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WM-Abschluss mit Bronze und Schmerzen

Skicross Zwei Jahre nach ihrem Titelgewinn stand Fanny Smith im Skicross erneut auf dem WM-Podium. Wegen eines Fehlers musste die Romande im Final am Kreischberg (Ö) zwei Konkurrentinnen passieren lassen.

Südostschweiz
26.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

si. Den zuweilen wilden letzten Wettkampf der ersten FIS-Doppel-WM prägten überraschend die Aussenseiter. Mit der Einheimischen Andrea Limbacher (25) und Filip Flisar (27) trumpften zwei auf, die auf der Tour derzeit nicht zur ersten Garnitur zählen; das bisherige Markenzeichen des ersten slowenischen Cross-Champions war primär der kunstvoll gezwirbelte Schnauz gewesen.

Swiss-Ski hat sich im Nationen-Ranking der Ski-Freestyler und Snowboarder mit drei WM-Goldmedaillen und vier bronzenen Auszeichnungen dank einer respektablen zweiten Woche auf Rang 2 etabliert – nur die USA gewannen in der Steiermark einen Titel mehr.

Schwerer Crash von Niederer

Infolge einer veritablen Verletzungswelle war die im Normalfall zur Weltspitze zählende Frauen-Equipe zu einer One-Woman-Show reduziert worden - angeführt von einer 22-jährigen Athletin, die seit Jahren erfolgreich auf privater Basis operiert und lediglich an Wettkämpfen unter der Swiss-Ski-Flagge antritt.

Für Smith, seit 2007 vom früheren Boardercross-Weltmeister Guillaume Nantermod gecoacht, lohnte sich der kostspielige Alleingang erneut. Die frühere Junioren-Championne ist ausserhalb der Winterspiele nach wie vor die einzige Garantin für Edelmetall. Seit die FIS 2005 die Crosser ins WM-Programm aufgenommen hat, ist sie am Medaillen-Output von Swiss-Ski zu 100 Prozent beteiligt.

Überschattet wurde der Bronze-Glanz indes von einem schweren Crash des Bündners Armin Niederer (7.). Mit einer Top-4-Klassierung vor Augen wurde er im vorletzten Durchgang vom zu forschen Österreicher Thomas Zangerl touchiert. Die Berührung hatte für die Beteiligten weitreichende Folgen: Beide wurden regelrecht von der Piste geschleudert und mussten sich rund 20 Minuten lang medizinisch erstversorgen lassen. Vor dem Transport per Helikop­ter ins Spital waren die Verletzten zumindest ansprechbar.

Etwas weniger dramatisch, aber auch nicht ganz schmerzfrei verlief der Frauen-Contest – lange ganz im Sinn von Fanny Smith. Nach einem prekären Auftakt (spätes Überholmanöver) kam die Waadtländerin immer besser in Fahrt. In den beiden folgenden Runden wählte sie ausnahmslos die Ideallinie und geriet nicht in einer einzigen Szene in Bedrängnis.

Und als die verlustpunktlose Weltcup-Dominatorin und Olympiasiegerin Marielle Thompson im Halbfinal wegen eines Aussetzers einer Konkurrentin ins Fangnetz raste, veränderte sich die Ausgangslage vor dem letzten Run unverhofft zu Gunsten der Schweizer Titelhalterin. Smith verwertete die Chance allerdings nicht – sie beging unter Druck wie in Sotschi einen «unforced error».

Im Gegensatz zum enttäuschenden Out im Olympia-Halbfinal vor elf Monaten war der Fahrfehler indes einigermassen zu korrigieren. Die überraschende österreichische Weltranglisten-19. Andrea Limbacher und Frankreichs Altmeisterin Ophélie David waren zwar nicht mehr abzufangen, den Angriff der deutschen Aussenseiterin Julia Eichinger wehrte die Romande indes gekonnt ab.

Angesichts ihrer finalen Turbulenzen wusste Smith das gute Ergebnis entsprechend einzuschätzen: «Ich hatte Glück, nach diesem groben Fehler überhaupt noch auf das Podest zu fahren. Das Timing stimmte kurz nicht, worauf ich meinen Speed komplett verlor. Unter diesen Umständen bin ich mit Platz 3 sehr zufrieden.»

Dass ihre Hauptkonkurrentin Thomp­son ausgefallen war, realisierte sie zunächst gar nicht: «Ich war zu sehr auf meine Runs fokussiert.» Den Wert des zweiten WM-Final-Vorstosses in Folge schätzt die 22-Jährige hoch ein: «Diese Konstanz bedeutet mir viel.» Nun greife sie im Weltcup an. «Das Ziel ist wie 2013 die Pole-Position.»

Fiva früh out

«Fanny holte für uns die Kohlen aus dem Feuer», kommentierte der Schweizer Headcoach Ralph Pfäffli den Effort der Westschweizer Solo-Unternehmerin. Etwas schwerer fiel ihm die Aufarbeitung der Performance der Männer: «Niederer wäre wohl in den Final gekommen. Aber eben: wäre und hätte, das kennen wir zur Genüge.»

Keinen Akzent setzen konnte gestern Alex Fiva. Der frühere Gesamtweltcupsieger scheiterte bereits im Achtelfinal am späteren schwedischen Finalisten Victor Oehling Norberg und im Duell mit dem Olympia-Zweiten Arnaud Bovolenta. Der WM-Rookie Marc Bischofberger wurde eine Runde später von der French-Connection um den Olympiasieger Jean-Frédéric Chapuis (WM-Silber) gestoppt.

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