Wie das «Maloja Palace» zum Leben erweckt werden soll
Das «Maloja Palace» gleicht seit Jahrzehnten einem schlafenden Riesen. Nun präsentiert sein Besitzer Amedeo Clavarino neue Pläne für das ehemalige Luxushotel. Neben Zweitwohnungen will er 200 Hotelzimmer realisieren.
Das «Maloja Palace» gleicht seit Jahrzehnten einem schlafenden Riesen. Nun präsentiert sein Besitzer Amedeo Clavarino neue Pläne für das ehemalige Luxushotel. Neben Zweitwohnungen will er 200 Hotelzimmer realisieren.
Von Stefan Bisculm
Maloja. – Nicht zum ersten Mal werden Hoffnungen geschürt auf eine goldene Zukunft des einstigen Hotels «Maloja Palace». Das ehemalige Luxushotel in Maloja, das bei seiner Eröffnung vor 127 Jahren nach der ETH in Zürich das zweitgrösste Gebäude der Schweiz war, befindet sich seit Jahrzehnten in einem unruhigen Dornröschenschlaf.
Bisher gelang es niemandem, den schlafenden Hotelriesen zu wecken und über längere Zeit rentabel zu führen. Auch nicht Amedeo Clavarino, der das Gebäude 2005 für 14 Millionen Franken gekauft hatte. Alle Pläne des italienischen Immobilienunternehmers haben sich jeweils bereits kurz nach ihrer Ankündigung zerschlagen. Gescheitert waren sie teils am Widerstand der Behörden, meist aber an der Unentschlossenheit des Investors. Mitte Juni haben sich die beiden Parteien wieder an einen Tisch gesetzt. Dabei hat Clavarino den Vertretern der Gemeinde Bregaglia sein neues Konzept vorgelegt.
Hotel soll Kuppel zurückerhalten
Clavarino ist bereit, insgesamt 20 bis 30 Millionen Franken in das Haus zu investieren. Dafür soll ein 4-Stern-Hotel mit mindestens 200 Betten entstehen. Er möchte dem Hotel unter anderem auch seine zentrale Kuppel wieder aufsetzen. Diese wurde von den Bündner Grenztruppen abgebaut, nachdem sie das Gebäude während des Zweiten Weltkriegs in Beschlag genommen hatten. «Ich will die Kuppel restaurieren, denn sie war einmal das Wahrzeichen des Hotels», erklärt Clavarino.
Finanziert werden soll der Umbau teilweise mit dem Verkauf von Zweitwohnungen, die im ehemaligen Personalhaus geplant sind. Weiter will Clavarino in rund einem Drittel des Hauptgebäudes Wohnungen bauen. Diese Appartements könnten ebenfalls zur Finanzierung des Hotels verkauft werden. Sie müssten aber gemäss Konzept ähnlich wie beim Rocksresort in Laax bewirtschaftet werden. Der Käufer des Appartements nimmt dabei ein eingeschränktes Nutzungsrecht in Kauf. Das heisst, das Hotelmanagement hätte das Recht und die Aufgabe, die Wohnfläche bei Abwesenheit des Besitzers weiterzuvermieten.
Gemeinde vorsichtig optimistisch
Bei der Gemeinde Bregaglia wird Clavarinos Konzept vorsichtig optimistisch aufgenommen. «Grundsätzlich sind wir mit den aktuellen Vorschlägen einverstanden», sagt Gemeindepräsidentin Anna Giacometti. Man bestehe aber auf einem professionellen Bewirtschafter für die Wohnungen im Hotel. Und der Bau der Zweitwohnungen werde nur genehmigt, wenn der ganze Erlös in den Umbau des Hotels fliesse. «Dies ist für uns zwingend», sagt Giacometti. Die ganze Hotelanlage befindet sich heute in einer Hotelzone. Bevor in ihr Zweitwohnungen entstehen können, bedarf es einer Revision der Ortsplanung.
Wie Giacometti weiter erklärt, beharrt die Gemeinde ausserdem auf einer Planungsvereinbarung, um sicherzustellen, dass der Hotelumbau und der Bau der Zweitwohnungen parallel an die Hand genommen werden.
Die touristische Zukunft Malojas ist eng verbunden mit dem «Maloja Palace». Der Tourismus am Ende der Engadiner Hochebene kriselt seit Längerem, ein Anschub wäre dringend nötig (siehe Kasten). Über 40 Jahre lang gehörte das «Maloja» der grössten staatlichen Krankenkasse Belgiens, die Kinder und Jugendliche zur Erholung ins Engadin schickte. Nach dem Verkauf des Komplexes hatte man in Maloja auf eine Renaissance des Hoteltourismus gehofft. Bisher vergeblich.
Bereits acht Millionen investiert
Clavarino liess vor zwei Jahren in einem der Flügel immerhin 45 Suiten und 25 Doppelzimmer renovieren. Dafür wendete er nach eigenen Angaben acht Millionen Franken auf. Entgegen seinen Ankündigungen betrieb er das Haus danach aber nicht als Hotel. Stattdessen verpachtete er den renovierten Flügel die letzten beiden Winter an den deutschen Reiseveranstalter Frosch, der in Maloja einen Sportklub für Pauschaltouristen gründete. Im Sommer öffnete das Haus nur, wenn sich eine grössere Gruppe anmeldete. Mehrheitlich ist das Haus aber leer und geschlossen. Nach Meinung von Clavarino soll sich dies nun aber bald ändern. «Ich möchte sehr schnell vorwärtsmachen. Es wäre jammerschade, das ‘Palace’ in seinem heutigen Zustand zu lassen.»
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