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Sie fotografieren Sternennebel und nehmen Frisuren unter die Lupe

Wenn die Maturaarbeiten im Januar öffentlich präsentiert werden, wird die Kantonsschule Glarus jeweils zur Volksuniversität. Am Mittwoch haben 46 Maturandinnen und Maturanden vor Publikum spannende Referate über selbst gewählte Themen gehalten – eine Auswahl.

Claudia
Kock Marti
Freitag, 11. Januar 2019, 04:30 Uhr Maturaarbeiten der Kantonsschule Glarus

Im Foyer der Kantonsschule sind die Maturaarbeiten ausgestellt. Erste Besucherinnen und Besucher blättern bereits neugierig darin. Eltern suchen den Klassenraum, in dem sich ihr Sohn oder ihre Tochter auf die Präsentationen vorbereitet. Andere studieren den Präsentationsplan, um sich ihr Vorlesungsprogramm für die nächsten Stunden zusammenzustellen.

Bis zu zehn Vorträge liegen da drin. Es herrscht die Qual der Wahl. Denn die Themenpalette ist riesig. Sie reicht von aktuellen gesellschaftspolitischen Fragen, ersten literarischen Versuchen, ökonomischen oder historischen Analysen bis zu komplexen naturwissenschaftlichen Untersuchungen.

Der pensionierte Lehrer Peter Zimmermann verrät seine Methode. Neben den naturwissenschaftlichen Themen, die ihn sowieso interessieren, wählt er jeweils auch ein ihm eher fremdes Thema aus. Und schon geht es zum Vortrag über «Deep Astrophotography», eine auf englisch verfasste Maturaarbeit mit einladendem Titelblatt.

Ferne Galaxien im Fokus

«Ich bin von Physik und Technik fasziniert und betreibe das Fotografieren als Hobby», erklärt Christopher Golling. Die Fotomotive, die er für seine Maturaarbeit gewählt hat, liegen Lichtjahre entfernt. Mit dem Teleskop der Sternwarte der Kantonsschule und einer Fotokamera hat er versucht, ferne Galaxien einzufangen. Nach der theoretischen Auseinandersetzung mit der Astrofotografie harrte der Maturand rund 20 Nächte bei klarem Himmel für seine Bilder auf dem Kanti-Dach aus. Mit dicker Jacke, Thermoskanne und auch schon mal mit Schlafsack, bis er eine Lösung installierte, um das Teleskop vom warmen Klassenzimmer aus vom PC zu bedienen. Ein herausforderndes Unternehmen blieb es trotzdem, wie er berichtet, da die Technik zunächst nicht so funktionierte, wie sie sollte. «Die Astrofotografie ist eine Aneinanderreihung von Fallgruben … und man tappt in jede», zitiert er den deutschen Astronomen Gerald Willems.

Doch kommt es zuletzt gut heraus. Seine langzeitbelichteten Ergebnisse, deren Entstehung er fachmännisch erläutert, lassen das Publikum staunen und Fritz Zwicky grüssen. Galaxien werde er weiterhin fotografieren, so Golling nach seinem Vortrag. Schliesslich verfüge die Kanti über eine tolle Einrichtung, die es zu nutzen gelte.

Um ein lebensnahes Thema geht es bei Tina Zweifel. Ihren Vortrag eröffnet sie mit dem Selfie-Stick in der Hand, wobei sie sich und ihr Publikum ins Bild rückt: «Sie alle kennen das», sagt sie dazu. Sie wolle nur noch schnell ein Foto auf Facebook posten. Ihre Forschungsfrage dreht sich darum, was ein zeitweiliger Verzicht auf soziale Medien auslösen kann. Fomo (Fear of missing out) oder auf Deutsch, die Angst, etwas zu verpassen und nicht mehr zur Gruppe zu gehören, ist ein solcher Effekt. 173 Personen, vor allem jüngere, haben ihren Fragebogen ausgefüllt. Vor Fomo hat die Mehrheit indes keine Angst. Von Zeit zu Zeit offline zu gehen, rät die Maturandin trotzdem.

Viel gelernt haben sie alle

«Endlich weiss ich, weshalb ich Code-Switching anwende», sagt Aida Paratusic. Die Rede ist vom Wechseln zwischen Schweizerdeutsch und bosnischer Sprache in ein und derselben Sprechsituation. 120 Jugendliche der zweiten Migrationsgeneration aus Bosnien in der Schweiz haben bei ihrer Umfrage mitgemacht. Die meisten geben an, die Sprache zu wechseln, wenn ihnen das Wort in der einen Sprache nicht einfalle oder unbekannt sei.

Edita Sadiku wiederum hat sich mit der Nato-Intervention im Kosovo 1999 befasst und der Frage, wie diese ohne Mandatierung durch die Uno möglich war. Schon früh sei sie durch ihre kosovarische Herkunft mit diesem Thema konfrontiert worden.

Die Maturandin Sonia Maddalon ist speziell gestylt (siehe Foto unten). Sie interessiert die Geschichte des Afro-Look, was sie exemplarisch auch in Liedtexten von Beyoncé analysiert. Bis zur «Black is beautiful»-Bewegung der 1960er-Jahre wurde natürliches, also ungeglättetes afrikanisches Haar, mit Ungepflegtheit assoziiert. Die «Südostschweiz» wird in loser Folge weitere ausgewählte Maturaarbeiten vorstellen.

Samstag, 16. Februar, 11.30 Uhr, Kantonsschule Glarus, Präsentation von prämierten Maturaarbeiten.

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