Jäger stellen einen neuen Rekord auf
Auf der Hochjagd im Herbst wurden so viele Hirsche wie noch nie erlegt, 1074 mehr als im Vorjahr. Erstmals waren auch ausserkantonale Jäger mit der Gästekarte dabei. Von den Grossraubtieren hat der Wolf das kantonale Amt für Jagd und Fischerei am meisten beschäftigt.
Auf der Hochjagd im Herbst wurden so viele Hirsche wie noch nie erlegt, 1074 mehr als im Vorjahr. Erstmals waren auch ausserkantonale Jäger mit der Gästekarte dabei. Von den Grossraubtieren hat der Wolf das kantonale Amt für Jagd und Fischerei am meisten beschäftigt.
Der Winter 2016/2017 war mild. Und die Bestände von Hirsch, Reh und Steinwild hoch. Auf 16 500 Tiere schätzte das kantonale Amt für Jagd und Fischerei (AJF) den Hirschbestand aufgrund der jährlichen Zählungen. Dementsprechend hoch waren im Herbst die Jagdstrecken: 11 560 Schalenwild wurde erlegt. Das sind so viele Hirsche, Rehe, Gämsen und Wildschweine wie noch nie, seit man eine Jagdstatistik führt, also seit 1872.
Bereits am ersten Tag der Hochjagd wurden 800 Hirsche erlegt, 500 männliche und 300 weibliche Tiere. «Mit wiederholten Schneefällen herrschten ausgezeichnete Jagdbedingungen, insbesondere für die Hirschjagd», heisst es im Bericht zur vergangenen Jagd.
Während der Hochjagd wurden 4848 Hirsche erlegt. «Ein Rekord- abschuss, der bisher noch nie erreicht wurde», heisst im Jahresbericht von Georg Brosi, der bis Ende Januar Jagdvorsteher war. Das bisherige Maximum von 1976 wurde damit um über 500 Hirsche übertroffen. Der beidseitige Kronenhirsch durfte übrigens neu an drei Tagen bejagt werden. 35 beidseitige Kronenhirsche wurden erlegt.
Nur am Calanda keine Sonderjagd
Trotz der hohen Hochjagdstrecke wurde der Abschussplan aber nicht erreicht. Deshalb wurden in 20 Regionen zeitlich abgestimmte Sonderjagden durchgeführt. Einzig in der Region Felsberg gab es keine Sonderjagd. «Wegen des Wolfeinflusses wurde auf eine Sonderjagd verzichtet», schreibt Brosi im Jagdbericht.
Insgesamt wurden 6515 Hirsche erlegt: 3430 männliche und 3085 weibliche Tiere. 1338 wurden während der Sonderjagd zur Strecke gebracht. 329 verletzte, verwaiste und schadenstiftende Tiere erlegte die Wildhut.
Bei den Rehen wurden gesamthaft 4195 Tiere erlegt (im Vorjahr waren es 3802); 3708 während der Hochjagd und 336 Tiere während der Sonderjagd. Auch die Steinwildstrecken (513 Tiere, Vorjahr 490) und die Wildschweinstrecken (33 Tiere, Vorjahr 13) fielen höher aus. Nur Gämsen wurden etwas weniger erlegt als im Vorjahr, nämlich 3016 Tiere gegenüber 3047 Tiere im 2016.
5302 Bündner Jäger und 230 Jägerinnen haben an der Hochjagd teil- genommen. Zum ersten Mal Gastjägerinnen und -jäger mit auf die Hochjagd. 26 Jäger ergriffen diese Gelegenheit und lösten 45 Gästepatente.
Viele Sonderjagd-Anmeldungen
Für die Sonderjagd haben sich 3406 Jägerinnen und Jäger angemeldet – mehr als je zuvor. Schliesslich teil- genommen haben 1918 Jägerinnen und Jäger.
An der Niederjagd beteiligten sich praktisch genau gleich viele Jägerinnen und Jäger wie im letzten Herbst (1499 gegenüber 1498 im Vorjahr). Dabei wurden mehr Füchse, Dachse und Feldhasen erlegt und etwas weniger Schneehasen als im Vorjahr.
Und: Es wurden markant mehr Eichelhäher geschossen, nämlich 770 Tiere; 2016 waren es nur 192. Das zeige, dass ein starker Einflug aus nordöstlichen Ländern stattgefunden habe, heisst es im Bericht. «Der Eichelhäher ist ein Invasionsvogel», erklärt Hannes Jenny vom AJF. «Alle paar Jahre erreichen doppelt oder drei Mal so viele Vögel Graubünden. Das schlägt sich in der Jagdstatistik nieder.»
Scheuer Bär
Von den Grossraubtieren hat hauptsächlich der Wolf das kantonale Amt für Jagd und Fischerei beschäftigt. Zwar hält sich seit Längerem ein Bär im Unterengadin und im Schweizerischen Nationalpark auf. Auf das Konto des Bären gingen aber nur zwei Haustierrisse und es wurden nur geringe Schäden an Bienenstöcken verzeichnet. Wenig Arbeit machte der Bär, weil er recht scheu ist und weil die Bevölkerung mittlerweile an ihn gewöhnt ist, hält der Jagdbericht fest.
Unauffälliger Luchs
Auch der Luchs verhielt sich im vergangenen Jahr unauffällig, obschon zahlreiche Hinweise, Fotofallenbilder und Beobachtungen im Feld offenbar darauf hinweisen, dass die Luchspopulation langsam anwächst. Haustiere hat der Luchs aber keine gerissen.
Ende April gelang im Schanfigg ein Fotofallenbild eines Goldschakals. Nach einem Schafriss auf der Alp Tar- nutz bei Fideris am 15. August war mit einem DNA-Nachweis klar, dass ein Goldschakal das Schaf gerissen hatte.
Auffälliger Wolf
Am meisten Arbeit gab von den Grossraubtieren der Wolf. 1950 Arbeitsstunden hat das AJF für das Dossier Wolf aufgewendet. Im Fokus stand das Wolfsrudel am Calanda; es erhielt zum sechsten Mal in Folge Nachwuchs: Die beiden Alphawölfe F07 und M30 zogen acht Welpen auf.
Derweil wanderten die sechs Welpen des Jahrgangs 2016 ab. Ein junger Wolf nach Bern, eine Jungwölfin blieb in der unteren Surselva. Von den übrigen weiss man nicht, wo sie sind.
Deutlich zugenommen haben offenbar die Wolfsereignisse. Es gab kaum ein Tal, in dem es keine Wolfsbesuche gab. Und die Wölfe rissen deutlich mehr Nutztiere.
Am auffälligsten verhielt sich dabei der Wolfsrüde M75: Er riss innerhalb von wenigen Wochen mehr als 30 Schafe und stieg in Trun sogar in einen Stall ein. Deshalb erliess das kantonale Bau-, Verkehrs- und Forstdepartement im März eine Abschussbewilligung für M75. Nachdem man die Bewilligung erlassen hatte, blieb der Wolfsrüde aber verschwunden.
Ursina Straub schreibt als Redaktorin der «Südostschweiz» für den Regionalteil der Zeitung und für Online. Ihre Themenschwerpunkte sind Landwirtschaft, Alp, Jagd, Grossraubtiere, Natur; zudem berichtet sie regelmässig aus dem Grossen Rat. Die gelernte Journalistin, diplomierte Landwirtin und Korrektorin EFA ist auch Leiterin Qualität. Mehr Infos
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