Die Helden der Lüfte und ihre Pionierleistung
«Mit dem Weihnachtstag 1952 ist es der Schweizerischen Lebensrettungs-Gesellschaft (SLRG) gelungen, dem Schweizervolke die Einsatzbereitschaft der Rettungs-Flugwacht zu melden! Die erste Alarmstufe der SRFW steht somit für die rasche Flughilfe bei Lawinenunglücken bereit. Das bedeutet, dass in Zukunft Lawinenhunde und ihre Führer sowie Ärzte und Samariter samt ihrer modernen Ausrüstung mit Wiederbelebungsapparaten, Sauerstoff und allen Medikamenten zur Herzwiederbelebung und allem üblichen Sanitätsmaterial der Ersten Hilfeleistung, sofort eingesetzt werden können.» Was heute schon fast zum Alltag der alpinen Rettung gehört, war vor 70 Jahren eine Pionierleistung und entsprechend eine Meldung im Jahresbericht der SLRG wert. Denn zunächst bestand die Schweizerische Rettungsflugwacht SRFW als Sektion der SLRG – der Organisation, die sich heute zum Ziel gesetzt hat, Wasserunfälle zu verhindern.
Die «Böden» als Übungsgelände
Doch zurück zu Weihnachten 1952. Auch wenn die Quellen bezüglich des genauen Datums etwas widersprüchlich sind: Klar ist, dass in diesem Zeitraum die allererste Rettungsaktion mit einem Helikopter stattgefunden hat. Auch die Davoser Zeitung berichtete darüber (Ausgabe vom 22. Dezember 1952), und zwar so: «Nun sind am 19. Dezember erstmals ein Fallschirmabspringer und dazu ein Lawinenhund mit seinem Führer von einem Hiller-Helikopter aus im Davoser Skigebiet in einer äusserst interessant verlaufenen Rettungsübung eingesetzt worden. Schon während der ganzen Woche hatten 25 Hundeführer unter ihrem Detachements-chef, Schmutz, eifrig ihre Zöglinge trainiert, und die Übung vom Freitag sollte den glanzvollen Abschluss bilden, wobei hohe und höchste Stellen sich für die Übung interessierten und sich so der Rettungschef des SAC, Dr. Brauchli, nicht über mangelndes Interesse zu beklagen hatte. Einer breiteren Öffentlichkeit wurde die Übung nicht bekannt gegeben, da wohl ein allzu grosser Publikumsaufmarsch auf den in nächster Nähe von Davos gelegenen ‹Böden› befürchtet wurde.»
Die Übungsannahme sei die gewesen, dass – an einer weitab von einer bewohnten, mit versiertem Personal und mit Lawinenhunden versehenen Stelle – ein Skifahrer in ein Schneebrett geraten sei, und dass so Hilfe auf dem Luftweg habe angefordert werden müssen. Den Rettungsvorgang beschrieb die DZ folgendermassen: «Eingesetzt wurden einerseits der Fallschirmabspringer Walti allein, der dann auch prompt über dem Gelände der Böden, ungefähr 350 Meter von der Unfallstelle, landete und im Weiteren ein Helikopter Hiller mit einem Hundeführer nebst Lawinenhund, welche von Zürich aus in einer Flugzeit von 1.5 Stunden inklusive eine Zwischenlandung in Mollis auf den Meter genau auf dem vorgezeichneten Platz auf den Böden landete.»
«Helikopter von ausserordentlichem Nutzen»
Der Redaktor bilanzierte, dass es wohl auch in der Realität möglich sei, dass der Fallschirmabspringer ohne Hund als Nichtskifahrer rasch hätte am Platz sein können. Dies würde aber nur mit einer Sende-Apparatur von effektivem Nutzen sein, um nach erfolgtem Absprung den nachfolgenden Helikopter zu orientieren und ihm, wenn nötig, noch den Landeplatz zu kennzeichnen. Weiter schrieb er: «Der Einsatz des Helikopters dagegen kann – die geringe Steigfähigkeit der heute disponiblen Modelle nicht in Rechnung gesetzt – dann von ganz ausserordentlichem Nutzen sein, wenn der Stationierungsort bei der verhältnismässig geringen Reisegeschwindigkeit dieser Maschinen nicht allzu weit vom Unfallort entfernt ist, und wenn die Geländeverhältnisse so sind, dass wenigstens ein halbwegs flaches und nicht gar zu sehr eingekesseltes Fleckchen Boden in der Nähe der Unfallstelle vorhanden ist, das eine Landung gestattet. Ganz sicher werden Hund und Hundeführer auf diese Art so frisch und ruhig wie nur möglich an Ort und Stelle eintreffen, während sonst lange Aufstiege, ganz abgesehen vom Zeitverlust, eine sehr grosse Belastung darstellen, die natürlich die Fähigkeiten des Tieres nicht fördert.»
Der Redaktor fügte dennoch ein grosses «Aber» an: «Solche Aktionen sind nur in verhältnismässig geringen Höhen möglich, wo sich in den seltensten Fällen Lawinenunfälle in abgelegenen Gebieten ereignen dürften. Höher oben werden sie erst möglich sein, wenn Helikopter in der Schweiz vorhanden sind, die beträchtlich höher steigen können als die Hiller, deren Plafond mit 2200 Metern beschränkt ist.» Dennoch wurde im Zeitungsartikel die Aktion «als sehr gelungen» bezeichnet. Hervorgehoben wurde auch die Zusammenarbeit der Spitzen militärischer und ziviler Stellen, welche in der Armee und in der Touristik an der Weiterentwicklung des alpinen Rettungswesens interessiert waren. Und tatsächlich: Bereits in den 60er-Jahren wurden die Einsatzmöglichkeiten von Helikoptern grösser, und in den 70er-Jahren erfolgte der Durchbruch der Luftrettung im Hochgebirge.
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