Stadt sorgt für neue Wendung im Beleuchtungs-Knatsch
Weil die Ortsgemeinde sich beim Rapperswiler Schloss sperrt, sollen künftig Stadthaus und Visitor Center farblich inszeniert werden. Konkret durch die Lakers – und Firmen. Das dürfte zu reden geben.
Weil die Ortsgemeinde sich beim Rapperswiler Schloss sperrt, sollen künftig Stadthaus und Visitor Center farblich inszeniert werden. Konkret durch die Lakers – und Firmen. Das dürfte zu reden geben.
Die SC Rapperswil-Jona Lakers sorgen seit Längerem für Furore. Nach dem sensationellen dritten Platz in der zurückliegenden Qualifikation der nationalen Eishockeymeisterschaft wollten sie sich und das Rapperswiler Schloss ins beste Licht setzen. Und mit einer roten Beleuchtung auf die Play-offs aufmerksam machen.
Die Ortsgemeinde als Schlossbesitzer liess die Lakers jedoch abblitzen. Bei einem Meistertitel könne man wieder reden, gab der Ortsverwaltungsrat knallhart den Tarif durch. Der Knatsch sorgte national für Schlagzeilen (Ausgaben vom 9. und 10. März).
Doch nun leuchten bald andere Gebäude in der Stadt farbig. Die Stadt und Rapperswil Zürichsee Tourismus springen in die Bresche, wie Recherchen der «Linth-Zeitung» zeigen.
Geschütztes Ortsbild betroffen
So dürfen ab nächster Saison die Lakers sowohl das Visitor Center beim Seedamm als auch das Stadthaus rot beleuchten und ihr Logo darauf projizieren. Vorausgesetzt, sie erreichen erneut die Play-offs. «Wir sind äusserst glücklich, dass Stadt und Tourismus für diese Lösung Hand bieten», sagt Lakers-Kommunikationschef Stefan Bürer. «Für Trainer und Spieler ist das ein riesiger Ansporn, erneut mit wenig Budget die Liga aufzumischen.»
Man bleibe indes auch mit der Ortsgemeinde im Gespräch für eine Beleuchtung des Schlosses. «Unsere Einladung an den Ortsverwaltungsrat bleibt bestehen, ein Spiel in der VIP-Loge zu verfolgen und sich vom Lakers-Fieber anstecken zu lassen», sagt Bürer – Apéro riche und Cüpli inklusive.
Dem Stadtrat und den Verantwortlichen des regionalen Tourismus geht es derweil darum, gegen das Image als «Verhinderungsstadt» anzukämpfen. «Wir wollen zeigen, dass Rapperswil-Jona eine Chancenstadt ist», sagt Tourismus-Chef Tobias Treichler, «ein pulsierender Ort, wo Tradition auf Innovation trifft.»
Erfahrungsgemäss dürfte die Inszenierung des Visitor Centers vor dem geschützten Ortsbild der Rapperswiler Altstadt aber nicht nur Beifall erhalten. Dem Tourismus sei die sensible Lage bewusst, sagt Treichler. Vorabklärungen mit der kantonalen Denkmalpflege und der Kantonspolizei hätten stattgefunden. «Wir sind zuversichtlich, dass wir grünes Licht für das rote Licht erhalten», sagt Treichler. Und muss selber kurz Schmunzeln über den gelungen Kalauer.
Auch Stadtpräsident Martin Stöckling (FDP) steht voll hinter dem Projekt. Er ist bekanntlich selber glühender Hockeyfan. Die Beleuchtung sei aber im öffentlichen Interesse, ist er überzeugt. Eishockey-Play-offs seien «identitätsstiftende Höhepunkte für die Stadt und Region», zitiert er den lokalen Kulturvermittler Peter Röllin.
Die Lakers sind bereit, die Beleuchtung aus der eigenen Kasse zu bezahlen. Man werde dafür einen tieferen fünfstelligen Betrag aufwerfen, sagt Bürer.
Brisante Firmen-Anfrage
Doch was ist mit anderen Vereinen der Stadt? «Bei entsprechendem Erfolgsausweis ist denkbar, dass auch andere Vereine das Stadthaus beleuchten können», sagt Stöckling. Der Stadtrat erarbeite derzeit eine Richtlinie mit klaren Kriterien.
Und das Projekt «rote Stadt» geht noch weiter, wie die «Linth-Zeitung» trotz regierungsfreundlicher Haltung auf investigatives Nachbohren erfährt. Auch Firmen sollen künftig das Stadthaus bei genügender Bezahlung anleuchten dürfen. Konkretes Interesse angemeldet hat bereits die Sinoswiss Holding, die im Schachen ein Innovation Center erstellen will.
Nach den jüngsten Negativ-Schlagzeilen will die chinesisch-schweizerische Firma eine Charmeoffensive starten. Stöckling ist sich der delikaten Situation bewusst. Der Stadtrat prüft dem Vernehmen nach noch, ob er die Beleuchtungsfrage dem fakultativen Referendum unterstellen muss.
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1.April
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