Zu Fuss auf den Spuren der Künstlerfamilie Giacometti
Im Rahmen des «Kunstfestivals 2012» im Bergell führte am Wochenende Marco Giacometti, der Präsident der «Amici del Centro Giacometti», von Borgonovo nach Stampa. Er liess dabei den Geist der Giacomettis lebendig werden.
Im Rahmen des «Kunstfestivals 2012» im Bergell führte am Wochenende Marco Giacometti, der Präsident der «Amici del Centro Giacometti», von Borgonovo nach Stampa. Er liess dabei den Geist der Giacomettis lebendig werden.
Von Marina U. Fuchs
Stampa. – Das von Bregaglia-Enga- din Tourismus organisierte Bergeller «Kunstfestival 2012» lockte auch in diesem Jahr mit zahlreichen interessanten Veranstaltungen. Eine davon war die geführte Wanderung entlang des vom Centro Giacometti geplanten Künstlerwegs in der Umgebung von Stampa. Der Geschäftsführer von Bregaglia-Engadin Tourismus, Michael Kirchner, begrüsste am Ostersamstag die zahlreichen Besucher – über 40 –, die trotz unsicherem Wetter und kaltem Wind der Einladung zum kostenlosen zweistündigen Rundgang in Deutsch und Italienisch gefolgt waren.
Aber das Wagnis lohnte sich rundum. Auch wenn es zwischendurch recht kühl wurde, vergingen die zwei Stunden fast wie im Flug, und die Besucher konnten bereichert und erfüllt von interessanten Informationen und Eindrücken den abschliessenden Apéritiv bei angeregten Gesprächen geniessen.
Tief im Tal verwurzelt
Treffpunkt für die Wanderung war das Dorfzentrum von Borgonovo. Marco Giacometti, Präsident der «Amici del Centro Giacometti», betonte zum Auftakt, dass weder er, noch der junge Simone Fasciati, der für die deutsche Übersetzung zuständig war, Kunsthistoriker seien. Ziel des österlichen Rundgangs im Rahmen des geplanten Centro Giacometti, das 2016 eröffnet werden soll, sei es, die Verwurzelung der Künstler der Familie Giacometti im Tal zu zeigen. Das Centro Giacometti will die Persönlichkeiten der Familie würdigen, Erinnerungen bewahren, weitergeben und die vertiefte Auseinandersetzung fördern, Kunst und Kultur mit Landschaft und Natur verbinden und die Chance für eine nachhaltige Entwicklung der Heimat der Giacomettis bieten.
Das «wie», also die konkrete Umsetzung und Ausgestaltung des Künstlerwegs, ist noch offen. Es ging bei der Wanderung vielmehr darum, die grundsätzliche Idee zu vermitteln, Staffeleistandorte zu zeigen und wichtige Orte in der Biografie von Alberto, Augusto und Giovanni zwischen Borgonovo und Coltura/Stampa vorzustellen. Wer das Bergell nur vom Durchfahren kannte, wird sich gewundert haben, welche Schönheit und welche kulturhistorischen Schätze sich da nur wenige Schritte von der grossen Strasse entdecken lassen.
Oft im Freien gearbeitet
Etwas oberhalb des Dorfkerns von Borgonovo wies Marco Giacometti auf das Haus hin, in dem Giovanni Giacometti (1868–1933), der als Begründer der modernen Malerei in der Schweiz gilt, gelebt hatte. Er zeigte Bilder, die ziemlich genau an diesem Standort entstanden sind, und die es einem ermöglichten, sich in die damalige Zeit zu versetzen. Der Künstler verfügte damals über kein eigenes Atelier, musste also notgedrungen im Freien arbeiten. Weiter ging es an einen Ort mit Symbolcharakter für seinen in Borgonovo geborenen Sohn, den grossen Alberto Giacometti (1901–1966). Dieser wurde dort nach eigener Aussage inmitten der Natur von Bäumen zu einer aus neun Figuren bestehenden Skulptur inspiriert. Auf dem Friedhof San Giorgio, in dessen Kirche ein originales Glasfenster von Augusto Giacometti (1877–1947), einem Vetter zweiten Grades von Alberto zu sehen ist, finden sich etliche Grabmäler der Familie.
Auf dem Weg von Borgonovo nach Stampa, nun auf der rechten Talseite, machte die Gruppe an zahlreichen Staffeleistandorten halt. Marco Giacometti zeigte Bildbeispiele, erklärte Hintergründe und Entwicklungen, verdeutlichte, wie frühe Erfahrungen in der Heimat gerade Alberto ein Leben lang, auch in Paris, geprägt haben. Er wies anhand einer Bergeller Fotografie von Henri Cartier-Bresson, die Alberto mit dem Postboten Renzo zeigt, auf das grosse Potenzial hin, das gerade auch Fotos bei der Bewahrung der Erinnerungen spielen können.
Oberhalb Stampas erklärte Marco Giacometti Häuser des Dorfes, vor allem natürlich das Wohnhaus der Familie und das Atelier Albertos. Mit dessen Besichtigung, die ein besonderer Höhepunkt war, weil das Haus derzeit nicht öffentlich zugänglich ist, war der Rundgang leider auch schon wieder zu Ende.
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