Davos leidet offiziell unter «Wohnungsnot»
Wie im KrL festgehalten ist, zählte die Gemeinde Davos im Jahr 2019 10 900 ständige Einwohner (EW). Rund 80 Prozent davon seien im Dorf und am Platz wohnhaft. Die Einwohnerzahl sei seit dem Jahr 2008 stabil bis leicht abnehmend, nachdem sie zuvor etwas stärker abgenommen hat. Doch oft seien mehr Menschen in Davos, wie das KrL weiss: «Zu den ständigen EW kommen rund 1000 Personen mit einer Kurzaufenthaltsbewilligung hinzu (nicht ständige Wohnbevölkerung). Zu saisonalen Spitzenzeiten halten sich gemäss Schätzungen der Gemeinde bis zu 60 000 Personen in Davos auf (inklusive Zweitbewohner, Gäste, Saisonangestellte, etc.).» Was die Altersstruktur anbelangt, so habe der Anteil der jüngeren Bevölkerung seit 1990 stark abgenommen, wobei der Rückgang bei den 15 bis 29-Jährigen am stärksten ausfalle. Eine starke Zunahme fand hingegen bei den Altersklassen 45 bis 64 (heute 29 Prozent) und 65 bis 79 (heute 15 Prozent) statt (GR: 30 Prozent beziehungsweise 16 Prozent)».
Immer mehr Zweitwohnungen
Gewohnt werde vermehrt in kleineren Haushalten: «Die durchschnittliche Haushaltsgrösse hat zwischen 1990 und 2019 von 2.22 auf 2.02 Personen abgenommen (GR: 2.42 auf 2.13 Pers.).
74 Prozent aller Haushalte sind 1- oder 2-Personenhaushalte (GR: 72 Prozent). 52 Prozent der Gesamtbevölkerung wohnt in diesen Haushalten.» Entsprechend hoch sei der Anteil an Ein- und Zwei-Zimmerwohnungen. Von insgesamt 12 350 Wohnungen (Erst- und Zweitwohnungen) seien 42 Prozent Ein- und Zwei-Zimmerwohnungen (GR: 27 Prozent). Die Anzahl an grossen Wohnungen ab 4 Zimmern sei vergleichsweise tief (34 Prozent, GR: 47 Prozent).
Auch zum Zweitwohnungsanteil gibt das KrL Auskunft: Dieser belaufe sich auf 57 Prozent (7200 Wohnungen). Der Wert sei seit 2017 um 1.6 Prozent angestiegen. Und weiter: «Gleichzeitig ist die Anzahl der Erstwohnungen in diesem Zeitraum gesunken, obwohl von 2017 bis 2021 rund 200 Erstwohnungen erstellt wurden. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass altrechtliche (vor 2012 erstellte) und zuvor als Erstwohnungen genutzte Wohnungen in Zweitwohnungen umgenutzt wurden.» Rund 95 Prozent der Davoser Wohnungen seien theoretisch dem Zweitwohnungsmarkt zugänglich.
Beschäftigte finden keinen adäquaten Wohnraum
Weitere Details zum Wohnraum lieferte eine in diesem Jahr gemachte Analyse, die ins KrL eingeflossen ist. Dazu heisst es: «Die Leerwohnungsziffer lag 2021 bei sehr tiefen 0.15 Prozent. Dies ist der tiefste Wert in Davos seit 1998 und weit unter dem schweizerischen Mittel von 1.54 Prozent. Bei einer Leerwohnungsziffer unter 1 Prozent spricht man davon, dass das Angebot stark verknappt ist und Wohnungsnot herrscht.» Unter «Fazit und Ausblick» heisst es daher: «Die Schrumpfung der Bevölkerung trotz mehr Arbeitsplätzen und die Zunahme der Zupendler trotz Bau von neuen Wohnungen sind Indizien dafür, dass Beschäftigte in Davos keinen adäquaten Wohnraum finden». Doch genau dieser sei ein zentraler Faktor dafür, ob die Bevölkerungszahl in Davos wie prognostiziert effektiv zunehme. Auch preislich schlägt sich die Wohnungsnot nieder: «Die angebotenen Mietpreise für Wohnungen lagen 2022 im Median bei 260 Franken/Quadratmeter/Jahr und damit deutlich höher als der Schweizer Durchschnitt (189 Franken). Zwischen 2019 und 2022 stiegen die Mietpreise um 9 Prozent. Eine angebotene Zwei-Zimmer-Wohnung kostet im Median rund 1200 Franken im Monat, eine Vier-Zimmer-Wohnung rund 2000 Franken.» Im Vergleich dazu wiesen 65 Prozent der Steuerpflichtigen ein jährlich verfügbares Einkommen von unter 60 000 Franken auf. Das ergebe ein Wohnbudget von maximal 1500 Franken im Monat. Ergo: «Die angebotenen Mietwohnungen liegen preislich wohl in nicht wenigen Fällen über den Mitteln der ansässigen Bevölkerung».
Positives Pendlersaldo
Wo gewohnt wird, wird auch gearbeitet. Und das offenbar immer mehr: «Zwischen 2011 und 2018 blieb die Anzahl der Betriebe relativ konstant, während die Anzahl der Beschäftigten von 6820 auf 7060 Vollzeitäquivalente (+ 240 VZÄ) zunahm», so das KrL. Was die Branchen betrifft, so stehen der Tourismus (etwa 2000 VZÄ) und die Gesundheitsbranche (etwa 1000 VZÄ) an der Spitze. Das Gewerbe komme ebenfalls auf fast 2000 VZÄ (Verkehr, Lagerei, Handel, Baugewerbe, Herstellung von Waren). Das KrL schätzt die Situation so ein: «Die Branchenstruktur ist sehr breit aufgestellt. Ein Grossteil der Beschäftigung ist jedoch direkt oder indirekt auf den Tourismus zurückzuführen.» Doch nicht alle Davoser finden in der Gemeinde selber eine Anstellung. Dazu heisst es: «92 Prozent der Erwerbstätigen, die in Davos wohnhaft sind, arbeiten auch in der Gemeinde. […] Davos hat ein positives Pendlersaldo (1180 Zupendler gegenüber 580 Wegpendlern). 55 Prozent der Zupendler kommen aus Klosters und der Region Prättigau. Die Anzahl Zupendler hat zwischen 2000 und 2018 stark zugenommen (+ 250 Prozent).»
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