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Vom Schreibtisch in den Kübel: Als Rap diesen Artikel las

Ausgabe vom 20. Januar Zum Artikel «Vom US-Ghetto in die Bündner Berge: Als der Rap die Alp eroberte».

Südostschweiz
22.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Lieber Simon Ambühl

Das Wichtigste zuerst: Vielen Dank für einen ganzseitigen Artikel zu einer der (immer noch? Ja, immer noch!) aktivsten Subkulturen im Kanton Graubünden. Und schon stehen wir beide knietief in der Schei…nbar tot geglaubten Bündner Hip-Hop-Szene. Daher: Herzlich willkommen, seien Sie mein Gast.

Ihren Artikel empfinde ich als grosse Wertschätzung, zumal Sie sich sogar die Mühe gemacht haben, den Text mit einer signifikant grossen Anzahl an Wortspielen zu spicken – mit signifikant meine ich schmerzlich. Darüber schaut man aber gerne hinweg, schliesslich bedient sich Ihre Schreibe nicht eines der gängigen Gangster-Klischees, sondern bestätigt den erfrischenden Aspekt, dass Rap als Kunst am Wort endlich auch bei Aussenstehenden angekommen ist – endlich!

Ihre Recherchen in Ehren, aber wer sich im Lead eines Artikels zu Fragen hinreissen lässt, dem sei empfohlen, nebst dem Blick zurück auch den Blick zum Telefon zu wagen und einfach mal zum Hörer zu greifen. Ein, zwei Telefonate führen meist zu ein, zwei Bieren in ein, zwei Beizen in Chur, was Sie wiederum zu Informationen führen würde wie zum Beispiel, dass sich Bündner Hip-Hop vor allem dadurch auszeichnet, aus Graubünden zu sein und nicht zwangsläufig nur zwischen Zollhaus und Grillhütte stattfindet. Und was Sie spätestens nach dem dritten Bier in der dritten Beiz endgültig zum Staunen bringen dürfte, ist, dass es neben den von ­ihnen genannten Acts eine Vielzahl an Produzenten, Rappern, DJs und Sprayern gibt, die seit Jahren die Geisteshaltung der Hip-Hop-­Kultur in Graubünden hochhalten, nämlich kreativ zu sein, etwas zu bewegen und dabei kein Blatt vor den Mund zu nehmen. Ich denke, sie dürften sich spätestens am nächsten Churerfest wieder davon überzeugen. Ansonsten sind ­diverse Bündner Hip-Hop-Künstler regelmässig in Chur anzutreffen – ab und an auch zwischen Zollhaus und Grillhütte. Halten Sie einfach Ausschau nach den Personen mit einem gewissen Feuer in den Augen.

Abschliessend möchte ich mir erlauben, die von Ihnen gestellten Fragen wie folgt zu beantworten: Jeder, der sich auch nur ansatzweise mit Bündner Hip-Hop beschäftigt, kommt nicht drum herum, ihn zu sehen. Ausser man fährt mit dem musikalischen Mainstream im Auto mit – denn der kennt den Weg ins Rheinquartier nicht.

Ausgabe vom 18. Januar Zur Kolumne «Fascht a Familia» von Hansruedi Schiesser.

Lieber Hansruedi

Es ist wunderbar: Mit mir geschieht das Gleiche, wenn ich Deine Artikel lese, wie damals, als ich Meienberg las. Ein befreiendes Gefühl beim Lesen, jede Formulierung drehe ich noch einmal mit Hochgenuss durch meine Hirnwindungen, am Sonntag musste ich laut lachen und dann begann ich von vorne und genoss das «Thea­tralische beim Katholizismus, die Devisenkurse beim Tourismus, die immer gleichen Koffer» usw.: Es war ein wunderbarer Morgen. Ganz en famille! Danke tausendmal.

Ausgabe vom 16. Januar Zum Leserbrief «‘Charlie Hebdo’ – nein danke!»

?Auch ich fühle mich von diesen oder jenen «Charlie»-Karikaturen etwas peinlich berührt. Genau dasselbe Gefühl kriege ich aber auch bei einigen Passagen von Giovanni Marantas ­Leserbrief. Wenn sich ­Mohammed angesichts der massenmordenden Dummköpfe in einer Karikatur verzweifelt die Augen zuhält, ist diese Karikatur eine Respektadresse an ihn, auch wenn das vielleicht vom Zeichner nicht beabsichtigt war.

Der direkte Vergleich mit Zwingli und reformierten Synodalen im Talar ist eher grenzwertig, ist der Unterschied zwischen reformierten Pfarrern und Zwingli doch etwas kleiner als zwischen Mohammed und dem gotteslästerlichen Mörderpack von IS, Boko Haram und El Kaida. Jedenfalls habe ich meinen Vater nie als «con» oder A... erlebt. Wenn Maranta eine vergleichbare Christen-Karikatur entwerfen will, muss er statt Zwingli schon Jesus bemühen und statt der reformierten Pfarrer die Kreuzfahrer, die spanischen Konquistadores oder den evangelikal-fundamentalistischen Ku-Klux-Klan. Auch der Vergleich von «Charlie Hebdo» mit dem Stürmer ist etwas gewagt, auch wenn «Charlie» sich ausgesprochen bemüht, bemühend und oft sehr geschmacklos in naiv-marxistischer Manier atheistisch betätigt. Schliesslich hackte der Stürmer im Dienste eines Völkermordes von oben, was definitionsgemäss keine Satire ist, während «Charlie» von der Seite und von unten beisst. Da lese ich doch lieber mit Genuss Marantas Rezensionen über die Orgelrezitale in der Kathedrale.

Ausgabe vom 12. Januar Zum Artikel «Wenn Sozialämter doppelt zahlen».

?Da haben wir es doch – wieder einmal mehr schwarz auf weiss – der Beamtenschlaf ist halt doch der ­gesündeste (und teuerste)! Aber das spielt ja keine Rolle. Hauptsache ist, man wird für seinen Beamtenschlaf fürstlich honoriert. Und für die Fehler, welche in der «Schlaf-­Abwesenheit» passieren, zahlt ja eh der Steuerzahler. Also – was soll die ganze Aufregung? Und plötzlich wird man durch die «Südostschweiz» geweckt – aber es ist doch alles im grünen Bereich, wie es ja auch Andrea Ferroni (immerhin Amtschef) in seiner äusserst lapidaren, unqualifizierten und ­völlig ­unprofessionellen Stellungnahme zu diesem Skandal ausführt: Solche Vorfälle seien ein Einzelfall. Wer das glaubt, zahlt einen Taler. Wer kann das über­prüfen? Aber eben – wie das Sprichwort sagt: «Den Seinen gibt es der Herr im Schlafe.» Was in diesem Sprichwort für diesen Skandal noch fehlt: «Aber bezahlen tut es in jedem Fall der Steuerzahler!» Also, gute Nacht Ihr Beamten und Amtsvorsteher – und «en gsunde, tüüüfe Schlaf»!

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