×

Wie der Vater so der Sohn: Nach Mauro siegt Noé Gianetti

Der 41. Rad-Bergklassiker Chur–Arosa hat gestern mit einer Überraschung geendet. Den Spurtsieg holte sich der in Amerika lebende Noé Gianetti, der Sohn des Tessiner Ex-Profis Mauro Gianetti.

Südostschweiz
Montag, 10. September 2012, 02:00 Uhr Rad

Von Hanspeter Rennhard

Die offen für die Kategorien Profi/Elite, Amateure, Junioren und Hobbyfahrer ausgetragene Bergprüfung über 28,65 Kilometer und 1200 Meter Höhendifferenz verlief nach bekanntem Muster. Erster Knackpunkt in dieser Sache ist der schnell nach dem Start (neu beim Bahnhof Chur) folgende steile Aufstieg nach Maladers, wo sich regelmässig die Spreu vom Weizen trennt. Und zum Weizen gehörten gestern acht Fahrer, die sich im flacheren Teil durch das Schanfigg in der Führungsarbeit gut ablösten und keinem nachfolgenden Fahrer die Chance liessen, noch aufzuschliessen.

«Ich wollte etwas Angst schüren»

Und es ging mit der Tradition weiter, das heisst, dass der zweite grosse Schwierigkeitsgrad im vier Kilometer langen Aufstieg nach Litzirüti folgte. Und hier war es der Bündner Mountain-Bike-Meister Giancarlo Sax (Flond), der einen Angriff startete. «Ich wollte etwas probieren und den anderen Angst einflössen», sagte Sax. Aber die Idee ging dann doch etwas in die Hosen, denn als sich die Gruppe teilte und vorne zu einem Quartett schrumpfte, war der nur selten Strassenrennen bestreitende Sax nicht mehr ganz vorne dabei. Immer mehr kristallisierte sich heraus, dass das Quartett die Anhöhe gemeinsam erreichen werde. Und mit dem gemeinsamen Eintreffen dieser Viererspitze beim Aroser Obersee war klar, dass es zu einer Spurtentscheidung kommen würde.

Das Problem war, dass man sich innerhalb dieses Quartetts nicht sehr gut kannte, eine gewisse Sprint-Taktik war also kaum möglich. Immerhin war dann der 22-jährige Marcel Aregger (Unterägeri) ziemlich überrascht, als der (Noch-)Postbeamte auf den letzten Metern von einem praktisch unbekannten Fahrer Namens Noé Gianetti überspurtet wurde. «Diesen Fahrer habe ich noch nie gesehen und bin deshalb ziemlich überrascht, dass ich den Spurt verloren habe», so der enttäuschte Aregger, der ab 2013 bei der neuen Schweizer Radsportgruppe IAM Cycling einen Profivertrag erhalten hat.

Es verwundert auch nicht, dass Aregger den Spurtsieger nicht kannte, denn Noé Gianetti lebt weitgehend in den USA, wo er Profirennen bestreitet. Er ist der Sohn des heute 48-jährigen Mauro Gianetti (WM-Zweiter Strasse 1996 in Lugano), der diese Bergprüfung 1994 gewonnen hat und auf der längeren Strecke (mit Start bei der Calanda Bräu) mit 1:04:28 den ewigen Streckenrekord hält.

Bündner auf Platz 3

Eine weitere Überraschung ist der dritte Rang von Matteo Badilatti (Poschiavo). Ein absoluter Nobody im Bündner Radsport. Er fährt für den VC Mendrisio, doch eigentlich erst seit einem Jahr. Was war dann vorher? «Ich machte etwas Lauf- und Langlaufsport und fahre als Amateur erst seit dieser Saison Velorennen», so der 20-jährige Wirtschafts-Student an der HSG St. Gallen. Und wo sieht der Südbündner seine Zukunft? «Ich versuche, mein Studium und den Radsport ideal miteinander kombinieren zu können und eine gute Balance zwischen diesen beiden Sparten zu erreichen.» Animator Giancarlo Sax verlor auf den letzten vier Kilometern noch 33 Sekunden und landete auf Rang 8. Insgesamt sahen an der 31. Austragung exakt 180 Fahrerinnen und Fahrer in Arosa das Zielband. Erstaunlich, dass sich darunter 22 Frauen befanden. Gewonnen wurde das Frauenrennen von der Appenzellerin Laila Orenos, welche die zweite Frau, die Glarnerin Gabby Landolt, um 2:03 distanzierte.

Rad-Bergrennen Chur–Arosa

Männer: 1. Noé Gianetti (Mendrisio), 26,85 km in 1:04:11 (26,78 km/h). 2. Marcel Aregger (Unterägeri), gleiche Zeit. 3. Mateo Badillati (Poschiavo), 0:1 zurück. 4. Wolfgang Hofmann (De), 0:3. 5. Christoph Fuhrbach (De), 0:14. 6. Felix Baur (Team Atlas), 0:26. 7. Giancarlo Sax (Flond), 0:33. 8. Lukas Winterberg (Pfaffnau), 0:44. 9. Roger Devittori (Emmenbrücke), 3:45. 10. Nico Brüngger (EKZ Racing), 4:11. 11. Frank Kerber (Oe), 4:20. 12. Kevin Jost (EKZ Racing), 4:16. 13. Graziano Paris (Equipe Exploit), 3:46. 14. Lukas Müller (GD Cycling), 4.57. 15. Roberto Jenal (Repower Team Engadin), 5.00. 16. Dumeni Vincnz (Surcasti), 5.02. 17. Marcus Derungs (Andiast), gl. Zeit. 18. David Pulver (Bern), 5.03. 19. Karlheinz Risch (Va Dua), gl. Zeit. 20. Adrian Krucker (Wetzikon), 5:09.

Frauen: 1. Laila Orenos (Appenzell), 26,85 km in 1:18:26 (21,92 km/h). 2. Gabby Landolt (Obstalden), 2:03 zurück. 3. Helena Gehrig (Scott), 2:13. 4. Sunna Heeb (Regensdorf), 2:27. 5. Denise Breu (Bütschwil), 3:43.

Anfänger-Kriterium: 1. Lino Ziltener (Aarwangen), 39,15 km in 1:02:17 (37,7 km/h), 40 Punkte. 2. Emile Garbani Nerini (Chur), 20. 3. Andreas Walther (Rain), 15. 4. Dario Marchetti (Solothurn)12. 5. Michael Schraner (Sulz), 7. 6.Elia Passerini (Bellinzona), 6, alle gl. Zeit.

Kommentar schreiben

Kommentar senden