† Elsy Ruckstuhl-?Zimmermann
Immensee Unser Mami kam am 21. Oktober 1928 im luzernischen Dorf in Greppen zur Welt. Sie verbrachte eine unbekümmerte Kindheit mit ihrer Schwester und ihren zwei Brüdern, (wovon ein Bruder leider sehr früh verstarb).
Immensee Unser Mami kam am 21. Oktober 1928 im luzernischen Dorf in Greppen zur Welt. Sie verbrachte eine unbekümmerte Kindheit mit ihrer Schwester und ihren zwei Brüdern, (wovon ein Bruder leider sehr früh verstarb).
Ihre Leidenschaft fürs Wirten wurde ihr in die Wiege gelegt, führten ihre Eltern «s Rigis» in Greppen. Lange hielt Mami es im Internat, in der Westschweiz, nicht aus; sie freute sich auf die Anstellung im Hotel Bellevue, Kaltbad, bei der Familie Dahinden.
So sammelte sie Erfahrungen in verschiedenen Hotels, in Arosa, Bern, Luzern, und besuchte die Handelsschule. Später fuhr sie für Sprachaufenthalte nach Brighton GB, wo man Mamis Tüchtigkeit (auch als Näherin) schätzte. Papi war von der Fröhlichkeit von Elsy angetan, und sie merkten, dass sie füreinander geschaffen waren. Im Februar 1951 heirateten die Verliebten, und unser Mami siedelte vom traditionellen «Rigi» in Greppen ins geschichtsträchtige «Rigi» nach Immensee über. Ihre Leidenschaft für die Gastronomie konnte sie fortan richtig ausleben.
Der Einsatz von Mami und Papi war von Anfang an durch ihren Fleiss von Erfolg gekrönt. Unsere Eltern waren ein eingespieltes Team und verstanden sich ohne grosse Worte. Papis kreatives Talent in der Küche und Mamis inspirierender Geschäftssinn ergänzten sich. Sie servierten den Gästen Menüs für Fr. 5.60 (inkl. Suppe, Hauptgang, Salat und Dessert) oder Spargeln mit Rohschinken für Fr. 3.20. Gemeinsam waren sie stark, hielten jedem Sturm stand und blickten immer vorwärts. Elangeladen verschönerte unser Mami das Interieur des Hotels, nähte Vorhänge, neue Tischwäsche oder zauberte Tischgestecke für die Hochzeiten und organisierte den ganzen Geschäftsablauf. Die Anfangszeiten waren sehr hart, es fehlten die Gäste. Mit viel Liebe und Arbeitseinsatz vergrösserten unsere Eltern die Restauration, passten sich den neuen Anforderungen an. Wir hatten das ganze Jahr geöffnet und veranstalteten Bälle (Rothusball), Festivitäten, Hochzeiten und Vereinsanlässe. Die internationale Gäste-Frequenz stieg mit jedem Jahr. Die Sommerzeit war dazumal konstant länger und wärmer, und wir konnten selbstgemachtes Eis unseren Gästen im «Strandbad» verkaufen. Viele Lehrlinge, welche von unsern Eltern als Köche, Hotelfachfrau und im Servicefach ausgebildet wurden, kehrten gerne zurück und erzählten stolz von ihren beruflichen Erfolgen, als Führungskräfte in internationalen Hotelkonzernen. Die pure Lebensfreude der täglichen Herausforderung konnte man spüren, und Mami und Papi lebten und pflegten die alte traditionelle Gastlichkeit. Mamis Ideenreichtum verwirklichte sie konsequent und nachhaltig. Eigenhändig verschönerte sie den grossen Garten, grub mediterrane Pflanzen ein, und so fühlten sich die Gäste im idyllischen Garten am Zugersee, mit den vielen Palmen und Bananenbäumen (40), wie im sonnigen Süden. Ihre verantwortungsvolle Aufgabe als ideenreiche Chefin gab unserem Mami Zufriedenheit und bereitete ihr viel Freude. So ganz nebenbei, so kam es uns vor, kamen ihre vier Kinder zur Welt. Unser charmantes Mami steckte uns mit ihrem pflichtbewussten Arbeitseinsatz an, und wir hatten es besonders lustig, wenn sie in unserer Jugendzeit unser Zimmer vermietete und wir bei den Eltern schlafen durften. Sie munterten uns auf und versprachen uns nach der strengen Saison eine Bergfahrt. Unsere Eltern erfreuten sich unserer Hilfsbereitschaft; und so trafen wir uns immer wieder zu Hause, im Zentrum, zu verschiedenen Anlässen eingeteilt als helfende Hand. Selbstverständlich halfen auch später die Schwiegersöhne und Omis/Opis und Enkel mit.
Mami war glücklich über ihr abwechslungsreiches Leben, über die Grosszügigkeit der Arbeitseinteilung und den hohen Stellenwert, welcher ihr Papi zugestand; er verwöhnte sie gerne. Als Geschäftsehepaar lebten sie den Geist der traditionellen Hotellerie voll aus. Wiederkehrende Gäste erzählten oft von der Dienstleistungsqualität unserer Eltern und der herzlichen familiären Atmosphäre. Die innere Verbundenheit mit uns und ihren acht Enkelkindern pflegte sie mit offenem Herzen. Gar so mancher Kummer wurde besänftigt, und Mami meinte: «Arbeit, Kinder, die hilft über alles hinweg.» Die Arbeit nahm oft ein überbordendes Ausmass an, erschöpft stiessen wir alle an unsere Grenzen. Mami war sich der tatkräftigen Unterstützung der vielen langjährigen Angestellten bewusst und schätzte sich glücklich, sich auf ihren Arbeitseinsatz und ihre Treue verlassen zu können, sie war ihnen oft Freundin. Es war vieles nicht so, wie sie sich es wünschte, und so quälte sie sich mit Gedanken an Versäumtes und Verschuldetes. Ihre Ausflüge ins Tessin halfen Mami und Papi über das «Unabänderbare» hinweg, sie genossen ihren Lebensabend, die gemeinsame Zeit und freuten sich immer wieder auf ihre Gäste. Mami war dankbar für ihr aussergewöhnliches Leben und dachte sich, so geht es immer weiter … weiter! Sie schonte sich nie, verschiedene Operationen schwächten ihren Tatendrang. Mamis Kräfte schwanden zusehend, und so fuhren wir wieder öfters heim, um unsere betagten Eltern zu unterstützen. Sie schätzten uns sehr und waren so dankbar für unsere Hilfe. Dein letztes «Cupli», Mami, in Anwesenheit deiner vier Kinder, zeigte uns, dass die positive Lebenseinstellung dir die unermessliche Kraft gab, immer vorwärts zu schauen. Liebstes Mami, du fehlst den Gästen als Seele vom «Rigi», du fehlst uns als familiärer Zusammenhalt, wir verneigen uns in Demut, wir vermissen dich jeden Tag, nichts ist mehr so, wie es war.
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