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Was ist mit der Bündner Regierung los?

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ZVG
Hans Peter
Danuser

Hans Peter Danuser und Amelie-Claire von Platen sind im Engadin zu Hause und zeigen uns ihren Blickwinkel. Was bewegt Land und Leute? Wo ist das Engadin stark und wo hinkt es einzelnen Mitbewerbern hinterher? Und was geschieht auf politischer Bühne? Der Blog «Engadin direkt» berichtet persönlich und authentisch.

Am 10. September berichtete ich hier, dass der Regierungschef von Südtirol gemäss «NZZ» die Verlängerung der Vinschgerbahn von Mals nach Scuol will und bei der Finanzierung «den Eidgenossen entgegenkommen» kann. Grossrat Mario Salis stellte eine entsprechende Anfrage an die Bündner Regierung, die Regierungsrat Mario Cavigelli Mitte Oktober lustlos und sehr defensiv beantwortete: 

Südtirol würde von dieser Verbindung viel mehr profitieren als Graubünden. Auch wenn sie drei Viertel der Kosten übernehmen, wolle er bei allfälligen Verhandlungen auch Österreich am Tisch haben, weil eine Verbindung Landeck-Scuol dem Kanton gemäss einer Studie viel mehr bringe als jene von Mals.

Diese Antwort ist in mehrfacher Hinsicht schwach:

  • Österreich ist an einer Bahnverbindung nach Scuol nicht interessiert, weil zu entfernt, zu teuer und ohne Perspektiven. Die vom Bundesparlament seit 150 Jahren versprochene «Bündner Ostalpenbahn» war immer nach Süden orientiert, in die wirtschaftlich boomende Po-Ebene, nie nach Osten. Österreich ist kein Markt für Graubünden.
  • Gäste aus München/Bayern fahren heute mit dem Flixbus nach Chur, in dreieinhalb Stunden, für ca. 15 Euro.
  • Die zitierte Studie ist veraltet und stammt von einem Bergbahn-Spezialisten, der den boomenden Touring-Trend bei attraktiven Alpenbahnen nicht berücksichtigt hat.
    Beispiel: Der Glacier Express verzeichnet seit dem Relaunch von 1982 über acht Millionen Passagiere und legt gerade wieder ein Rekordjahr hin.
  • Die 26 Kilometer zwischen Mals und Scuol SIND attraktiv und schließen die letzte Lücke der weltweit einzigartigen Bahnverbindung von Venedig nach St Moritz mit sieben Unesco-Welterben entlang der Strecke. Die Verlängerung mit dem Glacier Express nach Zermatt zum Matterhorn erschliesst weitere zwei Unesco-Welterben – eine Grand Tour der Extraklasse! Sie wird das gesamte RhB-Netz und Tourismusgeschäft Graubündens befruchten.

Der abwiegelnden Antwort des Regierungsrats stehen folgende VORTEILE einer Mals-Scuol Bahnverbindung gegenüber:

  • Wenn Südtirol drei Viertel der Baukosten sowie Betrieb und Unterhalt der Verlängerung von Mals nach Scuol in Normalspur übernimmt, bleibt für Graubünden/Schweiz weniger als eine Milliarde Franken übrig.
  • das ist sehr wenig im Vergleich zu den Investitionssummen der Schweiz bei Neat/Gotthard/Lötschberg sowie Tessin/Ceneri.
  • normalerweise leistet die Schweiz bis zu dreistellige Millionen-Beiträge zur Vorfinanzierung von Zufahrtsstrecken zu Gotthard und Lötschberg in Deutschland und Italien. Hier macht das Südtirol das Gleiche ZUGUNSTEN der Schweiz (wie Österreich vor 200 Jahren mit dem Bau der Passstrasse von Chiavenna nach Splügen).
  • Scuol-Mals ist gewissermassen die letzte Etappe der längst versprochenen Ostalpenbahn Traverse für Graubünden in den Süden. Das ist für die Schweiz im Vergleich zu den Basistunnels Gotthard und Lötschberg ein Schnäppchen.
  • Politisch liegt diese Bahnverbindung exakt im Trend: klimaneutral, da elektrisch, und sie unterstützt Bevölkerungsminderheiten: Graubünden und Südtirol sind die einzigen Regionen, die Italienisch, Romanisch/Ladin und Deutsch als Staatssprachen führen und pflegen.
  • Nach den erfolgten Parlamentswahlen diesen Oktober ist der Zeitpunkt für ein solches Projekt perfekt. Graubünden sollte diese Chance beherzt packen und zügig umsetzen.

