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Zita – sie war «eine Frau mit Würde»

Vor 25 Jahren starb Zita, die letzte Kaiserin von Österreich, im Alters- und Pflegeheim St.-Johannes-Stift in Zizers. Erinnert man sich dort noch an sie? Eine Spurensuche vor Ort.

Südostschweiz
15.03.14 - 01:00 Uhr

Von Ursina Straub

Zizers. – 1962 bis zu ihrem Tod am 14. März 1989 wohnte Zita, die letzte Kaiserin von Österreich, im St.-Johannes-Stift in Zizers (GR). In den 27 Jahren wurde sie von Carolina Marinolli umsorgt. «Ich bin die letzte verbliebene Betreuerin», sagt die Südtirolerin, «alle anderen sind gestorben.» Sie führt zu einem kleinen Raum im Stift: ein Gedenkzimmer für Zita Maria delle Grazie von Bourbon-Parma.

An den Wänden hängen Fotos der Kaiserin, neben Kräuterpfarrer Künzle die bekannteste Einwohnerin von Zizers. Es finden sich Gemälde aus der kaiserlichen Alterswohnung, eine Urkunde zur Seligsprechung ihres Gatten Kaiser Karl I./IV. In einem Ordner sind Todesanzeige, Trauerbekundungen und Zeitungsartikel zur Beisetzung der Kaiserin in der Wiener Kapuzinergruft aufbewahrt.

«Es war meine schönste Zeit»

Carolina Marinolli setzt sich an den Tisch, an dem einst die Kaiserin sass. «Sie war so vornehm», sagt die Trentinerin und flüstert fast, «einfach und bescheiden – und so dankbar für alles. Ein besonderer Mensch.» Zu Marinollis Aufgaben gehörte es, das kaiserliche Appartement in Ordnung zu halten, Mahlzeiten aufzutragen, Besorgungen zu erledigen. Oft brachte sie die Kaiserin zum Beten in die Hauskapelle. Mit der hochgebildeten Monarchin, die mehrere Sprachen beherrschte, unterhielt sich Marinolli auf italienisch, sprach sie mit «Majestät» an. Über die Jahre entstand eine Beziehung, aber: «Über Persönliches aber sprachen wir nie.» Die Betreuerin, die seit 50 Jahren im St.-Johannes-Stift arbeitet, fixiert die Blumenvase auf den Tisch. Und bemerkt: «Es war meine schönste Zeit hier.»

Im Alter liessen die Kräfte der Kaiserin nach, sie erblindete, konnte kaum mehr gehen. Betreuerin Marinolli erinnert sich an eine ihrer letzten Begegnungen: Die Kaiserin habe sich bei ihr bedankt und ihr darauf bedeutet: «Aber jetzt kann ich nicht mehr.» Wenige Tage später starb sie.

«Sie war auch sehr dienstfertig»

«Ist das jetzt schon 25 Jahre her?», wundert sich der erst seit Kurzem pensionierte Arzt Johannes Künzle. Er hat die Kaiserin während Jahrzehnten medizinisch betreut. Von seinem Sprechzimmer blickt man an die Fensterfront des ehemaligen kaiserlichen Appartements. «Wenn frühmorgens Licht brannte, wusste ich, es ist schon 5 Uhr vorbei», erzählt der Grossneffe von Kräuterpfarrer Künzle. «Sie hatte einen eindrücklichen Charakter», so der 80-jährige Arzt. «Man erkannte sofort: Das ist eine Frau mit Würde – und verhielt sich entsprechend.»

Oft habe er mit der Kaiserin nach der ärztlichen Behandlung Kaffee getrunken. «Sie verstand es, einen zum Reden zu bringen, ohne selber viel zu sagen», lacht der Mediziner. Zudem sei sie sehr dienstfertig gewesen. Sie habe ihre internationalen Kontakte ausgiebig gepflegt und für andere Stift-Bewohner hin und wieder Medikamente abgeholt oder etwas im Dorf besorgt. Etwa in der Drogerie. Die heutige Inhaberin Margrit Wälle hat sich Zitas Gedenkzimmer im Stift einmal angeschaut: «Ich war beeindruckt», sagt sie. Noch heute fragten Auswärtige nach der Kaiserin.

Auf der Informationstafel am gegenüberliegenden Rathaus finden Zita-Anhänger keinen Hinweis. Dafür liess der Verband der Österreicher zur Wahrung der Geschichte Österreichs an einem Seiteneingang des St.-Johannes-Stifts eine Gedenktafel anbringen: «Unserer hohen Landesmutter in Liebe, Verehrung und Dankbarkeit». Stiftungsrat Theo Müller führt gelegentlich interessierte Gruppen durch das Untere Schloss, wie das Stift bei den Einheimischen heisst. Man habe nie grosses Aufhebens um die berühmte Pensionärin gemacht, meint Müller, der fast 40 Jahre als Gemeindekanzlist gearbeitet hat.

Auf der Website der Gemeinde wird Zita erwähnt und in der Broschüre für Neuzuzüger ist sie unter «berühmte Einwohner» neben Kräuterpfarrer Künzle vermerkt. Ihr ein Denkmal zu setzen, sei aber nicht geplant. Auch ohne Ehrenstätte ist die Kaiserin bei manchen Zizersern noch lebendig.

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