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«Prüfet alles, das Gute behaltet»

Köbi Gantenbein, Verleger der Architekturzeitschrift «Hochparterre», lud zu einer etwas anderen Vernissage zur Davoser Baukultur ein.

Andri
Dürst
17.02.22 - 12:00 Uhr
Leben & Freizeit
Köbi Gantenbein nahm das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit.
Köbi Gantenbein nahm das Publikum mit auf eine Reise durch die Zeit.
zVg/Johannes Frigg

Wie gestaltet man eine Vernissage zu einem Architektur-Themenheft? Eine kreative Antwort auf diese Frage fand Köbi Gantenbein, indem er mit Domenic und Curdin Janett von den «Fränzlis da Tschlin» zwei Musikanten auf die Bühne des Kulturplatzes holte und ihre Stücke zusammen mit seinen Ausführungen und Gesängen zu einer Operette verquickte. Doch um was geht es?

Nach dem Buch noch ein Heft

Der «Hochparterre»-Verleger ist in Davos kein Unbekannter. 2018 verfasste er zusammen mit den hiesigen Architekten Jürg Grassl und Philipp Wilhelm den Architekturführer «Bauen in Davos». Fünfzig Bauwerke werden darin vorgestellt – allerdings kamen in der Zwischenzeit einige wichtige Bauten dazu. So werden in ähnlicher Manier wie im Büchlein sieben Projekte präsentiert. Im Heft, das den Titel «Die Alpenstadt baut» trägt, werden vorgestellt: das Eisstadion, der Ersatzbau für das Sporthotel Clavadel – der im Herbst 2023 bezugsbereit sein soll, die Dreifachturnhalle am Platz, der Zugang zur Marienkirche, das Schulhaus Bünda, die Arkaden sowie – als Blick in die Zukunft – das Generationenprojekt Davos Dorf. 

Heiter ging es weiter

Nicht mit der Zukunft, sondern mit der Vergangenheit startete die Operette. Köbi Gantenbein stieg zu Beginn noch selber als Musikant ein und spielte Klarinette. Er zeigte, dass er nicht nur über eine spitze Feder verfügt, sondern auch über musikalisches Talent. Den Anfang seiner Erzählungen fand er in einem denkwürdigen Moment 1853. Der Deutsche Revolutionär und Arzt Alexander Spengler reist ins Gebirge nach Davos. Was geht dem später als «Kurortgründer» bekannt gewordenem Herrn während seiner Fahrt mit der Kutsche durchs Prättigau wohl durch den Kopf? Der Vortragende holte das Publikum mit auf eine Zeitreise, die einem durchaus abstrusen Traum glich. Mit einer Prise Humor und viel Phantasie erzählte Köbi Gantenbein von allerlei Geschehnissen im Landwassertal – einige davon könnten tatsächlich stattgefunden haben, bei anderen wurde hingegen mit viel Vorstellungsvermögen nachgeholfen. Wie sonst hätten sich Alexander Spengler († 1901) und WEF-Gründer Klaus Schwab (*1938) treffen sollen? Der «Hochparterre»-Verleger fand zwischen den Herren sogar einige Parallelen: Beide seien aus Deutschland «geflohen», und beide hätten sich der Heilung verschrieben: Spengler kurierte kranke Lungen, Schwab kuriert die Ratlosigkeit auf dieser Erde. Und mit ebendiesem Helfervirus sei auch der jetzige Landammann Philipp Wilhelm infiziert worden – «er will gar die ganze Welt retten», meinte Gantenbein scherz-, aber auch kumpelhaft. 

Hohe Baukultur geschaffen

Spengler wiederum – wir sind zurück im «Traum» – erinnert sich als alter Mann an frühere Zeiten. Eine Melancholie schleicht sich in sein Gemüt, als er über den sich immer wandelnden Weltwandel Gedanken macht. «Prüfet alles, das Gute behaltet», liest er in diesem Moment im Sertiger Kirchli an der Kanzel. Der Spruch, der aus den Paulusbriefen stammt, diene auch als guter Leitspruch für ihn, für die Davoser Hochbauchefin Cornelia Deragisch, für Davos, für Graubünden und für die Welt, meinte Gantenbein. Und so wurde auch der Bogen zurück zur Baukultur geschlagen. Bei Weitem hätten nicht alle Bauherren, die in den letzten 150 Jahren im Landwassertal gebaut hätten, diesen Spruch berücksichtigt. Für die im Themenheft abgebildeten Bauten fand der Autor aber praktisch nur lobende Worte. «Ich kenne keinen anderen Ort, wo in dieser Dichte Bauten von so hoher Kultur entstanden sind», befand er und führte dieses Ergebnis darauf zurück, dass überall Wettbewerbsverfahren zum Endergebnis geführt hätten. Und dies sei keineswegs immer leicht gewesen: Insbesondere beim Arkadenplatz mussten die Architekten, die das Siegerprojekt abgeliefert hatten, kurzfristig umdisponieren und den anfangs nicht geplanten Kulturplatz dazubauen. «Ein Wechseln der Räder am fahrenden Zug», nannte es Gantenbein. 

Glücklich über das Erreichte zeigte sich auch der Landammann: «Als ich dieses Heft las, empfand ich Stolz!» Dank der Wettbewerbskultur habe man eine geballte Ladung an Planungsschaffen nach Davos geholt. Doch er empfinde nicht nur Stolz, sondern auch Dankbarkeit. In diesem Sinne wolle er auch weiterfahren. «Davos will vorangehen», betonte Wilhelm. Man darf also auf die nächsten Bauten, die die Gemeinde aufstellen lässt, gespannt sein.

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