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Zweifelhafte Ehre für Gazprom

Der Textilkonzern GAP und die Energiefirma Gazprom erhielten im Rahmen des WEF den Schmähpreis Public Eye Award. Auf Platz zwei landet eine Schweizer Firma.

Südostschweiz
Freitag, 24. Januar 2014, 01:00 Uhr

Zwei Weltkonzerne sind am WEF in Davos mit einem Preis geehrt worden, den kein Unternehmen möchte. Die Public Eye Award-Jury erkor den US-Textilkonzern Gap zum Sieger, weil er sich gegen Arbeitsmarktreformen in Bangladesch sträubt. Der Publikumspreis ging an die russische Energiefirma Gazprom.

Gazprom war von der russischen Greenpeace-Sektion nominiert worden. Da diese keinen Vertreter in die Schweiz entsenden konnte, richtete sich der Aktivist Wladimir Tschuprow per Videobotschaft an die Journalisten in Davos. «Gazprom ist eine der dreckigsten Ölfirmen der Welt», sagte er. Tausende Quadratkilometer russischer Natur seien wegen der Bohrungen mit Erdöl verschmutzt. Wegen seiner Verbindung zur Regierung müsse der Konzern aber nicht die Verantwortung tragen für seine Umweltverbrechen.

Tschuprow sagte, dass Gazprom das erste Unternehmen weltweit sei, das mit Erdölbohrungen im arktischen Meeresboden begonnen habe. «Wegen Gazprom wächst in diesem Moment die Gefahr einer Ölkatastrophe in der fragilen Natur der Arktis», so Tschuprow. Er forderte den grössten Konzern Russlands dazu auf, alternative Formen der Energiegewinnung zu finden und zu nutzen. Mehr als 300 000 Menschen hatten an der Online-Abstimmung für den Publikumspreis teilgenommen, deutlich mehr als in den vergangenen Jahren. Fast jede dritte Stimme ging an Gazprom.

Spitzenplätze errangen auch die Schweizer «Bewerber» um den Publikumspreis: Auf Platz zwei wurde der Basler Chemiekonzern Syngenta gewählt, den dritten Rang belegte die Weltfussballorganisation FIFA. Der kürzlich fusionierte Rohstoffhandelsmulti Glencore/Xstrata mit Hauptsitz in Zug landete auf dem fünften Platz.

«Bienenmörder» auf Platz 2

Die Preisverleiher Greenpeace und die Erklärung von Bern (EvB) brandmarken Syngenta ebenso wie die deutschen Unternehmen Bayer und BASF als «Bienenmörder».

In ihren Plädoyers prangerten sie den weltweiten Verkauf von Pestiziden an, deren Einsatz 2013 von der EU verboten wurde. Der FIFA unter der Führung des Wallisers Joseph Blatter, attestierten die Preisverleiher eine sozial unverträgliche Organisation der Weltmeisterschaften 2014 in Brasilien.

Die Jury verlieh ihren Preis an Gap. Das US-Textilunternehmen weigere sich bis heute, trotz eines tragischen Industrieunglücks in Bangladesch mit über 1100 Toten im vergangenen Mai, das Abkommen «Accord on Fire and Building Safety in Bangladesh» zu unterzeichnen, sagte die Bangladescher Arbeiteraktivistin Kalpona Akter.

«Es ist traurig , dass wir 2014 immer noch über das Recht von Fabrikarbeitenden verhandeln müssen, ob sie gefährliche Arbeiten ablehnen dürfen», so Akter. Der Konzern spreche das Thema in seiner Öffentlichkeitsarbeit nicht an und untergrabe damit die Bemühungen für wirksame Reformen in der Textilindustrie. (sda)

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