† Maria Müller-Iten
Morgarten Gross war die Freude, als am 4. Januar 1933 an der Seestrasse in Oberägeri nach drei Brüdern, Hans, Josef und Albert, unsere Mutter geboren wurde.
Morgarten Gross war die Freude, als am 4. Januar 1933 an der Seestrasse in Oberägeri nach drei Brüdern, Hans, Josef und Albert, unsere Mutter geboren wurde.
Ihre Mutter Maria Iten-Henggeler war Weissnäherin, und der Vater Johann war Ofenbauer und Steinhauer.
Marieli, wie sie von ihren Brüdern liebevoll genannt wurde, erlebte in Oberägeri eine schöne Jugendzeit. Die obligatorische Schule besuchte sie ebenfalls in Oberägeri. Im nahen See, den sie später vermisste, ging sie als Kind viel schwimmen. Ihrem Vater schaute sie immer gerne bei der Arbeit zu. Ja, der Vater war für sie ein grosser Künstler. Er machte nicht nur Grabsteine. Seine bekanntesten Werke sind sicher der Taufstein in der Kirche in Zürich Oerlikon oder die Muttergottes-Statue auf der Mittelfassade des Klosters Einsiedeln zwischen den beiden Glockentürmen.
Schon früh half sie der Mutter für ihre Brüder die Socken flicken. Sie lernte stricken. Das Nähen, Stricken und Kunststricken wurden zu ihren Lieblingsbeschäftigungen für ihr ganzes Leben. Mutter arbeitete dann auf verschiedenen Haushaltstellen und als Ladenmädchen in Bäckereien in Oberägeri, Sins und Fislisbach.
Der plötzliche Tod ihres lieben Vaters im Herbst 1952 war für Mutter und für die ganze Familie ein sehr schwerer Schlag. Ihr Vater arbeitete an der Fassade an der Klosterkirche in Einsiedeln. Auf dem Weg zur Arbeit streifte er mit seinem Kleinmotorrad in Sattel einen Militärjeep. Er kam zu Fall, was seinen sofortigen Tod zur Folge hatte.
Vater und Mutter begegneten sich ein erstes Mal im Laden der Bäckerei Löwen in Oberägeri. Obwohl sie einander nicht kannten, konnten sich beide immer an diese erste Begegnung erinnern. Erst Jahre später, an einem Fasnachtsdienstag, haben sie zum ersten Mal miteinander getanzt. So lernten sie sich näher kennen und heirateten am 12. Mai 1958.Das neue Leben auf dem Bauernhof war nicht einfach und die Arbeit zum Teil ungewohnt. Auch die Schwiegereltern waren noch da. Im Stall arbeitete die Mutter nie. Sie hatte immer etwas Angst vor den Kühen.
Sie hatte aber grosse Freude am Garten, an den vielen Blumen am Haus, war immer dabei im Heuet im Sommer und im Herbst beim Obstnet. Liebevoll betreute sie Hund und Katzen, Hühner und Hasen.
Auch die Familie wurde immer grösser. 1959 kam Franz-Sepp auf die Welt, 1960 Claudia, 1962 Gabriela, 1964 Albert, 1967 Maria-Louise und 1969 Ludwig. Die erste vollautomatische Waschmaschine brachte für sie eine grosse Erleichterung, und Mutter sagte oft, die Erfindung der Waschmaschine sei für sie die grösste Erfindung der Weltgeschichte.
1971 machte die Mutter die Autoprüfung. Das war eine grosse Erleichterung für sie zum Posten. So konnte sie werktags auch öfters zur heiligen Messe in Hauptsee oder im Dorf. Die Sonntagsmesse versäumte sie nie, und das Weihwassergeschirr im Haus war nie trocken. Mit ihrer einzigen Cousine, s’Marilie im Wallis, in Lax, war Mutter eng verbunden. Darum gehörten ein paar Tage Ferien im Wallis zu ihrem Leben. Später unternahmen Mutter und Vater viele Reisen und Pilgerreisen und kamen so von Fatima über Israel bis nach Sibirien. Ein sehr schönes Erlebnis war für Mutter alle drei Jahre die Müller-Reise. Das fröhliche und gemütliche Beisammensein mit ihren Schwägerinnen und Schwägern, ein paar Tage ausspannen, nichts tun und sich bedienen lassen. Das gefiel der Mutter sehr. Die Mutter ging gerne fort, und sie kam immer wieder gerne heim.
Die Kinder sind alle gross geworden. Sie hatte mit ihnen viel Freude erlebt. Fast alle sind ausgeflogen und leben weit verstreut. Doch es hat wieder neues Leben gegeben. Mutter hat zwölf liebe Grosskinder. Vier davon leben im gleichen Haus. Da hatte die Mutter alle Tage Besuch, und ihre Stube wurde oft zum Spielzimmer. Im Juni vor zwei Jahren ist Mutter gestürzt. Dadurch wurde sie etwas gehbehindert. Ein paar Monate später bekam Mutter Herzbeschwerden. Diese sollten operiert werden, es wäre aber eine sehr schwierige Operation gewesen. Mutter hatte grosse Bedenken, und darum verzichtete sie darauf.
Vor dem Sterben hatte Mutter nie Angst. Das Eingebettetsein in eine Familie, das Wissen, dass die Schwiegertochter Lisa alles macht, gab Mutter eine grosse Beruhigung.
In den letzten Wochen ist Mutter immer schwächer geworden, was dann am 17. November eine Einlieferung ins Spital zur Folge hatte.
Die letzten Tage konnten wir Mueti im Spital begleiten. Sie war nie allein. Pater Albert spendete ihr die Krankensalbung. Es war ein schmerzliches, aber schönes Abschiednehmen, und so ging die Mutter ruhig über in ihr neues Leben.
Mutter lebte bescheiden und zurückgezogen. Sie war immer da für ihre Familie, was uns Kindern Vertrauen in den Glauben und ins Leben gab. Wir sind ihr sehr dankbar dafür.
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