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WEF-Kritiker verzichten auf Schmähpreis und lancieren Initiative

Das Forum Public Eye verlässt das WEF. Der gleichnamige Schmähpreis für Unternehmen, die Menschenrechte und Umweltstandards missachten, wird heute letztmals vergeben.

Südostschweiz
Freitag, 23. Januar 2015, 01:00 Uhr

Das Public Eye wurde im Jahr 2000 als Gegenveranstaltung zum WEF gegründet. Im Zentrum stand der kritische Blick auf Geschäftspraktiken von Unternehmen, insbesondere wenn diese Menschenrechte verletzten und Umweltstandards ignorierten. Dabei hat Public Eye keine eigenen Kampagnen gestartet, sondern lediglich bereits bestehenden Kampagnen eine Plattform geboten, wie Oliver Classen, Pressesprecher der EvB, auf Anfrage von kath.ch erklärte.

Seit 2005 wurden Firmen, die diesbezüglich besonders schlecht abschnitten, mit einem Schmähpreis, dem Public Eye Award, ausgezeichnet. Insgesamt erhielten bisher 23 Unternehmen einen Public Eye Award, darunter auch Schweizer Firmen wie Roche (2010), Glencore (2008) und Novartis (2007).Der Preisträger wird jeweils mittels Online-Voting erkoren. Über 280 000 Menschen aus der ganzen Welt hatten 2014 am Voting teilgenommen. Am kommenden Freitag, 23. Januar, wird der Public Eye Award letztmals verliehen. Der Schmähpreis blieb für einige der Firmen nicht ohne Folgen, wie die EvB auf ihrer Homepage festhält. Konkret wurde die Firma Roche beispielsweise von der Anlagenliste einer international tätigen Bank gestrichen, weil unethische Versuche mit einem Medikament in China nicht den von der Bank vorgegebenen Menschenrechtsstandards entsprächen. Der Pharmakonzern Novartis erhielt den Schmähpreis, weil er versucht hatte, mit Patentklagen den Zugang zu bezahlbaren Generika in Indien einzuschränken. Das oberste Gericht Indiens hat inzwischen entschieden, Novartis kein Patent für sein Antikrebsmittel zu gewähren.

Warum also steigen die Organisatoren aus? «Es wurde Zeit, die Segel in Davos zu streichen und Kurs auf Bern zu nehmen», sagte Classen im Tagesgesräch von Radio SRF (21. Januar). Aufgabe des Public Eye on Davos, wie die Gegenveranstaltung ursprünglich hiess, sei es gewesen, das Thema «Unternehmensverantwortung» in Davos zu platzieren, damit es Aufmerksamkeit bekommt. Kernanliegen des Public Eye sei jedoch immer die Veränderung gewesen. Weil eine breite konzernkritische NGO-Koalition nun in Bundesbern angekommen ist, kann sich das Public Eye aus Davos zurückziehen. Konkret ist damit die «Volksinitiative für verantwortungsvolle Konzerne» gemeint, die derzeit zur Prüfung in der Bundeskanzlei liegt. Die Initiative wird von 50 NGOs getragen und geht zurück auf die Kampagne «Recht ohne Grenzen». Zur Koalition gehören unter anderen Fastenopfer, Brot für Alle und Amnesty International.

«Recht ohne Grenzen» hatte bereits mit einer Petition gefordert, dass Schweizer Firmen Menschen- und Umweltrechte respektierten. Die bisherigen Lösungsvorschläge der Regierung blieben jedoch im Bereich freiwilliger Massnahmen, rechtlich verbindliche Anforderungen an Unternehmen mit Sitz in der Schweiz seien bislang nicht formuliert worden, teilte der Verein Konzernverantwortungsinitiative am Montag mit.

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