Wegen Krisen – Markt für Alttextilien schwächelt
Aufgrund der weltpolitischen Spannungen sinken die Preise für Alttextilien im zweistelligen Bereich. Texaid sucht nun neue Abnehmer und sortiert kundenspezifischer.
Aufgrund der weltpolitischen Spannungen sinken die Preise für Alttextilien im zweistelligen Bereich. Texaid sucht nun neue Abnehmer und sortiert kundenspezifischer.
Von Linda Harzenmoser
Bern. – Seit Anfang 2014 sinkt die Nachfrage für Alttextilien in der Schweiz. Der Grund: Die politischen Spannungen in der Ukraine und im Nahen Osten sowie die Ebola-Krise in Afrika nehmen die dortige Bevölkerung zu sehr in Beschlag. Es fehlt das Geld, sich neu einzukleiden. Dadurch, dass weniger Alttextilien abgesetzt werden, füllen sich die Lager und der Verkaufspreis von europäischer Ware ging im Vergleich zum vergangenen Jahr um fünf bis 15 Prozent zurück.
Schweizer Ware weiterhin gefragt
Lilly Sulzbacher, Mediensprecherin des Schweizer Textilrecycling-Unternehmens Texaid, relativiert die Folgen des Rückgangs auf die Schweiz: «Grundsätzlich ist es so, dass immer ausreichend Nachfrage für die gebrauchte Kleidung aus der Schweiz besteht.» Die rund 55 000 Tonnen Altkleider, die in der Schweiz jährlich abgegeben werden, finden aufgrund ihrer verhältnismässig guten Qualität immer noch Abnehmer. Qualitativ minderwertige Alttextilien aus wirtschaftlich schwächeren Ländern wie beispielsweise Süd- und Osteuropa seien jedoch deutlich schwieriger absetzbar, da die Nachfrage für diese Produkte geringer sei.
Nur noch 20 Prozent der Texaid-Sammelware wird in der Schweiz sortiert, der Rest kommt in Deutschland, Ungarn und Bulgarien in die Aufbereitung oder wird als unsortierte Ballen an Grosshändler weitergereicht. 65 Prozent der Textilien sind noch tragbar, je 15 Prozent enden als Putzlappen oder Isoliermaterial. Fünf Prozent des Inhalts der Sammelcontainer und -säcke schliesslich sind Abfall – wie zum Beispiel defekte, beschichtete und verschmutzte Textilien, Stoffreste, kaputtes Spielzeug oder Kleiderbügel.
Griechenland zeigt Interesse
2002 war die Nachfrage für Alttextilien zum letzten Mal stark zurückgegangen. Aufgrund eines Überschusses an verfügbarer Ware brachen damals die Preise um fast ein Drittel ein. Sulzbacher ist optimistisch: «Den Preisrückgang machen wir wett, indem wir vor allem in Osteuropa neue Märkte bearbeiten.» So habe man 2014 sehr viele Bestellungen aus Griechenland erhalten. «Ausserdem passen wir die Produktpalette an die Bedürfnisse der Abnehmer an, indem wir das Sammelgut in bis zu 65 Kategorien sortieren.» Eine versierte Sortiererin schafft pro Tag übrigens 1500 Kilogramm Altkleider – das sind beachtliche 6000 Kleidungsstücke.
Die neuen Abnehmerländer, sorgfältige Sortierung und die hohe Qualität der Kleider, die hierzulande via Texaid ausgemustert werden, sollen dazu beitragen, den Gewinn stabil zu halten. 2013 konnte Texaid 6,2 Millionen Franken an Winterhilfe, Schweizerisches Rote Kreuz, Solidar Suisse und andere Hilfswerke auszahlen.
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