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«Jagdschmuck muss so sein, wie die Frauen von heute»

Am Samstag, 1. September ist die Bündner Hochjagd losgegangen. Die traditionelle Patentjagd gehört bereits seit sehr vielen Jahren zur Kultur vom Kanton Graubünden dazu. Dabei wird nicht nur das Fleisch der Tiere verwertet, sondern noch Einiges mehr. Unter anderem wird auch Schmuck aus Wildtiermaterialien gemacht.

Bettina
Cadotsch
Montag, 03. September 2018, 05:07 Uhr Ein Goldschmied mit Tradition

Traditioneller Jagdschmuck ist meistens goldig und mit Grandeln – so nennt man im Fachchargon die Zähne von Hirschen - geschmückt. Frauen tragen es meist im Herbst oder an Jägeranlässen als Ohrring, Kette, Brosche oder Armbändel. Für Albert Riedi, Goldschmied aus Chur, ist dies nicht mehr zeitgemäss genug, wie er gegenüber Radio Südostschweiz sagt. «Die Frauen von heute sind moderne Frauen und deshalb kann man auch den Schmuck in neuen Formen und Farben gestalten». Die Kollektion von Riedi zielt darauf ab, auch jüngere Frauen anzusprechen. Dies, weil immer mehr junge Frauen die Jagdprüfung absolvieren und sich für die Natur interessieren würden, so Riedi. In seiner Kollektion hat Riedi verschiedene Exemplare aus Hirschgeweih und Gämshörner. Manchmal stanzt er sie aus und manchmal macht er auch Abdrücke von Rehrosen. Rehrosen sind der unterste Abschnitt eines Rehgeweihs.

Schmuck für Jägerinnen, Jäger und Naturverbundene.

Man muss nicht Jäger sein

Riedi selbst ist weder Jäger, noch Fischer. Trotzdem interessiert er sich für die Bündner Kultur, zu der auch die Jagd gehöre. «Ich habe auch viele Freunde, die auf die Jagd gehen und bekomme dadurch sehr viel mit». Seiner Inspiration tragen meistens auch die Kunden bei. «Oft kommen die Jäger und Jägerinnen mit ihren Trophäen und haben bereits Vorstellungen und Anliegen, was sie gerne hätten», sagt Riedi. Dadurch, dass die Jäger ihre persönlichen Trophäen bringen, sei die Frage nach dem Wert auch einfach zu beantworten. Schmuck aus Wildtiermaterial habe vor allem einen emotionalen Wert. «Hinter jeder Trophäe steckt ein Erlebnis, welches beim Jäger viele Emotionen auslöst. Bis das Horn bei mir auf dem Tisch ist, ist die Geschichte schon sehr lang», so Riedi. Vergolden, könne man es dann immer noch, wertvoll sei es aber auch schon so.

Nicht für alle, aber doch

Riedi ist sich bewusst, dass die Wildkollektion nicht die grosse Masse anspricht. Bei Jägerinnen, Frauen von Jägern und Naturinteressierten sei es aber trotzdem gefragt. Ausserdem gebe es auch für die Männer verschiedene Ansteckknöpfe. Auch wenn er mit dieser Kollektion nur eine Nische abdeckt, Freude an der Verarbeitung habe er grosse. «Mir gefällt vor allem, dass ich aus etwas Traditionellem, etwas Modernes schaffe». Dabei liegt ihm auch das Handwerk sehr am Herzen. Die Handarbeit sei bei Schmuck aus Wildtiermaterialien aber sehr aufwändig, weil jedes Horn und jedes Geweih anders sei. Es mache es aber auch spannend, so Riedi.

Albert Riedi sieht in der Jagd viel Tradition.

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