Das Projekt der Mals-Scuol-Bahnverbindung stösst bei der Bevölkerung auf grosses Interesse und Zustimmung. Not Carl, der ehemalige Bündner Standespräsident und Gemeindepräsident von Scuol, hat dazu eine Facebook-Gruppe ins Leben gerufen, die innert wenigen Wochen gegen tausend Teilnehmer aufweist, Tendenz steigend.

Bei all den Millionen, die Regierungsrat Cavigelli jährlich für Strassen bewilligt und ausgibt, sollte der Kanton zusammen mit der Schweiz auch etwas Geld für 26 Kilometer Eisenbahn aufwenden können. Seit mehr als 100 Jahren weisen Bündner National- und Ständeräte in Bern auf das sogenannte Ostalpenbahnversprechen des Bundes hin, welches im Jahre 1971 durch ein Rechtsgutachten von Prof. Dr. Wilhelm Oswald ausdrücklich als heute noch gültig bestätigt wurde. Nun klemmt aber nicht Bern sondern Chur, Herr Regierungsrat!

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Gelesen im "Vinschger Wind"; einfach so zur Info.

Rhätische Bahn - Herausragende Ergebnisse hat die RhB im abgelaufenen Geschäftsjahr erzielt. Entsprechende Zahlen enthält die Medienmitteilung vom 04.04.2018. Der Jahresgewinn von 1,2 Millionen Franken ist Ausdruck davon.
Der Nettoerlös im Personenverkehr wuchs um über fünf Prozent auf 99,7 Millionen Franken. Die Ski-WM im Februar 2017 bescherte ihr zusätzliche 100.000 Passagiere. Die Anzahl der Personenkilometer stieg von 335 auf fast 350 Millionen. Mit 497‘400 transportierten Fahrzeugen erzielte die RhB einen Rekord im Autoverlad. Im Vergleich zum Vorjahr erhöhten sich die Einnahmen um 8,4 Prozent auf 15,9 Millionen Franken.
Im Güterverkehr kletterten die Erträge um 2,9 Prozent auf 15,1 Millionen Franken. Eine Rolle spielten unter anderem die Transportleistungen für den Neubau des Albulatunnels.
Total stiegen die Einnahmen letztes Jahr um zehn Prozent auf 363 Millionen Franken, wobei die Abgeltungen von Bund und Kanton Graubünden 57 Prozent ausmachten.
Unter dem Strich resultiert in der Erfolgsrechnung ein Überschuss von 1,2 Millionen Franken. Es findet keine Gewinnverwendung im üblichen Sinne statt. Vielmehr fließt das Geld laut VR-Präsident Stefan Engler in die «Ergebnisausgleichsreserve». Im laufenden Jahr erwartet das Bahnunternehmen in allen Sparten ein weiteres moderates Wachstum. Zum Jahresende wird mit einem Ergebnis im Rahmen der Vorjahre gerechnet. (aw)

Eine kleine Weihnachtsgeschichte zum Schmunzeln.

