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«Scham ist häufig zu gross, um an die Öffentlichkeit zu gehen»

Wie die Kantonspolizei Graubünden kürzlich bekannt gab, ermitteln Polizei und Staatsanwaltschaft wegen einem Sexualdelikt am diesjährigen Open Air Lumnezia. Radio Südostschweiz hat mit der Leiterin des Frauenhauses Graubünden über solche Fälle gesprochen.

Südostschweiz
Donnerstag, 02. August 2018, 04:30 Uhr Frauenhaus Graubünden
Gewalt Frauenhaus
Viele Frauen schämen sich, dass ihnen so etwas passiert ist.
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Am vorletzten Wochenende ging in der Val Lumnezia das grösste Bündner Festival mit über 18'000 Besucherinnen und Besuchern über die Bühne - vielleicht nicht ohne Zwischenfall. Wie bekannt worden ist, ermittelt die Kantonspolizei zusammen mit der Staatsanwaltschaft wegen eines möglichen Sexualdelikts.

Wie kann es zu einem Sexualdelikt an einem gut besuchten Open Air kommen? An einem Festival ist es laut Bettina Melchior, Leiterin Frauenhauses Graubünden, generell schon sehr laut. Oftmals sei die Menschenmasse nahe bei der Bühne. Es könne zwar Gruppierungen geben, welche abseits stehen würden, diese seien allerdings sehr auf sich konzentriert. Daher gehe sehr viel an den Menschen vorbei, ohne dass diese etwas bemerken würden. Sie könne zwar nicht genau sagen, was am Lumnezia vorgefallen sei, aber: «In einer Masse kann es sehr anonym und versteckt geschehen», so Melchior gegenüber Radio Südostschweiz.

Scham ist zu gross

Es gebe einige Fälle, welche weder an die Öffentlichkeit noch zu Angehörigen gelangten, so Melchior. «Häufig ist die Scham, dass einem so etwas passiert, einfach stärker.» Im Frauenhaus berate man betroffene Personen in den ersten Schritten. Falls sich eine betroffene Person beim Frauenhaus melde, versuche man als Erstes, die Person zu stabilisieren und zu beruhigen. «Wir machen eine gesundheitliche Einschätzung, raten der Person, die Polizei und die Opferhilfe einzuschalten», so Melchior. Zudem müssten schnellstmöglich in der Rechtsmedizin des Spitals die Spuren gesichert werden. «Wir können zudem sehr kurzfristig ambulante Beratungsgespräche durchführen, um noch besser zu informieren und stabilisieren.»

Auch für das Umfeld einer betroffenen Person kann ein solcher Fall belastend sein. «Ist das Umfeld unsicher, meldet man sich unbedingt bei der Opferhilfe Graubünden oder allenfalls auch bei uns.» Das Wichtigste sei aber, die Polizei zu informieren.

Viel Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen 
Wie Melchior weiter erklärte, bietet das Frauenhaus Graubünden präventive Workshops zu Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen: «Bei der Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen geht es nicht nur um Straftaten wie Vergewaltigungen oder Nötigung, aber um sexuelle Übergriffe. Es beginnt dort, wo die Grenzen nicht respektiert werden wie im Falle von Cybermobbing oder Stalking. Daher veranstaltet das Frauenhaus Graubünden immer wieder Workshops zum Thema Gewalt in jugendlichen Paarbeziehungen.»

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