Wollerau mit über 30 Prozent
Kanton Sieben Höfner Kantonsrätinnen und Kantonsräte fast aller politischer Couleur fordern vom Regierungsrat, dass auf Sekundarstufe 1 künftig Leistungsklassen geführt werden können.
Kanton Sieben Höfner Kantonsrätinnen und Kantonsräte fast aller politischer Couleur fordern vom Regierungsrat, dass auf Sekundarstufe 1 künftig Leistungsklassen geführt werden können.
Kantoncla. Im aktuellen Schuljahr 2014/2015 sind 167 von insgesamt 717 Schülerinnen und Schülern, die die Oberstufe in den Höfen besuchen könnten, in einer Privatschule. Das sind 23?Prozent. Auf der Stufe Primarschule weist die Gemeinde Wollerau mit 31 Prozent (115 von 367 Schülern) den grössten Anteil an Schülern auf, die in einer Privatschule unterrichtet werden. In der Gemeinde Feusisberg sind es 19,5 Prozent (59 von 303 Schülern), in der Gemeinde Freienbach 16 Prozent (152 von 950 Schülern).
Kantoncla. Die Motionäre verlangen eine Anpassung des Volksschulgesetzes. Konkret soll Paragraf?16 mit einem Punkt drei ergänzt werden: «Der Schulträger kann besondere Klassen für leistungsstarke Schülerinnen und Schüler auf Sekundarstufe?1 führen.» Die Kann-Formulierung lässt es Schulen laut Kantonsrat Andreas Meyerhans offen, ob sie das Angebot einführen wollen oder nicht. Nicht in allen Regionen im Kanton Schwyz ist das Bedürfnis nach Leistungsklassen gleich gross.
Claudia Hiestand
Tagesschulstrukturen und Unterricht in Deutsch und Englisch, das sind die Trümpfe von Privatschulen. Kinder werden dort nahtlos vom Kindergarten bis zur Matura beschult. So zum Beispiel in der äusserst erfolgreichen Obersee Bilingual School in Pfäffikon. Mit der Swiss International School will sich eine weitere private Bildungsinstitution in den Höfen niederlassen. Der Druck auf die Volksschulen wächst. Denn sind die Kinder erst einmal in einer Privatschule, kehren sie in der Regel nicht in die Volksschule zurück. Die meisten von ihnen begeben sich auf den gymnasialen Weg. Sie entscheiden sich gegen eine Berufslehre und sind damit für die hiesigen KMU verloren. Besonders hart trifft es den Bezirk Höfe. Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache (siehe Kasten rechts). Dieser Entwicklung wollen die Höfner Kantonsräte Andreas Meyerhans (CVP), Markus Hauenstein (CVP), Marlene Müller (FDP), Franz Rutz (CVP), Christoph Räber (FDP), Thomas Hänggi (SVP) und Walter Duss (SVP) nicht länger zusehen. «Die Volksschulen müssen sich den Gegebenheiten anpassen», sind sie sich einig. Sie fordern vom Regierungsrat, das Führen von Leistungsklassen auf der Sekundarstufe 1 zu ermöglichen.
Chancengleichheit für alle Kinder
«Das Bildungsdepartement selbst hat erst kürzlich wieder festgehalten, dass eine hohe Nachfrage für bilinguale Volksschulen insbesondere im Bezirk Höfe ausgewiesen ist», schreiben die Kantonsräte in ihrer gestern eingereichten Motion. Dieser Nachfrage wollte auch der Bezirk Höfe mit der Lancierung des Modells «Sek pro» nachkommen. Es verfolgte das Ziel, ein modernes Angebot mit bilingualem Unterricht für sehr leistungsfähige Jugendliche zu schaffen. «Sek pro» hätte die öffentlichen Volksschulen im Bezirk Höfe konkurrenzfähig erhalten sollen. Doch der Erziehungsrat hat das Gesuch des Bezirks abgelehnt – sehr zum Bedauern der Motionäre. Sie sind überzeugt: Wenn die öffentlichen Schulen im Bezirk Höfe im Wettbewerb bestehen wollen, gleichzeitig aber nicht am Wettbewerb teilnehmen dürfen, werden sie leistungsstarke Schülerinnen und Schüler weiterhin an private Anbieter verlieren. «Ausserdem bleiben diejenigen leistungsstarken Schülerinnen und Schüler, deren Eltern das teils hohe Schulgeld für die Privatschulen nicht bezahlen können, von der Chance auf eine bilinguale Ausbildung auf der Sekundarstufe?1 ausgeschlossen», argumentieren sie.
Von Argumenten nicht überzeugt
Die Argumente, die der Erziehungsrat im Jahr 2013 gegen eine Leistungsklasse vorgebracht hat, sind für sie angesichts der Entwicklung in den Höfen zu wenig stichhaltig. Unter anderem befand der Erziehungsrat, dass mit der Schaffung eines weiteren Schultyps das bewährte System der drei Schultypen Werk-, Real- und Sekundarstufe auf der Oberstufe durchbrochen würde. Ausserdem seien die Anforderungen an die Lehrpersonen sehr hoch, und es bestehe die Gefahr, dass die Klasse auseinanderbreche, wenn Schüler ins Gymnasium wechseln. Die Motionäre wollen letztlich nichts anderes als gleich lange Spiesse für Volksschulen und Privatschulen.
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