Es gibt eine Sage;
„Früher mussten die Buben und Mädchen des Val Müstair jeden Frühling zur Alp Terza um die Kuhfladen auf den Alpweiden zu zerreiben. Eine Arbeit, welche niemand gerne tat.
Das bemerkte auch die Fee des Berges Terza, sie sah ja die finsteren Gesichter der Kinder. Deshalb beschloss Sie eines Tages die Schaibiettas, ein süßes Gebäck aus dem Tal in Form einer Sonnenscheibe, auf den Alpweiden zu verstecken.
Von da an gingen alle Jungen und Mädchen mit Freude jeden Frühling auf die Alp um die Weiden zu putzen, vor allem um diese Köstlichkeiten zu finden.
Also, man sagt bei uns in der Val Müstair dass sie eine wunderschöne, bezaubernde Frau sei, die nach Belieben auftauchen und wieder verschwinden kann. Sie zeigt sich nur denjenigen, denen sie sich auch zeigen will.
Das Verkünden des Schicksals- oder das Weissagen und das Unmögliche möglich machen sind zwei wesentliche Charakteristika der Fee.
An Weihnachten erscheint Sie für kurze Zeit als wunderbarer Engel.
Also sollte ich tatsächlich dieser Schönheit einmal begegnen, die noch über magische Fähigkeiten verfügt und mir drei Wünsche in Erfüllung, in gewisser Weise hexen könnte, würde ich bestimmt an meine Freunde denken und ihnen alles erdenklich Gute wünschen dann würde ich das wunderbare Projekt RhB Anschluss Mals-Scuol, das unbedingt realisiert werden müsste erwähnen!

Also solltet Ihr einmal die Val Müstair besuchen und das Glück haben, dass Ihr dieser Münstertalerfee, resp. diesem Engel begegnen, dann hoffe ich sehr, dass Ihr mehr Glück habt als es diesem Gast aus Chur, einem Regierungsbeamten erging!

Plötzlich stand er vor diesem wunderschönem Engel und war völlig perplex und als Sie Ihm noch drei Wünsche anerbot, die Sie Ihm gerne erfüllen möchte war er für kurze Zeit sprachlos.
Daraufhin meinte der Beamte; ach es wäre schön, jetzt um diese kalte Jahreszeit, wenn er jetzt in der Karibik unter einer Palme sonnen könnte. "PING" und schon saß er unter einer Palme in der Karibik! Zweiter Wunsch; ach es wäre schön, wenn er bis ins hohe Alter gesund und munter bleiben würde. "PING" auch dieser Wunsch wurde Ihm erfüllt!

Ja, dann fragte der Engel nach dem dritten Wunsch; und da meinte der Regierung Beamte: "Nie wieder arbeiten müssen"!
"PING" und schon saß er wieder in seinem Büro in Chur und träumte von der Karibik“.

Cun blers salüds
Giacumin Bass 7537 Müstair

Sehr guter Bericht von H.-P. Danuser. Wünschenswert wäre eine rasche und wirkungsvolle Reaktivierung des ab 2008 aktiv gewesenen "Internationalen Aktionskomitees für die Bahnverbindung Engadin - Vinschgau". Die ständigen, negativen Äusserungen der Bündner Regierung gegen die Bahnverbindung haben den Elan dieses Komitees im Keim erstickt. Schade für das Bündnerland. Das Angebot von Landeshauptmann Arno Kompatscher, zwei Drittel der Baukosten zu übernehmen, darf doch jetzt nicht ausgeschlagen werden.
Die Angst der Bündner Regierung, dass mit einer raschen und direkten Bahnverbindung alle Bündner Gäste ins günstigere Südtirol abwandern würden, ist wenig überzeugend. Viele Südtiroler - aber eben auch vor allem die internationalen Touristen von Venedig wollen in die Schweiz - trotz der höheren Preise. Aber nur mit guten Verkehrs-Verbindungen. Sonst lassen sie die Schweiz und vor allem das Oberengadin eben links liegen.
Der Ast Landeck - Scuol kann erst mit dem Bau mit einer neuen Fernpass-Bahn Garmisch-Partenkirchen - Imst - Landeck seinen vollen Nutzen entfalten. Isoliert als Bahn-Zufahrt vom Raum München zum Engadin hat er wenig Potenzial.
Packen wir die Bahnverbindung Engadin - Vinschgau (- Meran - Bozen) an. Nehmen wir das Angebot von Südtirol an.

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