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Der Kanton will mit dem Wolf-Abschuss nicht lange zuwarten

Das Bundesamt für Umwelt hat den Abschuss von vier Jungwölfen aus dem Beverin-Rudel bewilligt. Bis Ende März sollen die Abschüsse erfolgt sein. Die Gruppe Wolf Schweiz und der WWF Graubünden bedauern den Entscheid.

Südostschweiz
Freitag, 04. Oktober 2019, 17:45 Uhr Beverin-Jungwölfe
Das elfköpfige Beverin-Wolfsrudel soll um vier Jungwölfe reduziert werden.
ARCHIV / PIUS FURGER

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) hat einen Antrag des Kantons Graubünden für den Abschuss von vier Jungwölfen des Beverin-Rudels gutgeheissen. Damit hat der Kanton nun bis Ende März 2019 Zeit, die Abschüsse vorzunehmen. 

Mit 15 Rissen aus Ziegenherden, die durch Herdenschutzmassnahmen geschützt waren, legt das Beverin-Rudel ein Verhalten an den Tag, das gemäss der Bündner Jagdverwaltung als problematisch klassifiziert werden muss. In diesem und im vergangenen Jahr haben die Elterntiere insgesamt rund 100 ungeschützte Schafe gerissen. Nun hat das Rudel begonnen, Tiere zu reissen, die durch Herdenschutzmassnahmen geschützt waren

«Wenn mindestens 15 Nutztiere aus einer geschützten Umgebung innert vier Monaten gerissen werden, dann sind die Bestimmungen des Bundes erfüllt und es dürfen Einzelabschüsse getätigt werden», sagt Departementsvorsteher Mario Cavigelli gegenüber Radio Südostschweiz.

Warum werden die Jungwölfe geschossen?

«Auf den ersten Blick mag es sinnvoll erscheinen, anstelle der Jungwölfe, die Elterntiere zu schiessen. Doch die Elterntiere sind explizit durch das Gesetz geschützt und es birgt Gefahren, wenn man die Elterntiere schiesst», sagt der Bündner Jagdinspektor Adrian Arquint. So könnte sich das Rudel unter Umständen auflösen, wenn die Elterntiere nicht mehr da sind und dies könnte die Lage noch verschlimmern, weil dann gar Nutztiere als «einfach Opfer» ins Visier der unerfahrenen Wölfe geraten könnten.

Zudem will man mit dem Abschuss nicht bloss die Anzahl Wölfe reduzieren, sondern auch die Wölfe erziehen. «Die übrig gebliebenen Wölfe sollen daraus lernen und Respekt vor dem Menschen und der Nähe zu Herdenschutzmassnahmen entwickeln», ergänzt der Jagdinspektor Adrian Arquint.

Der Wolfsbestand ist im Kanton Graubünden durch den Abschuss nicht gefährdet. Insgesamt kamen in diesem Jahr 17 Jungwölfe im Kantonsgebiet zur Welt und das Eingreifen bei einem problematischen Rudel sei auch von diesem Gesichtspunkt her vertretbar.

Bedauern beim WWF und der Gruppe Wolf Schweiz

Beim WWF Graubünden bedauert man den Entscheid des BAFU. «Wir werden die Verfügung zunächst genau prüfen und schauen, ob die Voraussetzungen zum Abschuss der vier Wölfe tatsächlich gegeben sind», sagt die Churer Gemeinderätin und WWF-Graubünden-Sprecherin Anita Mazzetta gegenüber TV Südostschweiz. Auch sie bedauere es, dass Schafe gerissen wurden, unterstreicht aber, dass viele gerissene Tiere nicht geschützt waren. Sofern die Voraussetzungen für den Abschuss erfüllt seien, würde auch Mazzetta den BAFU-Entscheid akzeptieren. 

Ähnlich klingt es von der Gruppe Wolf Schweiz, die den Abschuss zwar bedauert, die Regulierung aber als rechtmässig erachtet.

Derweil will der Bündner Jagdinspektor Adrian Arquint mit dem Abschuss nicht lange zuwarten. Je länger zugewartet wird, desto schwieriger dürfte es werden, die Jungtiere von den Elterntiere zu unterscheiden. (bae)

Das sagen unter anderem die Menschen auf den Churer Strassen zur Abschussbewilligung:

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Ich finde das total verfehlt. Wölfe sind Jagdtiere und in diesem Sinne die Polizei der Natur. Man sieht es, wenn man die Wölfen einfach machen liesse, dann müssten nicht jedes Jahr hunderte von Rehen geschossen werden. Die Balance ist so gestört. Und Schafe müssen erstens nicht in den Bergen herumrennen, und zweitens wenn, dann beschützt sein von Hunden.