«Wir müssen uns durch spezielle Dinge profilieren»
Heute herrscht Ausnahme- zustand im Münstertal. Zum zweiten Gastspiel der Tour de Ski werden rund 5000 Zuschauer erwartet. Heimkehrer Dario Cologna kämpft um wichtige Bonussekunden fürs Gesamtklassement.
Heute herrscht Ausnahme- zustand im Münstertal. Zum zweiten Gastspiel der Tour de Ski werden rund 5000 Zuschauer erwartet. Heimkehrer Dario Cologna kämpft um wichtige Bonussekunden fürs Gesamtklassement.
Von Johannes Kaufmann
Langlauf. – Alfred Lingg strahlt am Tag vor dem grossen Tag wie immer eine Bärenruhe aus. Reibungslos ist bereits am späten Sonntagabend der Tross der Tour de Ski in Tschierv eingetroffen. Beinahe schon business as usual für die emsigen Veranstalter des Premiumprodukts des Langlaufs, das nach 2013 zum zweiten Mal halt macht im Münstertal. «Von den Erfahrungen der Premierenausgabe können wir natürlich profitieren», sagt Lingg, der Südtiroler mit eigener Firma im Münstertal, der nicht zuletzt deshalb erneut als Präsident des örtlichen Organisationskomitees fungiert. Doch selbstverständlich wird ein Sportereignis von immenser internationaler Strahlkraft – am Neujahrstag 2013 sassen nicht weniger als 25 Millionen Menschen vor den TV-Bildschirmen – für das bloss von 1500 Menschen bevölkerte Bündner Hochtal am äussersten Rand der Schweiz niemals zur Selbstverständlichkeit. Gemeindepräsident Arno Lamprecht erwähnt in diesem Zusammenhang gerne den Stolz der Bewohner, dieses Husarenstück gemeinsam gemeistert zu haben. «Für den Zusammenhalt im Tal war es ein tolles Erlebnis», sagt Lamprecht.
Dauerregen in Tschierv
Gänzlich ohne Sorgen verliefen die Vorbereitungen indes nicht. Der Dauerregen am Wochenende verfinsterte zwischenzeitlich gar die Miene des Daueroptimisten Lingg. «Da wurden wir schon ein wenig unruhig», gesteht der OK-Präsident, fügt jedoch an: «Die Unterlage der Strecke ist dermassen kompakt, dass wir zu keinem Zeitpunkt um die Durchführung des Rennens bangen mussten.» Noch vor Weihnachten lief die Beschneiungsanlage auf Hochtouren.
Also herrscht heute abermals Ausnahmezustand in Tschierv, wenn die temporäre Einwohnerzahl durch die rund 5000 erwarteten Zuschauer pulverisiert wird. Lingg kalkuliert zwar mit etwas weniger Zaungästen. Das tat er indes auch vor zwei Jahren, als schliesslich 7000 Langlauffans im schmucken Zielgelände in Tschierv für eine tolle, einmalige Ambiance sorgten. Das heutige Datum mitten in einer Arbeits- und Schulwoche spricht für etwas weniger Zuschauer.
Für ein bisschen Ärger für die Organisatoren sorgten die Coaches noch vor dem gestrigen Training. Die extra eingebaute Schanze wurde nach einem Protest mehrerer Mannschaftsführer von der Rennjury wieder aus dem Programm genommen. Lingg und seine Mitstreiter suchten bewusst nach einem Extrakick. Es soll noch ein bisschen mehr Aufmerksamkeit erzeugt werden. Das hat System im Münstertal. Lingg sagt es so: «Wir sind der Kleine im Zirkus der Grossen und müssen uns durch spezielle Aktionen profilieren.»
Kampf um Bonussekunden
Beim Sprint in der freien Technik (Qualifikation 10.30 Uhr/Finalläufe 13.15 Uhr) steht natürlich Dario Cologna ganz besonders im Fokus. Er und sein um vier Jahre jüngerer Bruder Gianluca Cologna kämpfen unmittelbar neben dem Wohndomizil der Eltern um Weltcuppunkte und Bonussekunden. Mit dem Prologsieg in Oberstdorf im Gepäck ist der dreifache Tour-Gewinner Dario Cologna mit breiter Brust in die Heimat gereist. Die Architekten seiner Formkurve haben einmal mehr ganze Arbeit geleistet. Da es im einzigen Sprint der diesjährigen Edition für den Sieger immerhin um 60 Bonussekunden geht, ist ein Vorstoss in die Halbfinals fast schon Pflicht. Gleiches gilt für die weiteren Favoriten um den Norweger Martin Johnsrud Sundby. «Natürlich hoffe ich, möglichst viele Bonussekunden zu sammeln», sagt Cologna, der in dieser Saison im Sprint noch nie die Qualifikation überstand. 2013 belegte er vor der Haustüre Rang 4.
Gestern trainierte Cologna während einer halben Stunde auf der Heimstrecke. Heute geht es primär darum, die Tour nicht vorzeitig zu verlieren. Gewinnen kann sie Cologna erst abseits der Heimat in Italien.
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