte die Unschuldsvermutung, so die Bundesanwaltschaft.

Mit ‘Ndrangheta verbunden

Franco Passini, leitender Staatsanwalt bei der Staatsanwaltschaft Graubünden, bestätigte die beiden Festnahmen in Graubünden am Dienstag gegenüber Radio Südostschweiz. Diese hätten in der Nacht auf Dienstag stattgefunden und seien im Auftrag des Bundesamts für Justiz erfolgt. Die Verhaftungen seien «im Rahmen einer grösseren Aktion zur Bekämpfung mafiöser Aktivitäten in der Schweiz» vorgenommen worden. Weitere Details zu den festgenommenen Personen konnte Passini auf Anfrage nicht nennen. Er bestätigte aber, dass die Festnahmen im Zusammenhang mit dem Kampf gegen die kalabrische Mafia ‘Ndrangheta stehen. 

Den Festnahmen seien Ermittlungen der Kantone sowie verschiedener Bundesstellen vorangegangen, so die Bundesanwaltschaft. Über den Kontakt der Bundesanwaltschaft mit den Behörden in Italien habe sich herausgestellt, dass verschiedene italienische Antimafia-Stellen bereits Strafverfahren geführt hätten, darunter jene in Mailand, Reggio Calabria und Florenz. Die Bundesanwaltschaft und die Staatsanwaltschaften in Mailand und Reggio Calabria hätten ein gemeinsames Ermittlungsteam gegründet mit dem «Ziel der Identifizierung einer kriminellen Mafia-Organisationsstruktur». 

Fachleute warnen seit Langem

Fachleute warnen seit Jahren vor einer Ausbreitung der Mafia nach Graubünden. Für Verdachtsmomente sorgen in diesem Zusammenhang gewisse Briefkastenfirmen im Misox.  Der bekannte Tessiner Mafiaexperte Paolo Bernasconi erklärte vor zwei Jahren, in den Kantonen Graubünden und Tessin würden sich Hunderte Mafiamitglieder aufhalten. Er sei « sehr besorgt und beunruhigt über die Tatsache, dass unsere Abwehr gegen die kriminellen Organisationen zu schwach ist». Das mache der Mafia die Ausbreitung in die Schweiz und damit auch nach Graubünden einfacher.

Erst Anfang des Monats räumte der Bund ein, das Problem der Mafia in der Schweiz unterschätzt zu haben. Florian Näf vom Bundesamt für Polizei (Fedpol) erklärte gegenüber dieser Zeitung, betroffen sei die ganze Schweiz, «am stärksten jedoch die Südkantone Tessin, Wallis und Graubünden». Es bestehe das Risiko, dass die Wirtschaft unterwandert und die Institutionen infiltriert würden, so Näf. 

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