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Weltmeisterschaft im Visier

Micha Steiner hat die Berge im Blut. Schon früh bestieg er Gipfel mit der Familie, bevor er mit 16 Jahren den Wettkampf am Berg entdeckte. Bei seinem ersten Berglauf aufs Rothorn bei Lenzerheide sprang er auf Anhieb unter die Top Ten der über 700 Teilnehmer.

Südostschweiz
29.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Noch schneller ist er auf Skitourenrennskis unterwegs. Für knapp 800 Höhenmeter braucht er rund eine halbe Stunde. «Schnell in den Bergen unterwegs zu sein, ist für mich genau so schön wie der Zieleinlauf bei einem Rennen», sagt der 19-jährige Berufsmaturand.

Seit einem Jahr ist Micha Steiner Mitglied der Nationalmannschaft, dem SAC Swiss Team, und gehört bereits zu den stärksten Junioren. Sein bestes Ergebnis erzielte er letztes Jahr am Weltcup in Verbier mit dem vierten Platz im Vertical. Nicht einfach war der Start in die aktuelle Saison. Aufgrund des Schneemangels konnten die Swiss-Team-Läufer kaum auf Ski trainieren. Dann setzte ein Virus Steiner für drei Wochen ausser Gefecht. An der Vertical-Schweizer-Meisterschaft in Gryon reichte es deshalb nur für den siebten Platz. Trotz Trainingsrückstand lässt er den Kopf nicht hängen. «Ein schlechter Einstieg in die Saison, das kann jedem passieren. Das muss ich abhaken.»

Die mentale Stärke verhalf Steiner am letzten Wochenende am Weltcup in Andorra zu einem 14. Platz. Dass er nach der langen Krankheitspause nicht gleichauf mit seinen Kollegen sein kann, wissen er und auch Cheftrainer Bernhard Hug. «Für Micha ist dennoch alles möglich», sagt Hug. Die Entscheidung fällt Ende Januar. Bis dahin absolviert Steiner weiter seine Trainingseinheiten, ganz nach dem Motto: «Immer das zu trainieren, wozu ich mich am besten in Form fühle.» Dazu gehören Intervalltrainings auf die Schatzalp oder längere Skitouren in den Engadiner und Davoser Bergen. Den fünf Kilometer langen Arbeitsweg legt er auf Langlaufski zurück. Im Sommer spurtet er in der Mittagspause auf seinen Trainigsberg, das Seehorn.

Seit Micha Steiner in Davos wohnt, hat sich sein Leben komplett verändert. Bis vor einem Jahr war er Handelsschüler und hatte fürs Trainieren viel mehr Zeit zur Verfügung. Heute arbeitet er Vollzeit als Praktikant im Schnee- und Lawinenforschungsinstitut und muss in seinem Studio, das er am Dorfausgang bewohnt, auch einen kleinen Haushalt führen. Zudem stehen im Frühling die Abschlussprüfungen für das Kaufmännische Diplom bevor, für die er lernen sollte. «Zum ersten Mal in meinem Leben muss ich alles selber organisieren», sagt Steiner. Das brauche vor allem eines: Disziplin. Und die wiederum, findet Steiner, bewirke, dass er effizienter trainiere. Darum fühlt er sich keineswegs benachteiligt seinen Teamkollegen aus der Romandie gegenüber, die durch die traditionelle Verankerung des Skitourenrennsports in der Region und einem grossem Regionalkader von mehr Trainingsmöglichkeiten profitieren.

Disziplin aber auch eine realistische Selbsteinschätzung zeichnen Steiner aus. Obwohl einer der besten Junioren, träumt er in erster Linie nicht von Podestplätzen. Sein Saisonziel formuliert er so: «Vier Junioren dürfen an die WM in Verbier. Ich will einer davon sein.» Steiner ist einer der komplettesten Athleten der Juniorenkategorie und stark vor allem im Aufstieg. Hervorheben mag er das nicht: «Verbessern kann ich mich überall», findet er. Und davor müssen sich seine Konkurrenten in Acht nehmen.

«Zum ersten Mal in meinem Leben muss ich alles selber organisieren.»

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