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Grenzüberschreitende Jagdziele klappen nicht

Grenzüberschreitende Jagdziele klappen nicht

Graubünden könnte seine Abschussziele für die Hirschjagd mit seinen Nachbarn, national und international, absprechen. Damit könnte die Sonderjagd wohl reduziert werden. Nur der Wille dazu ist nicht überall vorhanden, weil die Interessen zum Teil weit auseinander gehen. Dabei gäbe es Beispiele, wie eine grenzüberschreitende Abschussabsprache klappt.

Südostschweiz
vor 2 Jahren in
Aus dem Leben
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Wie soll es mit der Sonderjagd in Graubünden weitergehen?
YANIK BUERKLI/ARCHIV

Über wenig wird im Kanton Graubünden öfter, intensiver und oft unerbittlicher diskutiert und gestritten als über die Jagd. Dass der Graben zwischen Gegnern der Sonderjagd und Befürwortern tief ist, die Diskussion aber sehr wohl konstruktiv geführt werden kann, hat letzte Woche ein Facebook-Post von suedostschweiz.ch gezeigt. Einer der Streitpunkte: Gäbe es keine Alternative zur Sonderjagd, um die Hirschbestände zu kontrollieren?

Dabei zeigt einer der Posts ein zentrales Problem auf. Darin schreibt ein Kommentierender, die Hirsche würden erst spät in die Wintereinstände im Schanfigg wandern, daher könne man in der normalen Jagd die Ziele gar nicht erreichen. Dies wirft eine Frage auf, der das Regionaljournal von Radio SRF versucht hat nachzugehen. Nämlich, wo halten sich die Tiere wann auf und wo und wie werden sie gejagt? Und konkret auf die Jagd bezogen, müssten die zuständigen Behörden der Bündner Nachbarn nicht alle zusammen ihre Jagd koordinieren und ihre Abschussziele aufeinander abstimmen?

Ein schwieriges Unterfangen, wie der Beitrag des Regionaljournals zeigt. Denn die Interessen der Jäger und Jagdaufsicht in Graubünden, Italien, Österreich und selbst den umliegenden Kantonen gehen zum Teil weit auseinander. Es fehle schlicht der Wille, sich konkreter abzusprechen, sagt Hannes Jenny vom Bündner Amt für Jagd und Fischerei. Eines der Hauptprobleme sei demnach das unterschiedliche Jagdregime mit Patentjagd in Graubünden und Revierjagd etwa in Vorarlberg. Da gehe es um wirtschaftliche Interessen.

Absprache wäre möglich, wenn der Wille da ist

Dass man diese beiden Systeme aber durchaus kombinieren und einen gemeinsamen Weg finden kann, zeigt laut Regionaljournal das Beispiel von St. Gallen und der beiden Appenzell, die seit zwei Jahren ihre Abschussziele koordinieren, obwohl sie eben genau diese beiden unterschiedlichen Systeme pflegen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten habe man sich inzwischen gut eingespielt, sagt der Jagd- und Fischereiverwalter von Appenzell Innerrhoden, Ueli Nef. «Als wir die Zahlen der letzten Jahre gemeinsam angeschaut haben, stellten wir sogar fest, dass wir bis dahin nicht einmal annähernd im Bereich einer nachhaltigen Nutzung waren.»

Dabei ist es nicht so, dass Graubünden nicht mit seinen Nachbarn im Kontakt stünde und sich zum Beispiel über die Wanderweg von Hirschen austauschen würde, berichtet das Regionaljournal. Nur werde daraus dann eben auf der Handlungsebene nichts Konkretes abgeleitet. Am Ende sei sich jeder selbst der nächste und wolle einfach im Winter so wenig Hirsche wie möglich auf seinem Gebiet haben. Ob die Tiere dafür geschossen werden müssen oder in andere Regionen zum Überwintern abwandern, spiele da keine Rolle. (so)

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