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Von Rumänien nach Ibach

Ibach Seit einem Jahr ist Nicu Mada jetzt Pfarreiverantwortlicher in Ibach. 2014 war ein turbulentes und herausforderndes Jahr. Doch Mada ist zuversichtlich.

Südostschweiz
23.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Leben nad. Nicu Mada (Teodor Nicolae Mada) wurde 1978 in Rumänien geboren. 1999 begann Mada sein Theologiestudium in Grosswardstein (Rumänien). Der rumänisch-deutsche Doppelbürger bekam dann ein Stipendium, um in Würzburg weiterzustudieren. Für ein Jahr studierte er ausserdem in Paris: «Das war, glaube ich, das schönste für mich als Student», schwärmt Mada von seinem Jahr in der Stadt der Liebe. Nach seinem Masterabschluss 2005 arbeitete er zunächst an der Universität, bevor er 2008 eine Stelle als Religionslehrer im Bistum Augsburg antrat. «Aber nur Unterricht war mir zu einseitig», gibt Mada zu. So habe er sich nach einer freien Stelle in einer Pfarrei umgesehen und wurde in Ibach fündig, wo er seit 2011 als Pastoralassistent beziehungsweise Pfarreiverantwortlicher tätig ist. Nicu Mada, seine Frau und seine zwei Kinder (3 und 5 Jahre alt) haben sich hier gut eingelebt, meint er. «Als Familie findet man schnell den Anschluss.»

Mada versucht mindestens ein Mal pro Jahr, seine Familie in Rumänien zu besuchen. Auch in Würzburg fühlt er sich zu Hause: «Das ist sozusagen meine zweite Heimat», sagt er. Auf die Frage, wo für ihn denn Heimat ist, sagt er nach einigem Zögern: «Das tönt jetzt vielleicht etwas fromm, aber die Kirche bietet ein Stück Heimat, egal, wo man auf der Welt gerade ist.»

«Wichtig ist, ein gutes Mass zwischen Alt und Neu zu finden.»

Nicu Mada, Pfarrei-«Manager», Ibach

Nadine Annen

Nachdem der langjährige Pfarrer Franz Baumann im Dezember 2013 verstorben ist, «managed» Nicu Mada seit Januar 2014 die Pfarrei Ibach. Was das heisst, kann man nur erahnen, wenn man der Aufzählung des Familienvaters zuhört. Folgendes gehört zu seinen Aufgaben: die Jahresplanung der Gottesdienste und des Religionsunterrichts, die Koordination der Aktivitäten zusammen mit dem Seelsorgerat, Präsesfunktionen in verschiedenen Vereinen und Ansprechperson für die Pfarreiangehörigen. Dies sind nur einige seiner Hauptaufgaben. Auf die Frage, ob er so etwas wie Freizeit überhaupt kenne, antwortet er lachend: «Seit ein paar Jahren bin ich im FC Ibach, ohne dass mir das mein Arbeitsprofil vorschreibt.»

Mada schätzt seinen Fulltime-Job: «Mein Beruf ist sehr abwechslungsreich. Man hat mit Menschen in allen Lebenslagen aus allen Altersstufen zu tun», schwärmt der 36-Jährige. Es sei natürlich nicht immer alles lustig, aber das gehöre halt dazu. So werde es sicher nie langweilig, fügt er hinzu.

«Die Familie ist das Schönste»

Mada versteht sich nicht als Ersatz für einen Pfarrer: «Ich werde auch nicht als Pfarrer wahrgenommen», meint er. Als Pfarreiverantwortlicher hat man zwar die gleiche Ausbildung wie ein Pfarrer, ist aber nicht geweiht. Das habe Vor- und Nachteile, sagt Mada. Der grösste Vorteil sei die Familie: «Ich bin verheiratet und habe zwei Kinder. Das ist das Schönste», strahlt er. Der Nachteil sei, dass viele, vor allem ältere Menschen, sich bei existenziellen Fragen einen «echten» Pfarrer als Ansprechperson wünschen würden.

Dass in Ibach aber wieder ein Pfarrer die Pfarrei übernehmen wird, sei eher unwahrscheinlich: «Es gibt einfach viel zu wenige», erklärt Mada. Vielmehr befinden sich die Pfarreien Schwyz, Ibach und Seewen im Aufbau eines gemeinsamen Seelsorgeraums. «Wir vernetzen uns und versuchen, vieles für alle drei Pfarreien gleichzeitig zu machen», erklärt Mada.

«Versuche nicht, ihn zu kopieren»

Die Gemeinde von Pfarrer Baumann, welcher die Pfarrei sehr geprägt hat, zu übernehmen, klingt nach keiner leichten Aufgabe. Nicu Mada, der zuvor bereits vier Jahre als Pastoralassistent in Ibach war, kannte den Pfarrer gut. Ihn ersetzen könne und wolle er aber nicht: «Ich versuche auch nicht, ihn zu kopieren», betont er. «Vielmehr haben wir im letzten Jahr versucht, alle von Pfarrer Baumann geplanten Aktivitäten durchzuführen, aber auf unsere Art und Weise.» Das sei in diesem ersten Jahr auch eine der grössten Herausforderungen gewesen: «Es war schwierig, alles weiterzuführen wie geplant und genug Aushilfspriester zu finden.» Meistens habe aber alles geklappt. «Zum Glück hatte die Pfarrei Ibach schon immer viele Freiwillige, die in den unterschiedlichsten Bereichen helfen», freut sich Mada.

Altes bewahren – Neues zulassen

Ganz nach dem, übrigens von Pfarrer Baumann formulierten, Pfarrei-Motto «Frische Wind ine la» versuchen Mada und sein Team auch immer wieder, neue, moderne Impulse zu setzen. Das Motto haben sie dann auch ergänzt mit «und gmeinsam wiiterga», denn «die Welt bleibt nicht stehen», erklärt Mada. So werde in diesem Jahr zum Beispiel erstmals ein Pfarreifest mit Attraktionen für Gross und Klein stattfinden. Mada betont, wie wichtig es ist, ein gutes Mass zwischen Alt und Neu zu finden: «Die Pfarrei ist für viele ein Stück Heimat, das muss auch so bleiben.»

So ist auch Madas Hauptziel für dieses Jahr, dass sich die Lage weiterhin beruhigt: «Die Leute sollen gerne in die Kirche kommen und etwas davon nach Hause nehmen. Und wenn es nur eine Stunde Ruhe ist», fügt er schmunzelnd hinzu.

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