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Sugardaddy

Uhr
JAYSIN TREVINO/FLICKR
Christian
Ruch

In «Ruchs Rubrik» beleuchtet Christian Ruch Bedenkliches, Merkwürdiges und Lustiges aus der Region Südostschweiz. Das alles einmal wöchentlich und mit viel Esprit und Humor. Ob Politik, Kultur, Wirtschaft oder Sport – in Ruchs Rubrik hat all das Platz, was sich mit einem Augenzwinkern betrachten lässt.

Als ich letzte Woche behauptete, die Aargauer stünden auf Sex-Spielzeug mit Wurstsalat-Aroma, meinte meine Liebste mit leichtem Tadel, dass ich diese besonders sympathischen Eidgenossen doch etwas arg verspottet hätte. Und in der Tat verdankt die Schweiz dem Aargau auch viel Gutes: Man denke nur an den ökologisch wertvollen Strom aus Chriesisteinen, der in den eigens dafür gebauten Kernkraftwerken gewonnen wird, oder an das vielleicht edelste Bekleidungsstück der Sommermode, die weisse Socke.

Was mir aber nicht klar war: Im Aargau gibt es sogar Sugardaddys. Das sind nicht, wie der Name nahelegen könnte, väterliche Bezugspersonen mit leichtem Diabetes, sondern ältere Herren, die sehr junge Gespielinnen haben, sogenannte Sugarbabes. Die Basis dieser Beziehung ist ein Geben und Nehmen, oder ganz konkret: Geld, Klamotten und Ferien gegen naja, Sie wissen schon (das mit dem Austausch von Körpersäften). Neulich entdeckten wir also bei der Fahrt auf der A13 einen Aargauer Sugardaddy. Einen Herrn mit AG am Mercedes-Cabrio und einer Lady, die seine Tochter hätte sein können. Nun könnten das natürlich tatsächlich Vater und Tochter gewesen sein – aber die Art, wie sie neckisch-lasziv das Haar im Wind flattern liess und er überglücklich diesem Spiel zusah, nährte in uns den Sugardaddy-Verdacht. Zudem war diesem Mercedes ein zweites Auto mit AG immer dicht auf den Fersen, woraus meine Liebste messerscharf schloss, dass das nur die Ehefrau des Sugardaddys sein könne, buchstäblich rasend vor Eifersucht. Bisher dachte ich immer, Sugardaddys seien solvente Herren aus Zürich oder München und nicht, sagen wir mal Strengelbach – aber auch so ein alternder Aargauer Ruedi hat halt Freude an einem frivolen Fränzi.

Gerne wären wir dem Wagen weiter gefolgt. Doch leider zwang uns die Ausfahrt Chur-Nord zum Abschied von Sugarbabe und Sugardaddy. Die Autobahn wegen und mit ihnen erst in Portofino zu verlassen, war uns dann doch zu viel. Wir haben auch so genug gesehen. Und nun ein ganz neues Bild von den Aargauern.

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