«Burglind» liess sich Zeit mit dem «Besuch» in der Südostschweiz
Das Sturmtief «Burglind» hat am Mittwochvormittag die Schweiz erreicht. In Graubünden wurden Maiensässe evakuiert. Die Lawinengefahr ist gross. Der stürmische Höhepunkt folgt nach dem Mittag.
Das Sturmtief «Burglind» hat am Mittwochvormittag die Schweiz erreicht. In Graubünden wurden Maiensässe evakuiert. Die Lawinengefahr ist gross. Der stürmische Höhepunkt folgt nach dem Mittag.
Meteonews hat am Mittwoch eine Liste mit den bisherigen Spitzenböen veröffentlicht. Auf dem Pilatus gab es mit 195 Stundenkilometern eine Rekordböe. In St. Gallen erreichte der Wind eine Stärke von 108, in Schmerikon 103 Stundenkilometer. Richtung Süden ist es (noch) ruhig: 65 Stundenkilometer wurden in Bad Ragaz und 59 in Chur gemessen, wie Fabian Umbricht von Meteotest auf Anfrage sagte. In höheren Lagen geht es aber bereits anders zu und her: Auf dem Säntis wurden 161 und auf dem Crap Masegn bei Falera in den Glarner Alpen 178 Kilometer pro Stunde gemessen.
Inzwischen werden Richtung Walensee und Richtung St. Galler Rheintal die höchsten Böen erwartet, wie Umbricht weiter sagte. Die Windgeschwindigkeiten seien in den Tälern aber recht unterschiedlich. Den «Höhepunkt» in der Südostschweiz erwartet der Meteorologe nach 13 Uhr. Und auch in den kommenden Tagen bleibt es zumindest in den Bergen stürmisch.
In den Bergen haben die Meteorologen Sturmböen mit einer Stärke von über 130 Stundenkilometern vorhergesagt. Ein solcher Sturm wirkt sich stark auf die Lawinensituation aus: Der Schnee wird verblasen und kann sich an gewissen Orten ablagern - diese Ablagerungen könnten sich dann spontan lösen, erklärt Lukas Dürr vom Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF.
In einem Interview mit RSO-Moderator Chris Strauch erklärt Dürr, dass aktuell die Gefahrenstufe 3 herrsche. Das bedeutet, die Gefahr einer Lawine ist erheblich gross. Im Laufe des Tages soll es noch schlimmer werden, vor allem in der Nacht. Wenn die Sonne am Donnerstag aufgeht, wird wohl die Gefahrenstufe 4 erreicht sein.
Deshalb sei grosse Vorsicht geboten: Falls sich beispielsweise jemand heute auf die Skipisten traue, solle man unbedingt auf der Piste bleiben - die Chance, das dort eine Lawine ausgelöst wird sei definitiv kleiner, als abseits der Piste, warnt Dürr. Auch sollen sämtliche Massnahmen der Berggebiete eingehalten werden. In Flims wurden beispielsweise die Maiensässe evakuiert.
«Wir sind bereit»
Zur Evakuierung angeordnet hat Corsin Clopath. Er ist der Leiter Pisten und Rettungsdienste Weisse Arena und sitzt zudem auch im Gemeindeführungsstab der Gemeinde Flims. Gegenüber Radio Südostschweiz erzählt er, dass er seit Tagen das Wetter beobachte. Als er gesehen habe was da auf ihn zukommt, habe er sich mit seinem Team kurzgeschlossen und die Betroffenen darüber informiert, dass sie ihre Maiensässe bis heute Mittag verlassen müssen. Geplant ist, am Nachmittag das betroffene Gebiete zu kontrollieren und sicherstellen, dass sich niemand mehr in der Gefahrenzone befindet.
Betroffen ist das Gebiet zwischen Flimserstein und Segnes, welches ein bekannter Lawinenhang ist. In diesem Gebiet befinden sich rund 30 bis 40 Maiensässhütten, wovon allerdings bloss ein kleiner Teil belegt sei, sagt Clopath weiter.
Die Bewohner der Hütten seien sowohl Einheimische wie auch Feriengäste. Sie hätten grössenteils alle verständnisvoll reagiert, es sei ja zum eigenen Schutz. Zudem sei die Evakuierung in diesem Fall nicht weiter schlimm, da keines der Hütten als Wohnhaus genutzt werde und somit alle nach Hause gehen können.
Trotz der Prognosen laufen die Bergbahnen im Skigebiet Flilms, wenn auch eingeschränkt: Ab 1200 Meter über Meer sind die Bahnen geschlossen, das Team rund um Clopath steht jederzeit bereit: «Gegen Nachmittag werden Sturmböen von etwa 100 km/h erwartet, allenfalls müssen die Bahnen dann alle geschlosssen werden. Wir sind leicht angespannt und warten ab, stehen aber bereit, um sofort reagieren zu können».
Das Interview mit Lukas Dürr vom SLF gibt es hier zum Nachhören:
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