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Vom Eurokurs profitiert vor allem Exportriese Deutschland

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat es geschafft: Der Euro ist im Sinkflug. Gestern kostete er wieder weniger als einen Franken. Gegenüber dem Dollar stieg die europäische Einheitswährung zwar kurz ein wenig, doch ist der Kurs mit rund 1,13 Dollar pro Euro immer noch so tief wie seit 2004 nicht mehr.

Südostschweiz
28.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Das ist zwar grundsätzlich kein gutes Zeichen. Offensichtlich haben Investoren wenig Hoffnung, dass die Wirtschaft in der Eurozone bald wieder abhebt. Deshalb will die EZB bis September 2016 über eine Billion Euro in die Märkte pumpen (Ausgabe vom 23. Januar). Zusätzlich unter Druck steht die Währung, weil nach dem Regierungswechsel in Griechenland nicht klar ist, ob Athen seine Staatsschulden jemals abtragen wird – und ob es am Ende nicht doch wider alle Erwartungen die Eurozone verlassen muss.

Trotzdem ist der tiefe Eurokurs der EZB genehm. Die europäische Exportindustrie profitiert davon in gleichem Mass, wie die schweizerische Exportindustrie darunter leidet: Ein tiefer Eurokurs macht Europas Produkte ausserhalb der Eurozone billiger. Das kommt der Währungszone auch deshalb gelegen, weil die Binnennachfrage schwächelt. Kann die Exportindustrie wieder satte Gewinne verbuchen, soll sie die gesamte Wirtschaft nach oben ziehen helfen, so das Kalkül.

Anleger scheinen diese Erwartung zu teilen: Zuletzt haben vor allem Aktien von Exportunternehmen deutlich zugelegt: Die Papiere des französisch-deutschen Flugzeugbauers Airbus beendeten ihre einjährige Talfahrt und stiegen wieder, jene von deutschen Autobauern wie Audi oder BMW erreichten Rekordstände, auch Chemieriesen wie BASF profitierten.

Jubel herrscht deswegen in der Eurozone aber keineswegs. Vielmehr dominieren die Sorgen. Einerseits gehen fast 50 Prozent der Exporte der Euroländer in andere Euroländer; dieser Handel wird durch die Schwäche ihrer Währung nicht beeinflusst. Andererseits profitieren vom tiefen Euro überdurchschnittlich jene Mitgliedsstaaten mit einer starken Exportindustrie.

Deutschland sticht dabei heraus: Die grösste Volkswirtschaft der Eurozone ist auch der wichtigste Exporteur; fast 60 Prozent der deutschen Ausfuhren gehen in Drittländer. Spanien hingegen verkauft nur einen Drittel seiner Exporte ausserhalb der Eurozone. Profitiert das blühende Deutschland, das Krisenland Spanien hingegen kaum, steigt aber das Ungleichgewicht in der Eurozone – und das bezeichnen viele Ökonomen und Politiker als eines der grössten Probleme der Gemeinschaftswährung.

Sorgen machen sich die Euroländer auch, weil die tiefe Währung den Import von Energieträgern, die meist in Dollar gehandelt werden, verteuert. In Frankreich etwa machen sie ein Sechstel aller Importe aus. Weil sich die Ölpreise derzeit auf einem extrem tiefen Stand befinden, können energieintensive Unternehmen den tiefen Eurokurs indes vorerst verkraften.

Noch kaum Diskussionen ausgelöst hat, dass die Sparer die grossen Verlierer der Euroschwäche sind: Die Zinsen befinden sich nahe bei null, Pensionskassen haben Mühe, genügende sichere Renditen zu erzielen. Und die Sparer werden wieder zu den Verlierern zählen, wenn der Plan der EZB dereinst aufgeht und die Eurozone wieder wächst – dann nämlich dürfte eine Inflation einsetzen und die Sparguthaben entwerten. Die Regierungen der Eurozone hingegen freuen sich: Sie zahlen für ihre Staatsschulden derzeit rekordtiefe Zinsen. Und kehrt die Inflation zurück, entwerten sich die Schuldenberge wie von alleine.

Solange die Energiepreise tief bleiben, ist auch der teure Dollar kein grosses Problem.

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