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Ein grosser Schritt für die Leihbibliothek

Wer die Davoser Bibliothek betritt, konnte in den vergangenen Monaten spüren, dass ein frischer Wind weht. Doch eine grosse Neuerung steht erst noch bevor: Die Bücherei wird nämlich zur «Open Library».

Andri
Dürst
08.03.22 - 08:00 Uhr
Leben & Freizeit
Das Schweizerhaus soll zu einem zusätzlichen Wohnzimmer werden.
Das Schweizerhaus soll zu einem zusätzlichen Wohnzimmer werden.
ad

Die Zeiten, in denen man in schummrigen und engen Gängen seine Literatur herauspickt, sind im «Schweizerhaus» definitiv vorbei. Ein freundlich eingerichtetes Lesecafé mit bequemen Stühlen lädt bereits seit einiger Zeit die Besuchenden im ersten Stock zum Verweilen ein. Doch bis anhin mussten sich die Davoser Leseratten an die Öffnungszeiten des Hauses halten. Das ist bald vorbei. «Dank der Umstellung auf eine ‹Open Library› können wir die Öffnungszeiten um ein Vielfaches erweitern», freut sich Leiterin Nicole Hunziker. Konkret bedeutet dies, dass die Besuchenden nicht mehr ständig betreut sind, sondern sich selbstständig in der Bibliothek bewegen können – wenn auch nur in der Leih-bibliothek. Die Ludothek und die Dokumentationsbibliothek sind bei diesem Schritt nicht involviert. Sieben Tage lang, von früh morgens bis spät abends, können alle mit einem dafür speziell ausgestellten Bibliotheksausweis das Gebäude selbstständig betreten. Am Eingang muss lediglich die Karte oder eine App auf dem Handy gescannt werden, und die Tür zum Reich der Literatur öffnet sich von selber.

Sinnvoll von der Digitalisierung profitieren

Im Haus soll es dann auch zu späten Abendstunden einladend sein. So ist auch geplant, die Beleuchtung mittels Zeitschaltuhren zu regeln, um eine angenehme Atmosphäre zu schaffen. Wer ein Buch mit nach Hause nehmen will, kann dies einfach per Selbstausleihe ausfassen. Unschöne Überraschungen wie beispielsweise Vandalismus erwarte man nicht. Denn dank der personalisierten Bibliothekskarten lasse sich zurückverfolgen, wer wann die Räumlichkeiten betreten habe. Und am Abend werde ein Nachtwächter einen Kontrollrundgang machen, bevor die Bücherei geschlossen wird.

Auch Landammann Philipp Wilhelm – dessen Departement die Kultur und somit die Bibliotheken angegliedert sind – freut sich über diesen Ausbauschritt: «Die Bibliothek wird so zu einem zusätzlichen Wohnzimmer – sofern man im Besitz eines entsprechenden Bibliotheksausweises ist». Zusammen mit seinen vier Kollegen vom Kleinen Landrat stattete er der Bibliothek im vergangenen Jahr einen Besuch ab, um die Notwendigkeit dieser Investitionen – im Budget sind rund 30 000 Franken vorgesehen – auf-zuzeigen. «Ein Schritt, um die Digitali-sierung und die Automatisierung aufeinander abzustimmen», wie es der Landammann nennt.

Landammann Philipp Wilhelm und Bibliotheksleiterin Nicole Hunziker freuen sich, die Leihbibliothek fit für die Zukunft machen zu können.
Landammann Philipp Wilhelm und Bibliotheksleiterin Nicole Hunziker freuen sich, die Leihbibliothek fit für die Zukunft machen zu können.
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Zum «Zmorge-Kaffi» oder an einem gemütlichen Abend etwas lesen

Mit dem Ausbau zur «Open Library» soll dem Trend vieler Menschen nach Flexibilität und Spontaneität nachgekommen werden. Personen, die im Besitz des speziellen Bibliotheksausweises sind, können nebst der klassischen Ausleihe von physischen Büchern auch die Möglichkeit nutzen, auf Tablets via Gratis-Zugang die Welt von «Reader» zu erkunden. Verschiedene digitale Angebote können so vor Ort gelesen werden. «Mit der Open Library schaffen wir einen Anreiz, diese Angebote vermehrt zu nutzen», erklärt die Bibliotheksleiterin.

Die Tücken des «Schweizerhauses»

Die beiden Gesprächspartner sind sich einig, dass die Digitalisierung ein gutes Mittel ist, um aus der jetzigen Bibliothek, respektive aus der Liegenschaft, das Beste herauszuholen. Denn eigentlich ist das «Schweizerhaus» nicht optimal für eine Bibliothek. Wilhelm vermisst insbesondere die fehlende Zugänglichkeit für Menschen mit körperlichen Einschränkungen. Hunziker hätte zudem gerne mehr Räume für «Maker Spaces»: «Pro Woche haben wir zwischen fünf und sechs Schulklassen bei uns. Mit ihnen führen wir verschiedene lässige Aktivitäten durch, so, wie es der Lehrplan 21 vorsieht. Oft fehlen uns aber geeignete Arbeitsräume dazu».

Es gilt als offenes Geheimnis, dass die Gemeinde längerfristig einen Umzug der Bibliotheken ins Auge fasst. Der Landammann kann jedoch noch nichts Konkretes dazu sagen. «Wir haben uns für dieses Jahr die Aufgabe gesetzt, zusammen mit dem Kleinen Landrat und der Verwaltung eine Auslegeordnung zu machen. Zudem kann die Bibliothek formulieren, welche Bedürfnisse sie an einen neuen Standort hat», erklärt Wilhelm. Er könne sich auch vorstellen, dass im Zusammenhang mit dem Neubau des Bahnhofs Dorf eine solche Einrichtung entstehen könnte. Nach Abschluss der Wettbewerbsphase könne man dann sicherlich mehr dazu sagen.

Dass eine Bücherei bei Weitem kein Auslaufmodell ist, habe sich in der Pandemie deutlich gezeigt. «Viele Leute haben das Lesen wieder für sich entdeckt. So haben wir ganz viele Neukunden gewonnen», erzählt Hunziker erfreut. Wegen der corona-bedingten Auswirkungen sei man nun beispielsweise bei Kinderbüchern besser aufgestellt und konnte auch weitere Prozesse optimieren. Diese positive Entwicklung soll nun mit der «Open Library» ihre Fortsetzung finden. Geplant sei, im Herbst damit zu starten. Zu gegebener Zeit würden weitere Informationen folgen.

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