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Wendy Holdener ist zurück

ski alpin Als Dritte des Slaloms von Kühtai musste sich Wendy Holdener nur Slalom-Olympiasiegerin Mikaela Shiffrin und Sarka Strachova geschlagen geben.

Südostschweiz
30.12.14 - 01:00 Uhr
Zeitung

si. Vor gut zwei Wochen in Are fuhr Holdener im zweiten Durchgang des Slaloms gemäss eigener Aussage «etwas zu brav», weshalb sie noch von Position 4 auf 8 zurückfiel. In Kühtai im Tirol, das kurzfristig als Ersatzort für Semmering einsprang, sollte ihr das Gleiche jedoch nicht nochmals passieren. Als Sechste nach halbem Pensum nahm sie auch am Nachmittag volles Risiko. Nach einer furiosen Fahrt geriet Holdener zwar kurz vor dem Ziel in Probleme, dennoch ging sie in Führung und konnte sich so ihres besten Saisonresultats bereits sicher sein.

Für die seit mehreren Jahren beste Schweizer Slalomfahrerin sollte es aber noch viel besser kommen. Da in der Folge auch die formstarke Schwedin Frida Hansdotter – in den drei Slaloms zuvor in der Saison immer auf dem Podest – und die Führende in der Slalom-Wertung, die Slowenin Tina Maze, an ihrer Marke scheiterten, reichte es Holdener mit 0,92 Sekunden Rückstand auf die Siegerin zum zweiten Weltcup-Podestplatz ihrer Karriere. Besser hatte sie sich zuvor erst einmal, im März 2013 als Zweite in Ofterschwang, klassiert.

Lob von «Vreni national»

«Mir ist ein grosser Stein vom Herzen gefallen. Ich wusste, dass ich es kann. Nun ging es endlich wieder einmal auf», erzählte Holdener mit einem breiten Lachen auf ihrem Gesicht. Neben der 21-Jährigen aus Unteriberg stand beim TV-Interview eine nicht minder strahlende Vreni Schneider, die in der Nähe von Kühtai mit ihrer Familie Ferien macht. Die mit 34 Weltcup-Siegen erfolgreichste Schweizer Slalom-Fahrerin hatte schon vor dem zweiten Lauf an eine Verbesserung von Holdener geglaubt und dem ORF-Interviewer ein «Passt auf Wendy auf» ins Mikrofon mitgegeben. Nach dem Final fand «Vreni national» gar nur noch Superlative: «Fantastisch» sei Holdeners Fahrt gewesen und der Podestplatz «höchst verdient». Holdener seinerseits bedankte sich artig für das Lob der Glarnerin und gab zu, dass «ich gar nicht wusste, dass Vreni hier ist. Sie hat Wahnsinnssachen erreicht, und dass sie sich nun mit mir über den dritten Platz freut, macht es umso schöner.»

Gisin wieder in Top 10

Wie Holdener gelang auch Michelle Gisin im zweiten Lauf bei Schneefall und diffusen Lichtverhältnissen eine Verbesserung um drei Positionen. Die ebenfalls 21-jährige Obwaldnerin wurde Zehnte und erreichte damit zum dritten Mal nach Levi (8. Platz) und Are (9.) eine Top-10-Rangierung. Neben dem Top-Duo fuhren gestern auch die zwei weiteren Schweizer Starterinnen in die Punkte. Denise Feierabend klassierte sich nach zwei mässigen Fahrten im eher bescheidenen 22. Rang. Rahel Kopp, mit Nummer 49 gestartet, wurde 26. Die 20-jährige St. Gallerin qualifizierte sich in ihrem siebten Rennen auf dieser Stufe erstmals für den zweiten Lauf (als 21.), den sie im Angesicht ihrer ersten Weltcup-Punkte dann aber verbremste.

Zweimal Laufbestzeit für Shiffrin

Shiffrin übernahm bei der Weltcup-Premiere auf dem Hang in Kühtai wie schon tags zuvor im Riesenslalom die Führung nach dem ersten Lauf. Doch im Gegensatz zum Sonntag, als es am Ende zum 3. Platz gereicht hatte, verteidigte die Slalom-Olympiasiegerin und -Weltmeisterin die Spitzenposition souverän. Shiffrin fuhr auch im Finallauf Bestzeit und siegte mit acht Zehnteln Vorsprung vor Strachova.

Die Tschechin, 2007 in Are Slalom-Weltmeisterin geworden, hatte sich zuvor im Weltcup letztmals Ende November 2009 in den Top 3 klassiert, als sie noch Zahrobska hiess. «Mein Gefühl hat mir immer gesagt, ich solle weiterkämpfen. Der Entscheid war richtig», sagte Strachova, die im Februar 2010 noch Olympia-Bronze gewonnen hatte und später wegen eines Gehirntumors beinahe ihre Karriere hätte beenden müssen.

Auch Shiffrin musste in ihrer Spezialdisziplin ungewohnt lange auf einen Podestplatz warten. Die 19-jährige Amerikanerin, in der letzten Saison Seriensiegerin, war im WM-Winter bisher im Slalom nicht über Platz 4 (zuletzt in Are) hinausgekommen. Nun resultierte bei letzter Gelegenheit im Jahr 2014 der elfte Weltcupsieg, der zweite in dieser Saison nach demjenigen im Riesenslalom von Sölden. «Das ist ein verspätetes Weihnachtsgeschenk für mich und das ganze Team», freute sich Shiffrin. Sie ist nun mit zehn Siegen vor Tamara McKinney alleinige US-Rekordhalterin im Slalom.

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