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«Denn Wichlen ist der modernste Panzerschiessplatz»

Die SP will sie abschaffen, der Bundesrat will sie verkleinern: Die Zukunft der Armee sieht nicht rosig aus. Eine Milliarde will der Bund einsparen. Zur Diskussion stehen nun auch Waffenplätze. Auch Wichlen?

Südostschweiz
30.11.10 - 01:00 Uhr

Von Maya Rhyner

Glarus. – «Ich kann mir nicht vorstellen, dass Wichlen geschlossen wird», sagt Mathias Vögeli, Hauptabteilungsleiter Militär und Zivilschutz beim Kanton. Die Armee habe immer wieder in die Anlagen zuhinterst in Elm investiert, bis anhin nahezu 60 Millionen Franken. «Wichlen ist heute – auch wenn er in einer Randregion steht – der modernste Panzerschiessplatz in Europa», hält er fest.Und er sei das Pendant zu Hinterrhein – dem zweiten modernen Panzerschiessplatz. «Hinterrhein und Wichlen müssen als Einheit betrachtet werden», so Vögeli. Denn die beiden Ausbildungsplätze ergänzten sich.Neun Ausbildungsplätze für Schiessübungen und noch mehrere Waffenplätze betreibt die Armee heute. Doch es müssten solche über die Klinge springen, wenn bei der Armee langfristig Geld gespart werden soll. Dies verkündete Verteidigungsminister Ueli Maurer jüngst an einer Pressekonferenz, um die Sparvorgaben des Bundes einzuhalten. Auf Randregionen könne dabei keine Rücksicht genommen werden.Entschieden sei aber noch gar nichts, betont Mathias Vögeli. «Es stehen auch noch andere Massnahmen zur Diskussion. Fast jeden Tag hört oder liest man neue Schlagzeilen. Das macht eine Prognose schwierig.»

«Es kommt auf die Ausrichtung an»

Denn abzuwarten bleibe, wie sich die Armee künftig ausrichte. Die Sicherheitspolitische Kommission des Ständerates habe vor kurzem beim Verteidigungsminister in Auftrag gegeben, Varianten für Armeebestände vorzulegen. Eine gewisse Unsicherheit sei bei diesen unklaren Aussichten da, und wenn der Kuchen effektiv kleiner werde, müsse wohl auch Glarus ein Stück abgeben – «wie gross, ist vorläufig offen», so Vögeli. Aber solange es schwere Waffen brauche – und diese seien zwingend, um den Hauptauftrag der Armee zu erfüllen -, «wird auch der bestausgebaute Panzerschiessplatz benötigt», sagt er. Und davon seien letztlich auch die Truppenlager in Elm und Matt abhängig. Für Vögeli ist klar, dass es eine Armee braucht. «Auch, damit wir ein vertrauenswürdiger Partner bleiben für das Ausland.»

«Viel Wertschöpfung im Sernftal»

Auch Stefan Elmer von der Kontaktstelle für Wirtschaft beim Kanton verfolgt die Diskussionen. Denn das Militär sei nach wie vor ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Glarus. «Durch die Belegung – allen voran des Waffenplatzes Wichlen – fällt besonders im Sernftal viel Wertschöpfung an: Es sind Arbeitsplätze für den Unterhalt der Infrastruktur da, in den Läden werden Lebensmittel für die Truppen gekauft, auch die Gastronomie profitiert.» Die Armee habe zudem einen wichtigen indirekten Nutzen für die Glarner Wirtschaft – Firmen fungierten als Lieferanten, so produziert etwa die Stöckli Metall AG in Netstal Gamellen. Wie gross der Anteil des Militärs an der heutigen Glarner Wirtschaftsleistung effektiv noch sei, dazu gebe es keine Zahlen, so Elmer. Eine Schätzung sei schwierig.

Touristische Nutzung schon jetzt

Ideen einer Umnutzung des Waffenplatzes Wichlen – sollte er einst doch nicht mehr gebraucht werden – stünden nicht zur Diskussion, winkt Elmer ab. «Der Waffenplatz wird sicherlich weiterhin von der Armee benötigt», sagt er mit Nachdruck. Und: «Der Waffenplatz wird übrigens in der belegungsfreien Zeit bereits touristisch und wirtschaftlich genutzt – etwa durch Winterfahrsicherheitstrainings oder den früher durchgeführten Panixerpasslauf», sagt er. Und die Truppenlager Matt und Elm dienten schon heute als wichtige Gruppenunterkünfte für Schul- und Sportlager.Ungewisse Zukunft: Wohin die Spuren des Militärs führen – im Bild Wichlen -, steht noch in den Sternen. Bild Fridolin Rast

Glarus. – «Von gut 50 bis 60 Armeearbeitsplätzen im Kanton vor ein paar Jahren sind heute vielleicht knapp 20 geblieben», sagt Mathias Vögeli von der Hauptabteilung Militär und Zivilschutz. Dies verteilt auf Wichlen, Zeughaus Glarus, Basisapotheke Riedern und Schiessplatz Walenberg in Mollis. Der Schiessplatz Wichlen sei in den letzten fünf Jahren im Durchschnitt 39 Wochen im Jahr belegt gewesen. Zum massiven Abbau bei den Militärbetrieben habe das neue Stationierungskonzept, das auf den 1. Januar 2007 in Kraft trat, massgebend beigetragen. Von 52 Zeughäusern und Armeemotorfahrzeugparks blieben nur fünf Logistikzentren übrig. «Eine schweizweite Kündigung der Zeughausverträge war die Folge. Die kantonalen Truppen wurden abgeschafft, welche unser Zeughaus betreute. Seit dann arbeiten wir auf der Basis von Leistungsverträgen mit der Logistikbasis der Armee.» (mr)

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