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Bitte Ruhe, Teil 1

Uhr
Kristina
Schmid

Beginnt das Chaos jeden Tag von vorn, sagen wir: Herzlich Willkommen im Familienleben. Unser Alltag reiht verrückte, bunte, profane und ab und zu unfassbar perfekte Momente aneinander. Das Leben als Mama oder Papa ist eine aufregende Reise, auf die wir Euch nun mitnehmen. Ganz nach dem Motto: Unser Alltag ist ihre Kindheit.

Kennt Ihr sie? All die Paare, die ihre Babys zu einem Abendessen bei Freunden mitnehmen. Oder in ein Restaurant, weil das Baby im Wagen schlafen kann. Oder an den Strand, weil es sich im Schatten so gut schlafen lässt. Die mit ihrem sechs Monate alten Baby nach Bali reisen, weil ein Kind heute die Welt nicht früh genug sehen kann. Und weil man wegen eines Babys doch nicht aufs Reisen verzichten muss.

Noch bevor ich Mutter wurde, war diese Vorstellung von einem Leben mit Kind für mich die Norm. Solche Paare und ihr Lifestyle waren für mich die Norm. Ich dachte, jedes Paar würde das so handhaben. Schliesslich sah ich diese Paare überall. In einer Gelateria mitten in Rom. Auf einem Strandtuch an der französischen Riviera. Mit einem Kinderwagen beim Chinesen.

Noch bevor ich Mutter wurde, dachte ich, dass es keinen Grund auf dieser Welt gibt, weshalb Eltern das Baby nicht überallhin mitnehmen sollten. Ich war überzeugt, ein Kind müsse lernen, sich dem Leben anzupassen. Ich war der Ansicht, es sei nicht die Aufgabe der Eltern, sich nach dem Kind zu richten. Ich konnte mir nichts vorstellen, was mich eines Tages daran hindern sollte, mit meinem Baby nach Asien zu reisen – wenn mir und meinem Ehemann danach wäre. Babys schlafen doch schliesslich überall. Ich stellte mir vor, wie ich mir eine Babytrage zutun würde – und auf geht's. Warum auch nicht? Schliesslich ist es doch das einzige, was so ein Baby tut. Essen und schlafen. Richtig?

Falsch. So was von unfassbar und widerlegbar falsch. Ich war naiv. Naiver ging fast nicht.

Die Wahrheit ist: All die anderen Paare, die diesen oben und zuvor beschrieben Lifestyle nicht leben, sieht man nicht. Zumindest sah ich sie nicht. Weil sie eben nicht da waren, in den ganzen Cafés und Restaurants. Vielleicht, weil sie es nicht wollten. Aber vielleicht deshalb, weil sie es nicht konnten. Weil sie eben nicht eines dieser ausgeglichen-und-zufrieden-und-überall-schläft-es Babys hatten. 

Die Wahrheit ist: Nicht mit jedem Baby kann man alles machen. Wer das sagt, kennt nur die eine Sorte von Kind. Namentlich die ruhige. Inzwischen musste auch ich demütig feststellen, dass Eltern, die mit einem sechs Monate alten Baby nicht die Welt bereisen, nicht etwa öde Stubenhocker sind, die ihren Kindern nicht die Welt zeigen wollen. Ich musste mir eingestehen, dass es in der Tat Kinder gibt, die Eltern daran hindern können, allein das Haus zu verlassen.

Kind ist nicht gleich Kind. Und das musste ich am eigenen Leib erfahren. Die Realität holte mich mit der Geburt ein und verpasste mir einen kräftigen Tritt in den Hintern. Und mein einziger Gedanke war: Hoffentlich schläft er diesmal ein.

Inwiefern ein Kind das Leben auf den Kopf stellen kann – und weshalb der Schlaf plötzlich lebensrettend wird, das erzähle ich Euch in zwei Wochen. Gleicher Ort, gleiche Zeit. Bis bald. Ich freue mich.

