Wenn einem die Maturaarbeit irgendwie spanisch vorkommt
Un patito hace cua – ein Entchen macht quak, so heisst das Lied, das Deborah Hug jeweils zu Beginn der Kindergartenstunde mit den Vorschulkindern gesungen hat.
Un patito hace cua – ein Entchen macht quak, so heisst das Lied, das Deborah Hug jeweils zu Beginn der Kindergartenstunde mit den Vorschulkindern gesungen hat.
Enten zählen in dem Lied, wie viele Mal sie quaken und wie oft sie ihre Füsse bewegen.
«Über Liedtexte lernt man leicht – denkt man nur an all die englischen Begriffe, die wir heute über Songtexte lernen», sagt Hug. Also habe sie sich dazu entschieden, auch mit den Kindern zunächst ein spanisches Lied zu hören und zu singen. «So konnten wir uns langsam und spielerisch der spanischen Sprache annähern», berichtet die Maturandin.
Keines der Kinder kann spanisch
Für ihre Maturaarbeit war Hug zwischen den Sommer- und Herbstferien des letzten Jahres immer am Dienstagnachmittag im Kindergarten Glärnisch in Glarus anzutreffen. Sie wollte herausfinden, wie die Kleinkinder des grossen Kindergartens auf eine fremde Sprache reagieren.
Ihr Ausgangspunkt: Für Kinder ist Lernen keine Anstrengung; auf ihre unbeschwerte Art lernen sie viel einfacher eine neue Sprache als die Erwachsenen. Hug selber lernt seit ihrem vierten Kantonsschuljahr Spanisch. Vorher hatte sie keine Spanischkenntnisse. Sie sagt, es sei nicht immer einfach, sich die neuen Vokabeln zu merken.
«Zuerst wussten die Kinder nicht, was diese Frau, die mit ihnen spanisch spricht, jetzt von ihnen will», erzählt Hug. Es sei ihre grösste Befürchtung gewesen, dass die Kinder Angst vor ihr hätten oder sie ablehnen würden. Schliesslich sprach keines der Kindergartenkinder diese Sprache, und Hug kannten sie auch nicht. Diese Befürchtungen erwiesen sich später als unbegründet. Denn die Vorschulkinder legten ihre anfängliche Scheu schnell ab und sangen schon bald beim Entchenlied mit.
Farben und Zahlen auf Spanisch
«Nach dem Lied haben wir dann Spiele zu Farben und Zahlen gemacht. Ich habe aber nicht nur Spanisch gesprochen. Erklärt habe ich alles auf Deutsch», so Hug. Während der Spiele habe sie dann spanisch vorgesprochen und die Kinder sollten die Farben und Zahlen auf Spanisch aufsagen, erklärt die Maturandin. Um den Lernerfolg jedes einzelnen Kindes im Zeitverlauf zu sehen, hat Hug nach jeder Stunde einen Bewertungsbogen für jedes der acht Kinder ausgefüllt.
Einige ihrer Resultate: Die Stimmung der Kinder stieg von Stunde zu Stunde, auch das Merken fiel den Vorschülern immer leichter, und Mädchen waren viel neugieriger und interessierter als Knaben. Auf die Frage, wie sie sich Letzteres erklärt, sagt Hug: «Mädchen sind in diesem Alter schon viel reifer als Jungen. Sie können sich besser auf eine Sache konzentrieren und dann lernen. Die Jungs sind noch ganz wild und tollen umher. Da ist es schwieriger, ihnen etwas in einer ruhigen Minute beizubringen.»
Psychologie im Nebenfach
Mit Hintergrundfakten erklärt die Maturandin schon in den ersten Kapiteln ihrer Arbeit, wie Menschen lernen und welche Unterschiede es beispielsweise zwischen simultanem und sukzessivem Spracherwerb gibt. Bei der Lektüre merkt man schnell, dass Hug zwar Spanisch im Schwerpunkt-, aber Psychologie im Nebenfach belegt hat. Damit der vielseitig interessierte Leser auch sprachgeschichtlich nicht zu kurz kommt, skizziert sie auf drei Seiten den Werdegang der spanischen Sprache. «Bei einem Informationstag der Universität Zürich bin ich in eine Vorlesung zum Fach Spanisch gegangen», so Hug. Diese Unistunde habe ihr viele Informationen für den sprachgeschichtlichen Teil ihrer Arbeit geliefert. «Ich schrieb mit und musste anschliessend nur noch genaue Zahlen und spezifische Informationen recherchieren», erzählt Hug.
Bei der persönlichen Einschätzung zum Schluss der Arbeit schreibt Hug selbstkritisch über ihre Arbeit und beschreibt genau, was sie insgesamt hätte besser machen können. Wieso? «Bei der Maturaarbeit ist mir nicht in erster Linie meine Note wichtig, sondern dass ich möglichst viel daraus lerne.»
«Die Kinder legten ihre Scheu ab und sangen schon bald beim Entchenlied mit.»
«Bei der Maturaarbeit ist mir nicht in erster Linie meine Note wichtig, sondern dass ich möglichst viel daraus lerne.»
Glarner Maturaarbeiten
suedostschweiz.ch/dossier
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