×

«Wir haben einen Festtag für alles»

Als erstes und einziges Glarner Baby ist Muhammed Efe Ekici am Neujahrstag zur Welt gekommen – wie schon seine heute dreijährigen Geschwister Beyza Nur und Emir. Alle Kinder sind am Hochzeitstag ihrer Eltern Ferit und Seren geboren.

Südostschweiz
03.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Von Brigitte Tiefenauer

Glarus/Mitlödi. – Nur einer scheint sich nicht um das Datum seiner Geburt zu scheren – Muhammed Efe selber, das Kind, um das sich am Neujahrstag im Kantonsspital Glarus so ziemlich alles dreht. Der Kleine döst friedlich in seinem Spitalbettchen. Süss sieht er aus mit der grünen Wollmütze. Nur ab und zu verzieht er den Mund, rümpft das Näschen oder spreizt seine Fingerchen, wenn es allzu hektisch wird um ihn herum.

Geschenke zum Geburts- und Hochzeitstag

Die Aufregung ist nämlich gross im Zimmer 708 des Spitals Glarus. Vater Ferit Ekicis Eltern und Geschwister mit ihren Familien treffen ein, um den neugeborenen Enkel, Neffen und Cousin zu sehen und den Eltern zu gratulieren. Ferit offeriert Brötchen, Kuchen, Schaumwein und Bier. Es gibt Rosen fürs Mami, Geschenke für klein Muhammed Efe und Teddybären für die dreijährigen Zwillinge, die am Geburtstag ihres Bruders auch ihr eigenes Fest feiern.

Die ganze Schweiz müsse es erfahren, sagt Ferit Ekici. Er ist überglücklich und stolz auf seine nun fünfköpfige Familie, die heute den Hochzeitstag und die Geburtstage aller drei Kinder feiert.

Für seine Familie gebe es damit nur einen Festtag im Jahr, erklärt der 30-jährige Teilzeit-Pizzaiolo türkischer Abstammung. An diesem ersten Tag im Jahr feiern Ferit und seine Frau Seren auch den Tag, an dem sie sich in der Türkei kennengelernt haben. «Ich verbrachte die Winterferien dort», erzählt Ferit, «begegnete Seren in der Boutique ihrer Tante, wo sie arbeitete.» Es funkte. Ein Jahr später heiraten die beiden in Istanbul, «ein grosses Familienfest mit 100 Gästen». Einen Monat später kommt Seren in die Schweiz, besucht Deutsch- und Integrationskurse.

Vier Jahre später, am 1. Januar 2012, kommen die Zwillinge Beyza Nur und Emir zur Welt. Kaiserschnitt-Babys, ein Notfall just am gewünschten Tag. Denn damals wie diesmal haben Ferit und Seren minutiös geplant. Keine einfache Aufgabe, möchte man meinen. «Doch, doch», sagt Ferit und lacht verschmitzt. Seine Frau sorge sehr zuverlässig dafür, dass es nicht zu früh oder zu spät passiere – oder wenigstens nicht allzu früh oder spät.

Muhammed Efes Geburtstermin wäre der 18. Januar gewesen. Die Ärzte hätten auf seine dringende Bitte eingewilligt, eine Ausnahme zu machen und am 1. Januar, um 10 Uhr, die Geburt per Kaiserschnitt vorzunehmen. Jedenfalls, sofern kein Notfall dazwischenkäme. Es kommt keiner dazwischen. Um 10.26 Uhr ist Muhammed Efe da. 3330 Gramm schwer, 48 Zentimeter lang. Die Freude ist riesig.

«Muhammed Efe ist das schönste Geschenk»

Blitzschnell klettert Beyza Nur auf Mamas Spitalbett, streichelt dem Bruder übers Gesichtchen, während Bruder Emir dem Kleinen an der Mütze zupft, sodass seine schwarzen Haare zum Vorschein kommen. Die Zwillinge, ab heute «die Grossen», die normalerweise am liebsten mit Flugzeugen spielen, scheinen sich nun plötzlich für die «Puppe» zu erwärmen.

«Muhammed Efe ist das grösste Geschenk zum Neujahr», sagt Vater Ferit. «Wir hoffen, lieber Gott, dass wir in vier Jahren, am 1. Januar 2019, das vierte Kind bekommen», hat er für die «Südostschweiz» auf einen Zettel gekritzelt. Danach sei dann Schluss mit dem «Gstürm».

Kommentieren
Wir bitten um euer Verständnis, dass der Zugang zu den Kommentaren unseren Abonnenten vorbehalten ist. Registriere dich und erhalte Zugriff auf mehr Artikel oder erhalte unlimitierter Zugang zu allen Inhalten, indem du dich für eines unserer digitalen Abos entscheidest.
Könnte euch auch interessieren
Mehr zu Zeitung MEHR