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Gastronomen decken Tisch von jenen, die wenig haben

Gastronomen decken Tisch von jenen, die wenig haben

Lebensmittel von Gastrobetrieben holt im Mini-Lockdown der Verein «Tischlein deck dich» ab. Noch machen aber nur wenige mit. Derweil haben Wirte in Chur gegen die Corona-Massnahmen demonstriert.

Ursina
Straub
vor 2 Monaten in
Aus dem Leben
Gegen Corona-Massnahmen und gegen Verschwendung: Während am Samstag eine Gruppe Gastronomen auf dem Churer Regierungsplatz gegen die Corona-Verordnung der Regierung protestiert (links), sammeln Mitarbeiter des Vereins «Tischlein deck dich» verderbliche L
Theo Gstöhl

Am Freitagabend um 23 Uhr mussten alle Gastrobetriebe im Kanton schliessen. Am Samstagmorgen um Punkt 8 Uhr, nur neun Stunden später, war die Hotline von «Tischlein deck dich» für die Gastronomie offen. Eine Viertelstunde später meldete sich der erste Betrieb: ein Bistro in Chur.

Mit der Hotline haben der Branchenverband Gastrograubünden und der Verein «Tischlein deck dich» eine einmalige Aktion gestartet. Damit Lebensmittel, die während des Mini-Lockdown verderben, nicht weggeworfen werden, können sich Wirtinnen und Wirte bei «Tischlein deck dich» melden – und schon fahren die Kühlwagen des Vereins vor.

«Tischlein deck dich» sammelt einwandfreie Lebensmittel ein und verteilt sie für den symbolischen Betrag von einem Franken an Menschen, die am Existenzminimum leben. Neun solche Abgabestellen betreibt die Organisation im Kanton. Seit 16 Jahren gibt es den Verein in Graubünden, seit zehn Jahren arbeitet er mit dem kantonalen Amt für Industrie, Gewerbe und Arbeit zusammen.

Essen für 1000 Personen

Im vergangenen Jahr kamen im Logistiklager Graubünden, zu dem auch St. Gallen und das Fürstentum Liechtenstein gehören, 322 601 Kilogramm Esswaren zusammen. Spender sind Supermarktketten wie Coop, Migros, Manor, Aldi und Lidl. Sie geben ihre Ware ab, weil das Datum bald abläuft oder zu viel produziert wurde.

Verteilt wurden die «Tischlein deck dich»-Lebensmittel im vergangenen Jahr an rund 1000 bedürftige Personen wöchentlich. «Früchte und Gemüse sind spätestens am nächsten Tag bei den Empfängern», erklärt Willy Roth, der für den Kanton das Projekt betreut. «Das Trockensortiment wird etappenweise verteilt.»

Doch zurück zur Hotline für Gastronomen. Lediglich drei Anrufe seien am Samstag eingegangen, bedauert Roth. Er betont indes, dass der heisse Draht noch während des ganzen Lockdown offen sei.

Kundgebung gegen Massnahmen

Ein Zeichen gegen die Schliessung der Restaurants setzte am Samstagmittag eine Gruppe Gastrobetreiber auf dem Regierungsplatz in Chur. Initiiert wurde die bewilligte Kundgebung mit dem Motto «Üs lupft’s dr Deckel!» von Renato Feurer, Inhaber und Geschäftsführer eines KMU-Gastrobetriebes. Mit Pfannendeckeln machten über eine Dutzend Wirtinnen und Wirte Krach gegen die Verordnung, welche die Regierung am vergangenen Freitag erlassen hatte.

«Die neuen kantonalen Massnahmen gehen uns zu weit», betonte der parteilose Feurer an der Demonstration. Die 104 Corona-Todesfälle und die 734 aktiven Fälle im Kanton machten nur 0,4 Prozent der Bevölkerung aus und stünden in keinem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung des Kantons, unterstrich er. Dies hielt er auch in einem Schreiben an die Regierung fest. Darin fordern er und Gleichgesinnte ein Umdenken: «Schützen Sie die Risikogruppen und lassen Sie die Restbevölkerung leben, arbeiten und selber über die Hygienemassnahmen entscheiden», regen sie an.

Die Hotline für Gastronomen ist bis am 17. Dezember offen: 081 257 21 27 / 081 257 21 28 / 081 257 21 30 oder per E-Mail an: boban.durkalic@kiga.gr.ch

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