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Kristina Schmid, Sie sagen es:
«Falsch. So was von unfassbar und widerlegbar falsch. Ich war naiv. Naiver ging fast nicht.»
Genauso wie bei Kindern gibt es das bei Erwachsenen: die einen ruhig/still/bedacht, die anderen ADHS-Manie-neverending. Deshalb fordere ich Fraktionierung/Melioration beim Wohnen insbesondere für die noch verletzlicheren, eh schon belasteten Chronischkranken, denen der Hyperlärm den Rest zu geben fähig ist.
Zitat:
https://www.20min.ch/leben/reisen/story/Schreiende-Kinder-treiben-Reise…
Derweil macht ebenfalls in den britischen Medien das Youtube-Video eines anderen Reisenden die Runde. Shane Townley musste einen achtstündigen Lufthansa-Flug mit einem «Dämonenkind» überstehen und hielt seine Odyssee mit der Kamera fest.
https://www.businessinsider.de/schreiende-kinde-im-flugzeug-japan-airli…
Ich fordere Wahlmöglichkeit beim Wohnen.
Zitat aus UZH-Magazin (3/2019):
Im Juni 2017 publiziert die US-amerikanische Zeitschrift «The Atlantic» einen ausführlichen Artikel über Psychopathie bei Jugendlichen. Protagonistin des Berichts ist Samantha. (...) Kaum zwei Jahre alt, pinkelt Samantha gezielt auf einen kleinen Jungen, mit dem sie sich zuvor gezankt hat. Sie zwickt und stösst Spielkameraden so lange, bis sie weinen – und sie selbst strahlt. Als ihre Mutter sie darauf anspricht, geht Samantha ins Badezimmer und wirft Mamas Kontaktlinsen ins Klo. «Ihr Verhalten war nicht impulsiv. Sie wusste genau, was sie tat», zitiert «The Atlantic» Samanthas Mutter.
Bericht aus der SO 12.3.2014:
Eine aggressive Hauskatze hat in Portland (USA, where else, fragt George Clooney) einen Polizeieinsatz ausgelöst. Eine Familie verschanzte sich in ihrem Schlafzimmer vor dem wütenden Tier und wählte den Notruf.
Zunächst hatte die rund zehn Kilo schwere Katze dem sieben Monate alten Jungen des Paares das Gesicht zerkratzt. Dann trat der Familienvater dem Tier in den Hintern, was Lux - so der Name der Katze - umso mehr in Rage versetzte. Die Katze habe schreiend vor der Schlafzimmertür Position bezogen. Sogar der Hund der Familie habe verängstigt den Rückzug angetreten.
Lux habe eine gewalttätige Vergangenheit, sagte der Besitzer.
https://www.suedostschweiz.ch/aus-dem-leben/2017-07-26/crowdfunding-fue…
Wolfgang Reuss
26.07.2017 - 14:38 Uhr
Das Schlagerparade-Crowdfunding dürfte leider Erfolg haben - im Zeitalter von Facebook-Seichtheiten, Handy- und Konsumrausch, Sinnleere (obwohl es auf dem Planet wohl noch nie so viel zu tun gäbe wie jetzt), eine SO-Umfrage des Tages fragte, ob es wohl auch in Zukunft Könner wie z.B. David Bowie gäbe (einmal eine Frage, die mir imponiert); ich finde Nein, etwas änderte.
http://oktoberfest-chur.webnode.com/
Intelligenz und Veränderung:
https://www.youtube.com/watch?v=xpKwrqZzc1U&t=3s
https://www.amazon.com/%C3%9Cbels-Kranke-Umwelt-kranke-Kinder/dp/346611…
Zitat: "Ich erwarte, dass wir in drei Jahren in Deutschland 70 Prozent Schulabgänger haben, die nicht arbeitsfähig sind. Und hier noch eine andere Zahl: 1993 wurden in Deutschland 36 Kilogramm Ritalin verordnet, 2010 1,8 Tonnen. Jedes zweite Kind ist vor der Einschulung schon in irgendeiner Form von Behandlung."