«Was für ein Wahnsinn!»
Der Grünliberalen Partei ist mit der Wahl von Josias F. Gasser in den Nationalrat der grosse Coup gelungen. Gasser und seine Partei zeigen sich «überrascht und überwältigt».
Der Grünliberalen Partei ist mit der Wahl von Josias F. Gasser in den Nationalrat der grosse Coup gelungen. Gasser und seine Partei zeigen sich «überrascht und überwältigt».
Von Kerstin Hasse
Jürg Kappeler tigert durch das RTR-Gebäude in Chur. Er scheint der Sache noch nicht recht zu trauen. Es ist zwei Uhr, noch kaum jemand befindet sich im Wahlstudio. Erste Prognosen sehen Josias F. Gasser im Nationalrat, und genau zu dieser ersten Hochrechnung will eine Radiomoderatorin Kappeler befragen. «Ich kann wirklich noch nichts dazu sagen – das wäre viel zu früh», erklärt der Parteipräsident der Grünliberalen mit entschuldigendem Blick. Schliesslich wolle er noch nichts verschreien. Und so werden die nächsten zwei Stunden für die Anhänger der GLP zur veritablen Nervenprobe. Bis zur letzten ausstehenden Gemeinde – die entscheidende Kantonshauptstadt – muss die Partei um ihren Sitz zittern. Denn noch immer wäre es möglich, dass die SVP zwei Sitze erreicht und somit alle grünliberalen Träume platzen lässt.
Bis zum Schluss gezittert
Doch dann, kurz nach vier Uhr, wird das Resultat bekannt: Gasser ist gewählt, der Jubel ist gross. Rinaldo Willy – ebenfalls Nationalratskandidat – und Jürg Kappeler liegen sich in den Armen. «Ich kann es nicht glauben – was für ein Wahnsinn», ruft Willy mit strahlendem Gesicht. Die Euphorie ist unübersehbar. «Ich habe bis zum Schluss gezittert und gehofft», so Willy. Er und Gasser hätten viel Kritik für die Listenverbindung mit der SP und den Grünen geerntet. «Aber es hat sich gelohnt, und nun können wir auch in Bern beweisen, dass wir noch immer als Mittepartei politisieren», erklärt Willy weiter. Der Partei sei jedoch bewusst, dass sie es aus eigener Kraft nicht in den Nationalrat geschafft hätte. Kappeler ergänzt: «Ich denke, die Menschen haben das grosse Engagement von Josias F. Gasser deutlich gespürt und uns deshalb unterstützt.» Nach diesen Wahlen sei nun klar geworden, dass die Grünliberalen zu den neuen «Starken» und somit auch ins Parlament gehören würden.
«Ich bin überwältigt»
Der Star des Nachmittags fehlt in dem Freudentaumel jedoch noch. Gasser lässt auf sich warten – wie es sich für einen Sieger gehört. Als er dann gegen 17 Uhr endlich den Raum betritt, wird er von seinen Parteikollegen gefeiert. Mit einem zurückhaltenden Lächeln nimmt er die zahlreichen Gratulationen und Handschläge entgegen. «Ich bin überwältigt», so Gasser. Bereits nach den ersten Hochrechnungen habe er Glückwünsche per SMS von seinen Bekannten bekommen, die er jedoch alle beschwichtigt habe. Denn für ihn sei seine Wahl zu diesem Zeitpunkt noch lange nicht sicher gewesen. «Als mein Resultat jedoch nur noch von Chur abhing, habe auch ich begonnen, daran zu glauben», erklärt Gasser weiter. Schliesslich habe er in Chur bereits bei den Grossratswahlen ein sehr gutes Resultat erreicht. «Als ich realisiert habe, dass ich nun Nationalrat bin, war meine Freude wirklich riesig.» Die Ergebnisse sowohl auf Kantons- als auch auf Bundesebene würden zeigen, dass die GLP mit ihrer Parteistrategie richtig liege, so Gasser. «Wir reden nicht nur, wir handeln – und wenn genau diese Botschaft bei den Leuten angekommen ist, bin ich glücklich.» Er fühle sich nun bereit für seine neue Aufgabe. «Ich freue mich sehr auf Bern und auf mein Amt als Nationalrat», erklärt Gasser.
Bevor es nach Bern geht, wird jedoch noch gefeiert, im Hotel «Stern» in Chur. Denn nach dieser Überraschung, ja nach diesem Coup, der den Grünliberalen gelungen ist, gibt es so einiges zu feiern. Das Tigern, Warten und Zittern hat sich gelohnt.
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