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Zerwürfnis in Bonaduz: Christian Theus kehrt der CVP den Rücken

Nach jahrelangen internen Querelen zieht der Bonaduzer Gemeindepräsident Christian Theus die Konsequenzen – der gestandene CVP-Politiker tritt aus der Ortspartei aus. Parteifreunde sind ihm in den Rücken gefallen.

Südostschweiz
Dienstag, 11. Februar 2014, 01:00 Uhr

Larissa M. Bieler

Es gibt ein altes Sprichwort: «Feind, Todfeind, Parteifreund ...» Diese Redewendung dürfte dem Beobachter einfallen, der die Vorfälle in der Bonaduzer Gemeindepolitik der letzten Jahre zur Kenntnis genommen hat. Auf der einen Seite stehen der Bonaduzer Gemeindepräsident und die Gemeindebehörde: Sechs der acht Mitglieder der Bonaduzer Behörden gehören der CVP an. Auf der anderen Seite steht der Vorstand der CVP Bonaduz.

Dem Zerwürfnis, das sich seit Jahren angekündigt hat, wollte Theus nun ein Ende setzen. Auch wolle er keinen neuen Streit entfachen, so der Bonaduzer. Der Alt-Grossrat, der seit 33 Jahren der CVP angehört und «der Partei stets die Treue gehalten hat», wie er sagt, tritt darum per sofort aus der Ortspartei aus. Dies hat er dem Vorstand der CVP Bonaduz, namentlich Präsident Remo Cavegn, in einem Schreiben mitgeteilt. «Ein weiterer Verbleib innerhalb der Ortspartei Bonaduz ist mir infolge des fehlenden Vertrauens und der Vermeidung von Streitigkeiten nicht mehr möglich», heisst es im Schreiben.

Kritik am Budgetdefizit

Das Fass zum Überlaufen gebracht habe die Haltung und das Vorgehen der CVP-Parteileitung im Zusammenhang mit dem Budget 2014, «die sachlich nicht nachvollziehbar sind», wie Theus erklärt. Kritikpunkt dabei war das prognostizierte Budgetdefizit von rund 1,2 Millionen Franken, über das in der Botschaft umfassend informiert wurde. Obwohl verständlich und transparent gewesen sei, dass diese Ne- gativentwicklung korrigiert werde und als Folge des neuen Bildungsgesetzes und der wiederkehrenden Lohnausgaben resultiere, habe die CVP-Ortsleitung den Voranschlag in einem Brief an die Gemeindebehörden scharf kritisiert. Der Parteivorstand bezeichnete den Aufwandüberschuss darin als «inakzeptabel» und «nicht nachvollziehbar». Unterstellt wurde den Gemeindebehörden auch, dass «keine Anstrengungen zur Erreichung eines ausgeglichenen Budgets ergriffen» worden seien. Kritisiert wurde ebenfalls, dass diese «negative Entwicklung nicht längstens bemerkt wurde» – obwohl Regierungsrätin Barbara Janom Steiner erst im November des letzten Jahres erklärte, dass weder die Regierung noch der Grosse Rat die Folgen des Bildungsgesetzes so fatal für die Gemeinden erwartet hätten. «Wir konnten dies effektiv nicht früher bemerken», erklärt Theus, der mit einem Unterbruch seit fast 20 Jahren als Gemeindepräsident von Bonaduz amtet. Ein Exekutivpolitiker mit viel Herzblut, der in der Gemeinde zahlreiche Projekte realisierte und Bonaduz für Zuzüger auch steuerlich attraktiv machte. Das Budget der Gemeinde Bonaduz ist – wie damals erwartet – mit einem Ertragsüberschuss von rund einer Million Franken wieder im Lot.

«Ein Verlust für die CVP»

Remo Cavegn, Präsident der Ortspartei und CVP-Grossrat, bedauert den Entscheid. Er spricht von einem Verlust für die CVP Bonaduz. Die Gemeinde stehe gut da, man habe nie die Person Theus angegriffen, sondern immer über die Sache diskutiert. Dass die Kritik am Budget nun als Vertrauensmissbrauch gewertet werde, sei die persönliche Wahrnehmung von Christian Theus, so Cavegn. Die CVP sei enttäuscht gewesen, dass man als aktive Gruppierung nicht früher auf den Voranschlag habe Einfluss und Stellung nehmen können. Auch die Steuerfusssenkung sei ein Grund, weshalb der Vorstand ein Augenmerk auf das Budget gelegt habe, so Cavegn.

Für den «CVP-Mann» Theus, der in verschiedenen regionalen Gremien wie beispielsweise als Prä- sident des Vereins «Die Rheinschlucht/Ruinaulta» oder des Abfallbewirtschaftungsverbandes Mittelbünden aktiv ist, war der Austritt kein einfacher Schritt. Ein Zurück, so sagt er aber, gibt es nicht. In den letzten Jahren seien die Mehrzahl fast aller von den Behörden unterbreiteten Vorhaben und Projekte wie zum Beispiel die Fusion mit Rhäzüns von der CVP-Parteileitung und weiteren Exponenten bekämpft worden. «Die Unterstützung der Gemeindebehörde hat weitgehend gefehlt», begründet Theus. Und die Parteileitung habe sich nie für eine Konsensfindung eingesetzt. Christian Theus wird noch bis Ende Jahr als Gemeindepräsident tätig sein, danach wird er sein Amt aufgrund der Amtszeitbeschränkung abtreten. Kandidieren wird im Mai voraussichtlich die CVP-Grossrätin Elita Florin-Caluori. Gegenkandidat ist noch keiner bekannt.

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