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Vierfaches Glück für drei Bauernkinder

Nidwalden Die Geiss Olga der Familie Felder aus Ennetmoos hat Vierlinge zur Welt gebracht. Dass alle Jungen überlebt haben, kommt beinahe einem Wunder gleich.

Südostschweiz
28.01.15 - 01:00 Uhr
Zeitung

Marion Wannemacher

Im Iglu vor der Scheune in der Murmatt am Fusse des Stanserhorns oberhalb von Ennetmoos-?Allweg ist gehörig was los. Kleine Geissen springen umher, meckern fröhlich den Kindern Ivan (11), Anja (8) und Remo (5) Felder entgegen. Heute ist Fototermin. Ziege Olga hat Vierlinge geboren. Das war eine Überraschung für alle. «Olga hatte schon einen dicken Bauch», sagt Hobbybäuerin Lydia Felder. Aber mit Vierlingen habe niemand gerechnet.

Fast wie ein Lottogewinn

An einem Morgen vor zwei Wochen, als Lydia und ihr Ehemann Ruedi Felder von ihrer Wohnung beim Allweg in Ennetmoos hoch auf die Murmatt fuhren, fanden sie die vier Jungtiere, die derzeit noch namenlos sind. «30 Jahre lang züchtet mein Mann jetzt schon Geissen, aber das hat er noch nie erlebt», sagt Felder.

«Vierlinge bei Geissen, das ist schon eine Seltenheit», bestätigt auch Klaus Arnold von der Ziegenzuchtgenossenschaft Nidwalden. Der Schweizerische Ziegenzuchtverband schätzt, dass die Chancen für Vierlinge bei Geissen bei rund einem Prozent liegen. «Und noch seltener ist, dass sie alle überleben. Wenn alles gut geht, ist das natürlich eine Freude», sagt Arnold.

Zwei Geissen brauchen Schoppen

Die Freude ist bei den Felders tatsächlich gross. Die Frage ist nun aber, ob sie die Jungtiere auch durch den Winter bringen. Dies sei schon heikel, sagt Felder dazu. Zwei der vier Geissen seien derzeit draussen bei anderen vier gleichaltrigen «Gitzi», die von anderen Geissen abstammen. Die zwei Kleineren von Olgas Nachwuchs seien im Stall beieinander und würden mit einem Schoppen aufgezogen. Zweimal am Tag bekommt jedes der Jungtiere drei Flaschen – insgesamt 1,2 Liter feinste Geissenmilch. Im Wasserbad wärmt Lydia Felder die Schoppen auf, prüft die Temperatur, indem sie die Milch auf den Handrücken spritzt. «Wie für ein Baby», sagt sie. Die Kinder Remo und Anja dürfen abwechselnd «schöppeln». Gierig und ungeduldig saugt das Geisslein die Flasche in kurzer Zeit leer.

Wenig später steckt eines der beiden jungen Geisslein neugierig die Nase durch die Absperrgitter und stupst den fremd riechenden Besuch ans Bein. «Geissen sind wie kleine Hunde», sagt Ivan. «Sie erkennen unsere Stimmen. Wenn beispielsweise meine Mutter etwas sagt, springen sie hoch.» Der elfjährige Ivan klingt wie ein Fachmann, wenn er über die Geissen und deren Geburten redet. «Wenn man am Abend sieht, dass es gut kommt, kann man sie einfach lassen», erklärt er. Fremde Hilde bei der Geburt würden die Geissen keine brauchen.

Vater Benno kommt von der Alp

Übrigens: Entstanden sind die Vierlinge, die allesamt weiblich sind, Anfang August auf einer Alp. Ihr Vater heisst Benno und gehört einem Sennen. Es handelt sich um «Gemsfarbige Gebirgsziegen», mittelbraun mit einem schwarzen Aalstrich auf dem Rücken, sagt Felder. Zum siebenten Mal hat Olga nun schon Junge zur Welt gebracht – aber erst dieses Mal mehr als wie sonst üblich eins oder zwei. Drei Liter Milch gibt Olga jeden Tag. Das Melken ist strenge Arbeit. Sohn Ivan hilft jeden Abend mit – auch Anja und Remo haben ihre Pflichten. Die Milch der Geissen verkaufen Felders nicht weiter. Sie nutzen sie für den Eigenbedarf oder geben sie im Sommer auf der Alp Oberarni in Engelberg in die Geissenkäseproduktion. «Die Landwirtschaft ist unser Hobby», sagt Felder. Die Familie mache dies gemeinsam. «Die Kinder dürfen mithelfen, manchmal ist es für sie auch ein ‹Müssen›.» Die Arbeit würde die Kinder jedoch prägen, sagt Felder. «Es prägt sie, wenn sie erleben, wie Geissen auf die Welt kommen, wenn sie mit ihnen spielen und sie ‹schöppeln› können.»

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