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Fliegen für die Forschung

Ursina
Straub
03.08.18 - 04:30 Uhr
Leben & Freizeit
Kommentar
SYMBOLBILD DAVID JENNY

Weltweit fangen Biologen Wildtiere ein, befestigen Peilsender auf ihrem Rücken und lassen die Tiere wieder frei. Diese Sender haben Miniaturgrösse. Die Tiere tragen sie wie winzige Rucksäcke. Laufend registrieren die solarbetriebenen Fahrtenschreiber die GPS-Position der Wildtiere und übermitteln sie via Satellit oder Handynetz an eine Datenbank. Forscher erhalten so präzise Informationen darüber, wo die besenderten Tiere sind. Sie sehen etwa, wohin Vögel ziehen. Oder wann sie ihr Brutgebiet verlassen.

Seit rund einem Jahr tragen auch zwei junge Bündner Steinadler einen solchen Peilsender. Die beiden Jungspunde können damit mehrmals täglich geortet werden. Ihre Flugbahn lässt sich dadurch präzise nachzeichnen. Und wer will, kann die Routen der Jungadler mit der App Animal Tracker praktisch in Echtzeit verfolgen und den Forschern auch Beobachtungen vor Ort melden.

Da könnte man skeptisch werden. Nachwuchsadler mit Minisendern auf dem Buckel, was bringt das? Zum einen Grundlagen: Die Forscher wissen jetzt etwa, dass das unerfahrene Adlerweibchen an einem Tag bis zu 200 Kilometer zurücklegte. Sie wissen, wo die Adler Tierkadaver fressen – die Jungtiere können nämlich noch nicht jagen. Denn obschon in Graubünden praktisch jedes Steinadlerrevier besetzt ist, ist noch wenig erforscht, wie sich die Teenagervögel verhalten, wenn sie auf sich allein gestellt sind.

Mit den Peildaten schlüsseln die Forscher zudem die Wanderbewegungen der Wildtiere auf. Das kann hilfreich sein, um bedrohte Tierarten zu retten. Und schliesslich will man damit die Auswirkungen der Klimaerwärmung besser verstehen. Die klitzekleinen Sender, welche die Wildtiere transportieren, können also dazu beitragen, grosse Probleme der Menschheit zu lösen. Und das ist nicht nichts.

Ursina Straub schreibt als Redaktorin der «Südostschweiz» für den Regionalteil der Zeitung und für Online. Ihre Themenschwerpunkte sind Landwirtschaft, Alp, Jagd, Grossraubtiere, Natur; zudem berichtet sie regelmässig aus dem Grossen Rat. Die gelernte Journalistin, diplomierte Landwirtin und Korrektorin EFA ist auch Leiterin Qualität. Mehr Infos

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