Wenn im Bauch die Hölle los ist
Heftige Schmerzen im rechten Unterbauch, eine angespannte Bauchdecke, vielleicht Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit. Nicht nur Ärzte denken da schnell an eine Blinddarmentzündung.
Heftige Schmerzen im rechten Unterbauch, eine angespannte Bauchdecke, vielleicht Fieber, Abgeschlagenheit, Übelkeit. Nicht nur Ärzte denken da schnell an eine Blinddarmentzündung.
Doch was, wenn diese Beschwerden auf der linken Seite des unteren Bauches vorkommen? Dann könnte es sich um eine Entzündung von sogenannten Divertikeln handeln.
Viele Menschen haben solche Aussackungen der Darmwand, und meist machen sie keine Probleme.
Neue Erkenntnisse
Für ein gehäuftes Auftreten von Darmkrebs oder chronisch entzündlichen Darmerkrankungen bei Divertikel-Trägern gibt es keine Belege. Ärger können sie trotzdem machen: «Wir gehen davon aus, dass etwa zehn Prozent aller Menschen mit Divertikeln Beschwerden bekommen, also eine Entzündung oder eine Blutung mit mehr oder weniger schwierigem Verlauf», sagt Chirurg Christoph-Thomas Germer. Zum überwiegenden Teil tritt eine Divertikulitis, eine Entzündung der Aussackungen, im Sigma auf. Das ist ein gewundener Dickdarmteil im linken Unterbauch.
Chirurgen, Radiologen und Internisten haben unlängst eine Leitlinie zur Divertikulitis erstellt. Darin heisst es, in jüngster Zeit seien «zunehmende wissenschaftliche Anstrengungen erfolgt, die althergebrachte Vorstellungen sehr kritisch hinterfragen». Dazu gehören etwa die Gabe von Antibiotika bei unkomplizierten Verläufen oder der Zeitpunkt zur Empfehlung einer Operation.
Verdacht und Untersuchung
Doch wie entstehen Divertikel? Die Darmwand besteht aus verschiedenen Bindegewebs- und Muskelschichten. Unter anderem an den Stellen, wo Gefässe das Blut zuführen, können die Ausstülpungen entstehen. Es scheint eine erbliche Veranlagung zu geben.
Wenn sich in den Divertikeln Stuhl und Bakterien sammeln, kann eine Entzündung entstehen. Bei Verdacht auf eine Divertikulitis untersucht der Arzt den Bauch des Patienten. «Dann nehmen wir in der Regel Blut ab, lassen Entzündungswerte bestimmen und machen eine Untersuchung per Ultraschall», erläutert Gastroenterologe Wolfgang Burmeister. Eine Darmspiegelung sollte während eines Entzündungsschubs nur in Ausnahmefällen erfolgen. Als mögliche alternative Ursache haben die Ärzte unter anderem einen Reizdarm im Blick.
«Wenn ein Patient nur leichte Beschwerden und regelmässigen Stuhlgang und kein Fieber hat, dann muss man nicht sofort Antibiotika geben und kann den Patienten nach Hause schicken», sagt Burmeister. Der Patient sollte dann viel trinken, sich beim Essen etwas zurückhalten, nicht zur Arbeit gehen und am nächsten Tag wieder kommen, um erneut untersucht zu werden. «Das wird natürlich schwierig, wenn es Wochenende ist, dann muss man dem Patienten mitgeben, dass er bei einer Verschlechterung auf jeden Fall ins Spital gehen sollte zur weiteren Abklärung.»
Bei komplizierten Verläufen und bestimmten Patienten raten die Ärzte zu Antibiotika. «Menschen mit Bluthochdruck, Nierenerkrankungen, Allergieneigung und schwachem Immunsystem haben ein höheres Risiko, dass sich Divertikel entzünden und es zu Komplikationen kommt», sagt Professor Ludger Leifeld von der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten. Auch bestimmte Medikamente erhöhen demnach das Risiko, etwa Kortison-Präparate oder nichtsteroidale Antiphlogistika wie Ibuprofen und Diclofenac. «Daher sollten Menschen mit Divertikeln auch besser auf diese Medikamente verzichten, wenn möglich», sagt Leifeld.
Zurückhaltend bei Operation
Und wann müssen Divertikulitis-Patienten operiert werden? «Wenn zum Beispiel eine starke Blutung aus den Divertikeln besteht, der Darm an einer Stelle perforiert ist und freie Luft im Bauchraum vorliegt, dann sind das in der Regel Fälle für eine dringliche Notfall-Operation», sagt Chirurg Germer. Bei unkompliziert verlaufenden Divertikulitis-Schüben, die regelmässig wiederkehren können, könne es aber zu Verengungen im Darm kommen, oder zu Verbindungsgängen zwischen den Darmschlingen. Auch dies sei Grund für eine OP.
Früher sei es gängig gewesen, nach dem zweiten Entzündungsschub den betroffenen Darmabschnitt vorsorglich entfernen zu lassen, aus Sorge vor einem späteren Darmdurchbruch. Doch in Studien zeigte sich, dass der erste Schub in dieser Hinsicht der gefährlichste ist. «Und eine vorsorgliche Operation kann das Auftreten von Komplikationen nicht günstig beeinflussen», sagt Germer. «Man sollte sehr genau schauen, was für einen Patienten man vor sich hat.»
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