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«Andere Destinationen blicken bestimmt neidisch auf St. Moritz»

«Andere Destinationen blicken bestimmt neidisch auf St. Moritz»

Die Pre-Wedding-Party des indischen Hochzeitspaars in St. Moritz gab in den letzten Tagen viel zu reden. Was – ausser dem Geld – bleibt für die Destination zurück? Ein Tourismusexperte gibt Auskunft.

Simone
Zwinggi
vor 2 Jahren in
Ereignisse

Rund 850 Gäste, darunter Bollywood-Stars und mächtige indische Wirtschaftsleute, reisten auf Einladung des künftigen Ehepaars Akash Ambani und Shloka Mehta in den vergangenen Tagen ins Oberengadin. Drei Tage dauerte die Feier, mit der sich das Paar auf seine Hochzeit vorbereitete. Die ebenfalls dreitägige Hochzeitsfeier startet dann am 9. März in Mumbai.

Ein eigens für die Gäste aufgebautes Winter Wunderland am St. Moritzer See, ein vorgezogener Chalandamarz-Umzug einheimischer Kindern, eine Musiknacht mit klingenden Namen aus der Musikszene – das und Vieles mehr wurde von einer Eventmanagement-Firma aus London für die Pre-Wedding-Party organisiert. Wir fragen uns: Was, ausser viel Geld, hat St. Moritz von dieser grossen Party?

Mit Leuten aus Indien umgehen lernen

«Einen Kompetenzgewinn im Umgang mit Leuten aus Indien und beim Veranstalten grosser Anlässe», sagt Thorsten Merkle, Studienleiter Tourismus am Institut für Tourismus und Freizeit der HTW Chur. Und geht dennoch auf den finanziellen Gewinn ein. «Die lokale Wertschöpfung, wie zum Beispiel im Bereich der Dienstleistungen, der Beherbergungen und Gastronomie, fällt natürlich als erstes ins Auge», so Merkle. Viel grösser sei für St. Moritz aber die Ausstrahlung, die die Destination dank der Mega-Party nach aussen gewinne. «St. Moritz profitiert mit dieser Pre-Wedding-Party vom Auftritt im Fernmarkt Indien», fügt Merkle an. Denn Indien interessiere, was in St. Moritz geschehe, was die indischen Stars hierzulande machen würden. Genauso, wie Hochzeiten in Königsfamilien die Öffentlichkeit interessiere, sei es auch mit dieser indischen Party, sagt Merkle. Die Regenbogenpresse sei voll gewesen davon. «Auch wenn solche Geschichten natürlich kurzlebig sind.»

Den Marketing-Effekt der grossen indischen Party in Zahlen zu fassen, ist gemäss Merkle unmöglich. Vor allem, weil dazu detaillierte Zahlen des Anlasses fehlen würden. «Aber der Gewinn dieses Events für St. Moritz lässt sich in drei Punkten zusammenfassen: eine lokale Wertschöpfung, ein Kompetenzaufbau im Umgang mit Menschen aus Indien und mit speziellen Events und – mehr als alles andere – eine grosse Publicity für die Destination», erklärt der Tourismusexperte. Eine gute Sache also? «Andere Destinationen hätten diesen Anlass bestimmt auch sehr gerne durchgeführt», sagt Merkle.

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Simone Zwinggi, ich forderte Sie vor Monaten zu einem anderen Artikel bereits auf, nehmen Sie Ihre Interviewpartner in die Schraubzwinggi, weil ich das von - echtem - Qualitätsjournalismus erwarte.
Sie fragen den "Studienleiter am Tourismusinstitut HTW in Chur, ob die Megaindersause "eine gute Sache Sache" sei, und titeln als Antwort: «Andere Destinationen blicken bestimmt neidisch auf St. Moritz».
Ich frage: Wer könnte auf so was neidisch sein. Ist das nicht vielmehr ein dekadentes Armutszeugnis einer Overkillzivilisation, die auch im Angesicht imposanter Warnungen seit Jahrzehnten, nicht nur vom Club of Rome, noch mehr aufs Gas*pedal steigt auf dem Highway to Hell? Oder gar pädagogisches Vorbild für die Jugend?
HTW Chur (von der hielt ich noch nie etwas) "Studienleiter" Thorsten Merkle schwärmt vom "Fernmarkt" Indien für St. Moritz, vergisst aber zu erwähnen, dass das auch "Fernverkehr" bedeuten würde (wie wir aktuell bei den 850 Gästen St. Malaise sahen, kommen die mit dem Privatjet, nicht klimafreundlich perpedes, per Kutsche oder per Sänfte oder Segelschiff, obwohl technisch und eventmässig attraktiv), was aber den KlimaschülerInnen offenbar keinen Zusatzprotest wert ist.
Gemäss Merkle liege der Profit für St. Moritz in drei Dingen: Zaster, Sozialkompetenz im Umgang mit Indern (gegen diese Art Kulturschock scheint die SVP nichts zu haben https://www.suedostschweiz.ch/leserbriefe/2018-02-03/wyrsch-superstar ) und dem Knowhow für Supersausen.
Gratuliere, Herr Merkle, genauso "zukunftsträchtig und gesundheitstouristisch" wie Sie erlebe ich GRF und die sie alimentierende-protegierende GR-Regierung doch seit stets.

Weil den Gigareichen die Vorhochzeitsfeier - ich nenne es tandalöse Kirmes - in St. Moritz noch nicht reichte (so sind sie offenbar, die Superreichen, Nimmersatte, ein Leserbriefschreiber fragte, wie eine einzige Person 40 Milliarden anhäufen könne), informiert uns die SO essenziell: "die dreitägige Hochzeitsfeier startet dann am 9. März in Mumpitz... äh Mumbai.

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