Zuger Planspiele nach Beendigung des NHL-Lockouts
Im EV Zug ist mit dem NHL-Lockout die Zeit des Verstärkungstrios aus Nordamerika zu Ende gegangen. Das Team von Doug Shedden gibt sich für die «Zeit danach» gerüstet. Die Play-off-Qualifikation scheint nicht in Gefahr.
Im EV Zug ist mit dem NHL-Lockout die Zeit des Verstärkungstrios aus Nordamerika zu Ende gegangen. Das Team von Doug Shedden gibt sich für die «Zeit danach» gerüstet. Die Play-off-Qualifikation scheint nicht in Gefahr.
Von Stefan Baumgartner
Eishockey. – Die Situation kennt jeder Hobbysportler. Wer das eigene Niveau anheben will, muss sich über eine gewisse Zeitdauer mit Besseren messen. Die Phase der Bestätigung erfolgt dann, wenn die Vergleichsmöglichkeit, etwa nach einem Wechsel, nicht mehr vorhanden ist. Genau so präsentiert sich nach dem Abgang von Henrik Zetterberg, Damien Brunner und Rafael Diaz die Lage des EV Zug. «Wir konnten alle profitieren und besser werden. Auf diesen Fakten müssen wir nun aufbauen», fordert Verteidiger Timo Helbling.
Am Tag, an dem sich das NHL-Trio nach dem letzten Eis- (Brunner, Diaz) respektive dem letzten Krafttraining (Zetterberg) mit einem Pizza-Essen verabschiedet hat, laufen die Verarbeitung der gemeinsamen Erlebnisse und die Planung des weiteren Saisonverlaufs auf Hochtouren. «Ohne sie hat die Mannschaft natürlich eine andere Dynamik. Wir werden nicht mehr das offensive Spektakel-Team sein», vermutet Helbling, «sondern eher defensiver und auf einem soliden Fundament stehen. Es wird eher so laufen wie in der Vorbereitung, als wir die Spiele 2:1 oder 3:2 gewannen. Und nicht 7:4 oder 7:6.»
Massiver Aderlass
Mit dem Lockout-Ende verlor der EVZ den Topskorer der Liga (Brunner), den besten Verteidiger (Diaz) und mit Zetterberg den vielleicht komplettesten Ausländer, der in der Neuzeit jemals auf NLA-Eis stand. Soviel an Substanz also wie kein anderer der zwölf Vereine. Einfach zu kompensieren ist dieser Verlust nicht. Mit 118 Skorerpunkten haben die drei Verstärkungen ihren temporären Arbeitgeber und die «Fremdfinanzierer» bestens entschädigt und unterhalten.
Viel wichtiger ist aber die Tatsache, dass Zug dadurch einer mehr oder weniger problemlosen Play-off-Qualifikation entgegensteuert. Die Marge der viertklassierten Zuger auf Rang 9 beträgt bei zwei Partien weniger derzeit zwölf Punkte. «Wir brauchen es nicht zu leugnen: Mit Zetterberg lief es besser, das Team machte einen grossen Leistungssprung», sagt Helbling rückblickend. «Wir haben zweifellos das Optimum aus dem Lockout herausgeholt.»
Der Solothurner Verteidiger, der den EVZ am Ende der Saison Richtung Freiburg verlassen wird, sieht die neue Ausgangslage für viele Spieler als Chance – und als Gefahr zugleich. «Sie erhalten wieder mehr Eiszeit und können sich beweisen. Entsprechend motiviert sind sie. Gleichzeitig dauert es vielleicht einen Moment, bis diese Spieler wieder im Rhythmus sind.» Im Training werde die Intensität jedenfalls nicht nachlassen, nur weil Zetterberg und Co. nicht mehr in Zug sind.
Kader zu wenig breit
Dafür wird Doug Shedden ohne Zweifel sorgen. Der Trainer, der mit dem EVZ zum fünften Mal in Folge in die Halbfinals vorstossen soll, ist nun mehr denn je gefordert. Sogleich nahm er seine Akteure in die Pflicht. «Wir brauchen Jungs, die jetzt aufstehen und am Karren ziehen», forderte der Kanadier in der «Neuen Luzerner Zeitung» von jenen, deren Leistungen bislang eher überschaubar waren. «Wir haben alle noch Luft nach oben», fand Helbling.
Zum grössten Problem für den EVZ könnte werden, dass das Kader nicht derart breit besetzt ist. Mit Diaz, Brunner und Zetterberg wurden die langfristigen Ausfälle von Yannick Blaser und Björn Christen selbstredend mehr als kompensiert. Nun, nach dem Abflug des Trios nach Nordamerika, stehen die Innerschweizer vor allem im Hinblick auf die Play-offs vor einer grossen Herausforderung.
Anfang Woche schrieb die «Neue Luzerner Zeitung», dass sich die sportliche Leitung bereits jetzt intensiv um ausländische Verstärkung bemüht. Am Mittwoch winkte Sportchef Jakub Horak im «Blick» (vorerst?) ab. Er wolle zuerst abwarten und schauen, wie das Team auf die Abgänge reagiert. «Wir verfallen nicht in Panik.» Richtig interessant wird es für die NLA-Manager ohnehin erst dann, wenn in der National Hockey League die Trainingscamps vorbei sind und die Kader reduziert werden. Das wird frühestens in gut zwei Wochen der Fall sein.
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