Gemeinde in der Zwickmühle
Die Haldensteiner wollen nicht, dass der Zufahrtsweg zur neuen Pardislabrücke geteert wird. Nur wurde die Brücke mit Geldern aus dem Agglomerationsprogramm finanziert. Und das schreibt eine Asphaltierung vor.
Die Haldensteiner wollen nicht, dass der Zufahrtsweg zur neuen Pardislabrücke geteert wird. Nur wurde die Brücke mit Geldern aus dem Agglomerationsprogramm finanziert. Und das schreibt eine Asphaltierung vor.
Ein Ziel des Agglomerationsprogramms der zweiten Generation ist es, den Langsamverkehr zu fördern. Dafür sprechen Bund und Kanton Gelder. So auch für die neue Velo- und Fussgängerbrücke Pardisla zwischen Haldenstein und Chur. 40 Prozent der Gesamtkosten hat der Bund übernommen, 65 Prozent der Restkosten trägt der Kanton, nämlich maximal 740 000 Franken.
Jetzt steht die Brücke über den Rhein (Ausgabe vom 6. November). Nur: Der Zufahrtsweg fehlt. Auf Haldensteiner Seite führt ein holpriger Feldweg bis zur Brücke.
Damit der Veloweg alltagstauglich ist, schreibt der Kanton einen Asphaltbelag vor. Von den budgetierten 250 000 Franken hätte Haldenstein 94 000 Franken für die Brücken- erschliessung übernehmen müssen. Doch den Bruttokredit für die Erschliessung der Pardislabrücke hat die Gemeindeversammlung Haldenstein am vergangenen Freitagabend nach einer emotionalen Diskussion mit 37:20 Stimmen abgelehnt.
Keine andere Möglichkeit
Das bringt den Gemeindevorstand in die Zwickmühle: Denn wenn der Veloweg nicht asphaltiert wird, drohen Kürzungen der Bundes- und Kantonsgelder. Der Gemeindevorstand muss deshalb jetzt abklären, wie hoch diese Kürzungen wären.
«Nach meinem Verständnis haben wir keine andere Möglichkeit, als den Veloweg zu asphaltieren», sagt die Haldensteiner Gemeindepräsidentin Gerda Wissmeier-Gasser. «Denn das schreibt das Agglomerationsprogramm vor.»
Das bestätigt Peter Stirnimann von der kantonalen Fachstelle Langsamverkehr: «Wir haben frühzeitig darauf hingewiesen, dass mit dem Agglomerationsprogramm nur Alltagsverbindungen subventioniert werden. Und alltagstauglich bedeutet bei einem Veloweg: asphaltiert.»
Gesuch wird neu beurteilt
Es gehe beim Agglomerationsprogramm ja eben genau darum, dass man Verkehrswege schaffe, die bei jedem Wetter mit dem Velo befahrbar seien, erläutert Stirnimann. «Nicht dass man bei Schlechtwetter wieder aufs Auto umsteigt, weil man befürchten muss, dreckbespritzt im Büro anzukommen.»
Wenn der Asphaltbelag fehle, müsse das Gesuch neu beurteilt werden. «Das hat voraussichtlich einen deutlich tieferen Beitrag zur Folge.»
Kürzung betrifft auch Chur
Dazu kommt: Das Gesuch um Agglomerationsbeiträge haben die Gemeinden Chur und Haldenstein gemeinsam eingereicht. «Eine allfällige Kürzung dieser Gelder würde auch Chur treffen», erklärt Stirnimann.
«Falls es zu Kürzungen der Gelder kommt», meint der zuständige Churer Stadtrat Tom Leibundgut, «vertreten wir den Standpunkt, dass die Gemeinde Chur ihren Teil der Vorgaben erfüllt hat – und Haldenstein offenbar nicht.» Haldenstein müsse sich deshalb gut überlegen, was mehr kosten würde: den Zufahrtsweg zur Pardislabrücke noch zu asphaltieren oder die Kürzungen in Kauf zu nehmen.
Vielleicht anderer Belag
Leibundgut, der dem Departement Bau Planung Umwelt vorsteht, ist aber zuversichtlich, dass man eine Lösung findet. Er bringe ein gewisses Verständnis dafür auf, dass die Gemeinde Haldenstein den Feldweg am Rheinufer nicht unbedingt asphaltieren möchte. «Aber vielleicht gibt es ja einen anderen verdichteten Belag, der denselben Zweck wie Asphalt erfüllt und auch für die Schneeräumung tauglich ist.» Auch das müsse man mit dem Kanton diskutieren.
Erschliessungskredit fehlte
Doch weshalb mussten die Halden-steiner am vergangenen Freitag überhaupt über den Erschliessungskredit abstimmen, wenn doch die Gemeindeversammlung vor zwei Jahren mit 70:35 Stimmen dem Bau der Brücke zustimmte? Weil in der damaligen Botschaft der Gemeinde der Kredit für die Erschliessung fehlte.
Auf die Frage einer stimmberechtigten Person, ob auch die Zufahrt angepasst werden müsste, antwortete der damalige Gemeindepräsident gemäss Protokoll der Gemeindeversammlung vom 27. November 2015: Es müssten nur Flickarbeiten gemacht werden. Auflagen des Bundes im Zusammenhang mit der Zufahrt zur Brücke gebe es keine.
Man müsse jetzt noch einmal über die Bücher, sagt die jetzige Gemeindepräsidentin Wissmeier-Gasser. Die Gemeinde stehe im Gespräch mit dem Kanton. Erste Ergebnisse erwartet sie frühestens im Januar.
Ursina Straub schreibt als Redaktorin der «Südostschweiz» für den Regionalteil der Zeitung und für Online. Ihre Themenschwerpunkte sind Landwirtschaft, Alp, Jagd, Grossraubtiere, Natur; zudem berichtet sie regelmässig aus dem Grossen Rat. Die gelernte Journalistin, diplomierte Landwirtin und Korrektorin EFA ist auch Leiterin Qualität. Mehr Infos
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