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Schiessen statt Essen

Kampf im und ums Haus: Das einstige Restaurant «Walensee» dient der Armee manchmal auch als Trainingsplatz für Häuser- und Ortskampf.

Marco
Häusler
Samstag, 01. Juni 2019, 10:50 Uhr Restaurant «Walensee»
Die Schilder sind schon wieder weg, aber die Armee möchte das ehemalige Restaurant «Walensee» auch künftig immer wieder einmal als militärisches Trainingsobjekt nutzen.
FRIDOLIN RAST

«Zutritt verboten, militärisches Trainingsobjekt» steht auf den Zetteln. Angebracht worden sind sie am Eingang zum ehemaligen Restaurant «Walensee» und an Mauern in der Umgebung der einstigen Autobahnraststätte.

«Sperrgebiet» ist auch der dazugehörige Parkplatz auf der gegenüber liegenden Seite der Autobahn A3 für die Öffentlichkeit – allerdings bereits seit gut eineinhalb Jahren. Das Bundesamt für Strassen (Astra) benutzt ihn zurzeit als Bauplatz.

«Ausfahrt verboten» gilt für den Rastplatz dennoch seit September 2017 für alle, die auf der Autobahn Richtung Weesen brausen – und somit auch für den Geschäftsführer der Restwal GmbH, der das einstige Restaurant «Walensee» gehört. In diesem möchte Heinz Peter Moravcic eigentlich wohnen. Doch das darf er nicht, unter anderem weil die seit bald 16 Jahren leer stehende Liegenschaft an der offiziellen Adresse «Nationalstrasse 3» von der Wasserversorgung abgeschnitten ist. «Zutritt verboten» gilt für Moravcic zwar nicht, «Zufahrt verboten» aber auch für ihn, wenn er das Gebäude mit dem Auto über den Rad- und Wanderweg anfahren möchte, der aus Mühlehorn hinter der stillgelegten Raststätte vorbei Richtung Gäsi führt.

Militärische Nutzung sehr selten

Den Kampf um sein Haus hat Moravcic aufgegeben. Das sagte er zumindest vor knapp drei Wochen. Um den Häuserkampf zu trainieren, benutzte es nun aber die Armee, wie Ronald Drexel Mitte Woche auf Anfrage bestätigte. Er ist Oberst im Generalstab und als solcher Kommandant des Ausbildungszentrums der Armee (AZA) in Walenstadt.

Die ehemalige Raststätte werde nur «sehr selten» als militärisches Trainingsobjekt benutzt, sagt Drexel. «Vielleicht zwei- bis dreimal pro Jahr und dann jeweils auch nur für ein paar Stunden.» Dafür stelle Moravcic der Armee das Haus phasenweise zur Verfügung. «Wir benutzen es, um das taktisch und technisch richtige Vorgehen im Häuser- und Ortskampf zu trainieren.»

Getan worden sei das auch jetzt in einem Kurs, an dem 18 Leute teilgenommen hätten. «Er dauerte zwei Wochen, wobei wir nur an einem Tag während ein paar Stunden im Gebäude waren», erklärt Drexel dazu. «Trainiert wurde darin mit Markiermunition. Doch der Kurs ist jetzt fertig, auch die Schilder wurden wieder entfernt.»

Ideal für realistische Übungen

Für militärische Trainings geeignet sei das frühere Restaurant, weil in diesem Teile der Küche und anderer Hausinstallationen noch vorhanden seien, sagt Drexel. Und: «Der Bau mit seinen Stockwerken ist sehr verwinkelt. Für unsere Ausbildung ist das ideal, und es fordert die Kursteilnehmer taktisch wie auch technisch.» In realen Gebäuden zu trainieren, werde denn auch möglichst oft versucht. «Wir haben auch schon eine Kehrichtverbrennungsanlage oder ein Hotel benutzt.»

So werde ständig nach Objekten gesucht, in denen unter möglichst realen Bedingungen trainiert werden könne. Auch dafür stünden Armeeangehörige in ständigem Kontakt mit der Polizei und Gemeinden. «Auf die Raststätte aufmerksam gemacht wurde letztes Jahr ein Mitarbeitender des AZA-Kommandos Lehrgänge und Kurse», sagt Drexel. «Darauf baten wir den Besitzer um sein Einverständnis und holten die notwendigen Bewilligungen dafür ein, unter anderem jene des Astra, um den Rastplatz mit Autos befahren zu können.» Und natürlich sei auch die Polizei orientiertworden.

Persönlich habe er nie Kontakt mit Moravcic gehabt, führt Drexel weiter aus, den hätten seine Mitarbeitenden gesucht. Aber: «Vom Besitzer gewannen wir den Eindruck, dass er sogar froh ist, wenn wir sein Objekt für Trainings benutzen.»

Wiederholung erwünscht

Moravcic werde keine Entschädigung bezahlt, gibt Drexel weiter Auskunft. «Aber wir sind den jeweiligen Eigentümern sehr dankbar für solche Objekte.» Denn die Trainingsobjekte der Armee bestünden mehrheitlich aus leeren Räumen.

Da bietet die Raststätte mehr: «Dort konnten wir sogar die Herfahrt vom See aus üben und das Bilden eines Brückenkopfes trainieren, um dann weiter die Annäherung und das Durchsuchen des Objektes zu schulen.»

Selbstverständlich würden alle Trainingsobjekte immer wieder im ursprünglichen Zustand verlassen und die Warntafeln entfernt, betont Drexel. Er hätte jedoch nichts dagegen, sie auch künftig wieder anbringen zu lassen: «Gerne nutzen wir dieses Objekt weiterhin, sofern der Eigentümer einverstanden ist.»

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